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Wismar Poel kämpft mit Folgen der Sturmflut
Mecklenburg Wismar Poel kämpft mit Folgen der Sturmflut
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07:00 06.02.2019
Bei der Sturmflut Anfang Januar 2019 gab es zwischen den Orten Am Schwarzen Busch und Gollwitz erhebliche Abbrüche an der Steilküste. Der Weg muss seitdem an einigen Stellen gesichert werden. Warnschilder weisen auf Gefahren hin. Quelle: Heiko Hoffmann
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Kirchdorf

Sturmflut und Hochwasser haben Anfang Januar erhebliche Schäden in mehreren Abschnitten auf unserer Insel angerichtet“, so Bürgermeisterin Gabriele Richter. Jetzt gehe es um die Beseitigung der Schäden „in Hinblick auf die touristische Saison“. Einiges wurde in Angriff genommen, viel bleibt noch zu tun.

Schäden gemeldet

Richter: „Alle Schäden, die an den Häfen Kirchdorf und Timmendorf entstanden sind, wurden der Versicherung gemeldet und durch einen Gutachter aufgenommen. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt.“ Inzwischen sei in den Häfen das Notwendigste instandgesetzt worden, wie zum Beispiel die Stromversorgung.

Wege sind gesperrt, Abbrüche an Steilküsten, Schäden in Häfen

Die Sturmflutschäden wurden dem Staatlichen Amt für Umwelt und Landwirtschaft Westmecklenburg (StaLU) und dem Wirtschaftsministerium MV gemeldet. Gleichzeitig hat die Ostseegemeinde um Unterstützung gebeten. „Es wurde eine Strandaufspülung oder Profilierung der Küstenschutzdüne am Schwarzen Busch beantragt“, sagt die Bürgermeisterin. Die Vermessung hat inzwischen stattgefunden. Danach sieht es so aus, als wenn die Sollstärke für die Düne nicht unterschritten wurde. Voraussichtlich, so ein StaLU-Sprecher, werde es daher keine Maßnahmen geben.

Überspült wurde Anfang Januar auch das Reetmoor samt Wanderweg. Da es ein geschütztes Biotop ist, müssen die nächsten Schritte mit dem StaLU abgesprochen werden.

Abbrüche am Küstenwanderweg

Erhebliche Abbrüche von bis zu zehn Metern gab es an der Steilküste zwischen den Orten Schwarzer Busch und Gollwitz. Bauzäune dienen jetzt als Absperrung. Gabriele Richter: „Dadurch ist der Küstenwanderweg an einigen Stellen kaum noch gefahrlos begehbar, sodass der Weg weiter in den Küstenwald verlegt werden müsste.“ Dazu fand ein Gespräch mit der Forstbehörde Bad Doberan statt. Ergebnis: Der Weg wird an den betroffenen Stellen in den Wald verlegt. Das Forstamt wird einige Bäume fällen, das Entfernen der Baumstumpen und die Befestigung des Weges übernimmt die Gemeinde.

Baggerarbeiten im Hafen

Schäden gab es auch in Timmendorf-Strand. Der Steg an der Nordmole ist teilweise gesperrt, die Spundwand muss erneuert werden, aus der Mole wurden durch die Wucht des Wassers Steine rausgedrückt, in das Hafenbecken sind erhebliche Sandmengen eingedrungen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lübeck hat die Wassertiefe im Hafen, in dem auch das Lotsenboot und der Seenotretter liegen, überprüft. Die Gemeinde hat darum gebeten, die tatsächliche Wassertiefe der Bootsliegeplätze entlang der Nordmole ebenfalls zu überprüfen. Bei weniger als 2,20 Meter bestehe „Handlungsbedarf, um die Funktion des Hafens zur Saison 2019 sicherzustellen“, so die Bürgermeisterin. Gemessen wurden 1,50 bis 1,80 m, im Bereich der Fahrrinne könnte es knapp reichen. Die Gemeinde hat dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt eine mögliche Beteiligung an den Kosten der Baggerarbeiten signalisiert. Das Vorgehen wird noch abgeklärt.

Gutachter gegen Buhnenbau

Ein ganz dickes Fragezeichen steht hinter dem Buhnenbau in Timmendorf. Die Gemeinde will Verbesserungen beim Küstenschutz erreichen. Als erster Schritt sind zwischen Nordmole und Surferstrand 17 Buhnen (jeweils 90 Meter lang) im Abstand von 80 Metern im Gespräch. Die Baukosten wurden mit gut einer Million Euro angegeben. 80 Prozent könnten gefördert werden, rund 210 000 Euro müsste die Gemeinde aufbringen.

Allerdings sind die Kosten mittlerweile deutlich in die Höhe geschnellt. Die Auflagen sind riesig. Im Vorfeld wurden verschiedene naturschutzfachliche Prüfungen vorgenommen. Ergebnisse liegen nunmehr vor.

Gabriele Richter: „Der Gutachter empfiehlt, die geplanten Maßnahme, also den Buhnenbau, nicht durchzuführen.“ Durch den Buhnenbau würde laut Gutachter der geschützte Lebensraumtyp „Seegraswiesen“ und „Miesmuschelbänke“ erheblich beeinträchtigt werden. Umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen wären notwendig. Schon vor einem Baubeginn müsste ein messbarer positiver ökologischer Ausgleich erfolgen. Der Gutachter sieht bei einem prognostizierten Hochwasser von zwei Meter über Normal keine Gründe, die einen Buhnenbau rechtfertigen.

Die Gemeinde hat die naturschutzfachliche Stellungnahme dem staatlichen Amt für Umwelt und Landwirtschaft Westmecklenburg zugesandt. Die weitere Vorgehensweise soll besprochen werden. Möglicherweise rückt die Verstärkung der Düne in den Focus.

Geotextilwall eine Alternative?

Eine Anregung könnte Lubmin bei Greifswald liefern. Der dortige Strand soll einen sogenannten Geotextilwall bekommen. Dabei handelt es sich um eine dammartige Barriere, die im Inneren einer Düne versteckt ist. Meist besteht so ein Wall aus – vereinfacht gesagt – unterschiedlichen Sandsäcken, die unter der Düne angeordnet werden. Grundsätzlich bestehen Geotextilwälle aus zwei Materialkomponenten: wasserdurchlässigen Geotextilien wie Gewebe oder Vliesstoffe und dem Füllstoff, in der Regel Sand. Eine Aufspülung seeseitig des Geotextilwalls soll dann folgen.

Mehr lesen: Einen Monat nach der Sturmflut in MV

Ist das die Lösung? Sandsäcke statt Aufspülung

Heiko Hoffmann

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