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Wismar Poeler und Urlauber räumen ihren Strand auf
Mecklenburg Wismar Poeler und Urlauber räumen ihren Strand auf
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12:55 27.01.2019
Am Gollwitzer Strand: Teilnehmer der Müllsammelaktion machen die Tüten voll. Quelle: Frank-Peter Reichelt
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Insel Poel

Die Idee hatten mehrere Poeler Einwohner gleichzeitig und mit der Gemeinde fanden sie schnell Hilfe und Unterstützung: Nach der Sturmflut Anfang Januar und dem späteren Hochwasser waren Unmengen an Müll an den Strand der Insel gespült worden. Dazu kamen noch zahlreiche Zerstörungen und Beschädigungen. An drei zentralen Treffpunkten trafen sich Einwohner und auch Touristen am Sonnabend, einige wurden bei dieser Aktion auch von ihren Hunden unterstützt, um am Strand und im Dünen- und Flachwasserbereich eine Strandsäuberungsaktion zu starten.

Schnee und Nebel erschweren Sammelaktion

Müllsammelaktion auf Poel in Bildern

In Gollwitz am Dorfteich übernahm Bernd Putzger die Einteilung. „Am Morgen dachten wir noch, wir können wegen des Schnees gar keinen Müll sehen, aber jetzt können wir doch anfangen. Der ganze Zivilisationsmüll muss weg. Erst sammeln wir, dann trennen wir“, erklärte er und brachte eine gelbe Tonne mit der Schubkarre und Körbe für Glas mit. Dann gab es für alle Helfer Müllsäcke und es konnte am Strand losgehen. „Das Holz kann liegen bleiben, das ist für die Sammler“, rief er noch hinterher. Dann machten die Einwohner und sogar Urlauber einen Strandspaziergang – mit gutem Zweck. „Das machen wir eigentlich immer so, wer was am Strand findet, nimmt es mit, bevor wir uns immer ärgern müssen“, bestätigte Carmen Becker, die als Tai-Chi-Lehrerin viel an der frischen Luft unterwegs ist. An diesem Morgen war sie mit Ehemann Peter und Hund Surinam am Strand Richtung Leuchtturm auf der Suche nach Müll.

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Dort kamen ihnen die Berliner Andrea Zieckert und Enrico Tietz entgegen. Am Tag nach seinem 38. Geburtstag waren sie am Strand unterwegs, die Überraschungsgeburtstagsreise führte die beiden auf die Insel Poel. „Wir hörten von der Aktion, so etwas kennt man ja sonst nur aus dem Fernsehen. Das hier ist eine richtige Gemeinschaft, hier grüßt man sich. Das kennen wir aus Berlin nicht mehr.“ Und beide ließen sich nicht bitten und sammelten auf ihrem Spaziergang Kleinmüll, den sie dann doch irgendwie freudig in der Mülltonne entsorgten. Ein guter Morgen beginne mit einer guten Tat.

Poeler Fußballer und Feuerwehr helfen mit

Besonders fleißig war bei dieser Aktion auch der Poeler SV. Fußballer der Herren- und Damenmannschaften waren am Strand unterwegs. „Am häufigsten fanden wir Bierflaschen, die sind aber nicht alle angeschwemmt worden“, bestätigten Neele Baumung und Eileen Jaffke. „Und auch die Hundetüten landen häufig im Busch, das ist doch nicht in Ordnung“, befanden sie.

Auch die Freiwillige Feuerwehr Kirchdorf war fleißig. Jugendwart Jan Stein war mit sieben Kindern unterwegs. „Die waren total bei der Sache und wollten immerzu etwas finden. Ich musste sie immer aus dem Unterholz herausrufen.“ Auch elf Mitglieder der Wehr waren dabei, bestätigte Claudia Weise, die erst noch mitgesammelt hatte und dann zur Arbeit fuhr.

Fischbüchse aus DDR-Zeiten gefunden

Heiko Winkler ist oft am Strand unterwegs und als begeisterter Strandläufer kennt er die Schmutzecken. „Der Sturm hat viel angeschwemmt, aber auch viel zutage gebracht, was schon lange dort rumlag. Unser ältester Fund war eine Fischbüchse für 1,50 Mark aus dem Fischwerk Saßnitz.“ Mit seinen Sportfreunden war er schon Anfang Januar unterwegs und hatte laufend Müll gesammelt.

Dieses Tun konnte die Bürgermeisterin Gabriele Richter bestätigen. „Viele Poeler haben inzwischen schon am Strand gesammelt, da lag zum Glück nicht mehr so viel Müll rum, wie wir befürchtet hatten. Aber der Sturm hat große Schäden verursacht: Anpflanzungen wurden zerstört, Bänke zerschlagen, Mülltonnen und Absperrungen weg gespült.“ Stolz zeigte sie sich am Ende der Sammelaktion über die vielen jungen Leute, denen die Umwelt am Herzen liegt. Viele hatten sich die aktuellen Informationen der Kurverwaltung über das Internet und das soziale Netzwerk Facebook geholt. „Am 30. März findet ,Poel räumt auf’ statt, da sehen wir uns bestimmt wieder. Vielen Dank“, sagte Gabriele Richter an die fleißigen Sammler gerichtet.

Frank-Peter Reichelt

25.01.2019