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Wismar Premieren und preisgekrönte Filme in Wismar
Mecklenburg Wismar Premieren und preisgekrönte Filme in Wismar
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06:00 25.06.2018
Jan „Monchi“ Gorkow, Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet, im Film „Wildes Herz“. Quelle: Neue Visionen Filmverleih
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Wismar

Zwei Filme aus MV sorgen seit Monaten für Beachtung: „Wildes Herz“ und „Über Leben in Demmin“. Beide werden auf dem 12. Filmfest in Wismar vom 29. Juni bis 1. Juli zu sehen sein. Beide Produktionen hat die Kulturelle Filmförderung MV mit Sitz in Wismar bedacht. Die Erfolge seien „ein Zeichen dafür, dass wir gut gefördert haben“, sagt Geschäftsführerin Sabine Matthiesen erfreut. Das Festival zeigt wie immer Filme aus und über MV.

Porträt des Punk-Musikers Monchi Gorkow

Wie zum Beispiel „Wildes Herz“über Jan „MonchiGorkow, den Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, eine der erfolgreichsten deutschen Punkbands. Sie galt lange als „Vorpommerns gefährlichste Band“. Für sein Regie-Debüt haben TV-Star Charly Hübner („Polizeiruf 110“) und sein Co-Regisseur Sebastian Schultz Monchi drei Jahre lang begleitet. Sie zeigen ein mitreißendes Porträt dieser schillernden Persönlichkeit, einen Musiker und das, was er über alles liebt: seine Heimat. Ein „wuchtiger Film“, wie Sabine Matthiesen findet. Er wurde unter anderem vom Goethe-Institut ausgezeichnet und erhielt drei weitere Preise. Zum Filmfest werden Regisseur Schultz und Monchis Eltern erwartet.

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Über Massensuizid zu Kriegsende in Demmin

Solch eine Filmperle ist auch „Über Leben in Demmin“. Ein unfassbares Trauma hält die Kleinstadt gefangen: Im Frühjahr 1945 nehmen sich Hunderte Demminer das Leben. Der größte Massensuizid zum Kriegsende in Deutschland. Über die genauen Umstände wird geschwiegen. Dies missbrauchen Neonazis mit einem „Trauermarsch“ alljährlich am 8. Mai für ihre Zwecke. In dem Film sprechen Überlebende zum ersten Mal über die schrecklichen, lange verdrängten Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Regisseur Martin Farkas, der zur Wismar-Premiere seines Films kommt, zeigt eine Stadt, die mit ihrer Geschichte alleingelassen wurde, und wie stark die Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden ist. „Der Film feiert bundesweit Erfolge“, berichtet Sabine Matthiesen.

Roadmovie mit Holocaust-Überlebenden

Zur Eröffnung des Festivals wird „Der letzte Jolly Boy“ gezeigt. Regisseur Hans-Erich Viet hat den Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum über drei Jahre begleitet. So entstand ein dokumentarisches Roadmovie durch deutsche und polnische Geschichte und Gegenwart mit einem Mann, der als Jugendlicher mit seiner Band, den Jolly Boys, amerikanischen Swing interpretierte. „Zwischen dem Regisseur und seinem heute 97-jährigen Protagonisten hat sich eine Freundschaft entwickelt“, erzählt Sabine Matthiesen. Sie erwartet die beiden und weitere Teammitglieder zum Festival. Auf den Film stimmen Violinisten der Kreismusikschule „Carl Orff“ ein. Die feierliche Eröffnung des Festes nimmt der Schirmherr, Wismars Bürgermeister Thomas Beyer, vor.

Rechte psychisch Kranker thematisiert

Festivalchefin Sabine Matthiesen macht auch neugierig auf einen Film, der sich mit dem „Sozialistischen Patientenkollektiv“, kurz SPK, befasst. Es wurde 1970 von einem Heidelberger Arzt gegründet und kritisierte die damalige Behandlung von psychisch Kranken als „Verwahr-Psychiatrie“. Die Gruppe verknüpfte innovative Therapiemethoden mit politischen Forderungen. Gerüchte, die RAF unterstützt zu haben, überlagern, worum es dem SPK ging: um die Rechte von Patienten und um Therapien zur Selbstermächtigung. Damit thematisiert Regisseur Gerd Koske auch heute noch relevante Fragen.

Außerdem: Sieben, teils ausgezeichnete Kurzfilme

Vielversprechend klingen auch die Kurzfilme, die das Festival vorstellt, etwa das Film-Malerei-Projekt „Colonna“ mit fantastischen, fast mystischen Bildern, gedreht unter anderem in Alt Farpen, Garvensdorf und Rerik. Oder die kleine Webserie „Minibar“ als SitcomOpera, ein Experiment der jungen norddeutschen Philharmonie.

Nach ihrer weltweit gezeigten, preisgekrönten Doku „Der Fährmann und seine Frau“ gibt es jetzt von Johanna Huth und Julia Gechter „Nach Parchim“: Moner (7) und Ulla (91) verbindet das gleiche Schicksal. Sie mussten aus Kriegsgebieten fliehen und kamen, auf der Suche nach einer neuen Heimat, nach Parchim. Die Doku erhielt den Vielfaltspreis des Filmkunstfestes Schwerin.„Landstrich“, ausgezeichnet mit dem Kurzfilmpreis 2017, handelt von der Spurensuche in einer Familie zwischen Kriegsende und Mauerfall. „Frau Metall“, das Porträt der Künstlerin Takwe Kaenders, hat Weltpremiere. Der Kurzfilm „Lankow“ berichtet über ein geschleiftes Dorf in der Gemeinde Dechow in Nordwestmecklenburg.

Programm Filmfest Wismar

Freitag, 29. Juni:18 Uhr: Pollex (Nachwuchsfilm)19 Uhr: Feierliche Eröffnung, anschließend: Der letzte Jolly Boy

Sonnabend, 30. Juni:14 Uhr: Colonna und Minibar16 Uhr: Landstrich17 Uhr: Über Leben in Demmin20 Uhr: Frau Metall22 Uhr: Wildes Herz

Sonntag, 1. Juli:10 Uhr: Nautilus spezial – eine filmische Reise durch zehn Jahre Kinderfilmfest15 Uhr: Lankow; Der Fährmann und seine Frau; Nach Parchim17 Uhr: SPK Komplex

Karten im Vorverkauf: Die Einzelkarte kostet 6 Euro, Kinder bis 12 Jahre zahlen 3 Euro. Zum Kinderfilmfest ist der Eintritt frei.

Reservierungen sind unter info@filmbuero-mv.de oder telefonisch unter 03841/618100 möglich.

Haike Werfel