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Wismar Poeler Seegras: Aus Abfall könnte Handelsware werden
Mecklenburg Wismar Poeler Seegras: Aus Abfall könnte Handelsware werden
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12:39 20.02.2019
So sieht es aus, wenn der Strand der Insel Poel gereinigt wird. Das Seegras wird anschließend nach Kaltenhof gebracht, wo es in einer Siloanlage gelagert wird. Quelle: Insel Poel
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Insel Poel

Statt herrlich feinem Strandsand zieht sich zurzeit ein hässlicher Teppich aus dunkelbraunem Seegras über die Strände der Region. Auch auf der Insel Poel ist das ein großes Problem. Seit Jahren versucht das Ostseebad Herr der Lage zu werden. Aufwendig wird das Seegras vom Strand gesammelt und im insel-eigenen Bauhof für die Entsorgung vorbereitet. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Eine hoffnungsvolle Alternative könnte eine Genehmigung vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (Stalu) bringen. Die Behörde könnte nämlich erlauben, dass das Seegras nicht mehr als Abfall gilt. Somit bekäme es schlagartig einen Wert für die Inselgemeinde, anstatt hohe Kosten bei der Entsorgung zu verursachen.

„Der Antrag der Gemeinde Insel Poel auf Freistellung von der Behandlungspflicht für die pflanzlichen Bestandteile des Strandräumgutes ist derzeit noch in Bearbeitung“, bestätigt Anneliese Ihde, Sprecherin des Stalu mit Sitz in Schwerin. Allerdings wurde einem ähnlichen Antrag vom Amt Klützer Winkel bereits 2017 zugestimmt. Heißt: Auch die Insel Poel hat gute Chancen, ihr Seegras künftig nicht mehr unter dem Abfallbegriff entsorgen zu müssen, sondern sogar verkaufen zu können.

Generell gilt: „Angeschwemmtes Seegras am Strand zählt nicht zu Abfall. Erst, wenn die Behandlung in Form von Einsammeln und Abtransportieren oder stofflicher Trennung und Sortierung erfolgt und die Gemeinde sich des Strandräumgutes entledigen will, greift der Abfallbegriff“, heißt es aus dem Stalu. Das „Strandräumgut“ bestehe aus pflanzlichen Bestandteilen, Sand, Salzwasser, Muscheln, Steinen und Siedlungsmüll. Durch das Amt Klützer Winkel und die Gemeinde Ostseebad Insel Poel wurde eine sogenannte Freistellung von der Behandlungs- und Untersuchungspflicht beantragt. Das betreffe allerdings lediglich die pflanzlichen Bestandteile, also ausschließlich Seegras und Algen – nicht etwa den Sand, der sich zu großen Teilen unter das Seegras mischt.

Nützlich könnte das Seegras vor allem für die Landwirtschaft sein. Auf Äckern wurde Seegras früher zum Beispiel als natürlicher Dünger verwendet. Ein Landwirtschaftsbetrieb mit Sitz in Blowatz, der auch auf der Insel Poel Gemüse anbaut, habe laut Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) schon Interesse bekundet, das Seegras abzunehmen.

Das Hochwasser vom 2. Januar hat erhebliche Schäden beim Yachtclub Wismar 61 angerichtet. Bergeweise Seegras wurde mit der Sturmflut angeschwemmt. Quelle: Michaela Krohn

Doch was für die Ostseebäder in der Region bislang ein dunkelbraunes Ärgernis auf hellem Sandstrand ist, ist laut Naturschutzbund MV (Nabu) ein Schatz für die Ostsee. „Seegraswiesen bilden einen vielfältig strukturierten Lebensraum mit vielen Versteckmöglichkeiten für zahlreiche Tierarten, wie Fische, Muscheln und Seesternen - Seegraswiesen gelten daher auch als die Kinderstube der Ostsee“, erklärt Thorsten Werner vom Team Meeresschutz des Naturschutzbundes MV. Aber auch für Menschen würden Seegräser eine große Rolle spielen: Sie speichern große Mengen Kohlenstoff, mindern dadurch die Klimaerwärmung ab und verbessern die Wasserqualität der Ostsee. Doch genau die sei in den vergangenen 100 Jahren zurückgegangen, schätzungsweise um 70 bis 80 Prozent. Übermäßige Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Ostsee hätten die Bestände des Großen und Kleinen Seegrases dramatisch reduziert. Daher sind beide Arten heute streng geschützt.

Das Hochwasser vom 2. Januar hatte auch bergeweise Seegras auf den Strand in Wismar-Wendorf gespült. Quelle: Michaela Krohn

Auch mit der Hochschule Wismar hatte die Inselgemeinde Poel zu dem Thema zusammengearbeitet. Das sei allerdings schon etliche Jahre her, berichtet Hochschulsprecherin Kerstin Baldauf. Im schleswig-holsteinischen Kappeln, nördlich von Kiel gelegen, wird in der „Strandmanufaktur“ getrocknetes Seegras sogar als Füllmaterial für Kissen genutzt. Und auch als natürlicher Dämmstoff für Hausbau sollen die Meerespflanzen geeignet sein. Die Einsatzmöglichkeiten wären also mannigfaltig – auch für das Seegras, das auf Poel angeschwemmt wird.

Michaela Krohn

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