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Wismar Zeuge nach Tod von Wismarern auf A1: „Das Trümmerfeld war ein Horror“
Mecklenburg Wismar Zeuge nach Tod von Wismarern auf A1: „Das Trümmerfeld war ein Horror“
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17:16 17.01.2019
Bei dem Unfall vor knapp einem Jahr kamen drei Wismarer ums Leben. Ein Feuerwehrmann arbeitete mit einer hydraulischen Rettungsschere an dem Skoda Roomster an der Unfallstelle. Quelle: Archiv/Jens Burmester
Wismar/Ahrensburg

Das schreckliche Geschehen am 28. Januar des Vorjahrs wurde jetzt vom Schöffengericht in Ahrensburg aufgerollt. An diesem Morgen verloren drei Menschen auf der Autobahn 1 in Richtung Norden auf Höhe der Gemeinde Lasbek ihr Leben. Angeklagt ist ein 25-jähriger Hamburger wegen fahrlässiger Tötung. Er soll gegen 0.30 Uhr mit seinem Golf den Wagen der drei aus Wismar stammenden Opfer seitlich gerammt haben. Ihr Skoda kam von der Fahrbahn ab, kollidierte daraufhin mit Bäumen und wurde danach zurück auf den mittleren Fahrstreifen geschleudert. Dort blieb er quer zur Fahrbahn auf dem Dach liegen.

Angeklagter will sich nicht äußern

Kurz darauf krachte ein Geländewagen vom Typ Cherokee in die Seite des inzwischen unbeleuchteten Unfallfahrzeugs. Alle drei Insassen starben noch an der Unfallstelle, die Notärzte hatten keine Chance mehr. Der Angeklagte wollte sich am ersten Verhandlungstag noch nicht äußern. Sein Anwalt kündigte eine Erklärung am Ende des Verfahrens an: „Mein Mandant hat keine ernsthafte Erinnerung an das Geschehen.“ Er werde aber die Verantwortung für diese Tragödie übernehmen und sich einem Täter-Opfer-Ausgleich stellen.

Der angeklagte 25-Jährige wollte sich am ersten Verhandlungstag nicht äußern. Er soll betrunken den Wagen von drei Wismarern auf der A1 gerammt haben. Sie überlebten den Unfall nicht. Quelle: Jens Peter Meier

Beamte stellten Alkoholgeruch fest

„Es nieselte in dieser Nacht“, sagte ein Polizist aus. Der Angeklagte habe zur Unfallursache erklärt, er sei mit Tempo 140 auf der mittleren Spur gefahren. Ein vor ihm fahrender Audi habe dann abrupt gebremst. Die Beamten stellten Alkoholgeruch fest und veranlassten eine Blutprobe in der Lübecker Uniklinik. Die ergab zwei Stunden nach dem Unfall einen Wert von 1,72 Promille. Erst danach klärten die Beamten den Angeklagten über die Folgen des Unfalls auf. „Danach reagierte er schockiert und weinte“, sagte ein Beamter.

Ein Kraftfahrer, dessen Auto erheblich beschädigt wurde, sagte als Zeuge aus. „Ich habe das Wrack leicht gestreift, bevor ich anhielt. Dann hörte ich den Knall, als der Jeep hineinkrachte.“ Der silberne Golf des Angeklagten sei ihm schon zuvor durch dessen riskante Fahrweise aufgefallen: „Er hat rechts überholt und fuhr sehr schnell.“

Auto eierte hin und her

Das bestätigte ein weiterer Zeuge: „Der Golf überholte mich in raschem Tempo und hat dabei mein Auto fast gestreift. Das Auto eierte hin und her und wechselte oft die Fahrspur nach rechts oder links.“ Er habe sich gefragt, wie der Fahrer bei diesem Tempo noch die nächste Kurve kriegen könne. Dann passierte er die Unfallstelle: „Das Trümmerfeld war ein Horror.“

Einem Zeugen war der Golf schon auf der Sievekingsallee in Hamburg aufgefallen: „Er fuhr sehr schnell und aggressiv von Ampel zu Ampel, wechselte dauernd die Spur. Fast hätte er eine rote Ampel überfahren.“ Vor der Autobahnauffahrt berührte der Golf den Kantstein, Funken seien geflogen. Der Fahrer sei kurz ausgestiegen und dann weitergefahren. „Er fuhr wie ein Rennfahrer Slalom ohne zu blinken, hat mich und andere vorsätzlich geschnitten und fuhr so dicht auf, dass ich die Scheinwerfer nicht mehr sehen konnte“, sagte ein Zeuge. Keiner der Zeugen hatte den Angeklagten erkannt.

Prozess wird fortgesetzt

Schließlich sagte auch der Fahrer des Jeeps aus. Als einziger bestritt er, dass die Fahrbahn regennass war. Er sei mit Tempo 168 unterwegs gewesen: „Plötzlich tauchte vor mir der Skoda auf, wie vom Himmel gefallen.“ Er habe noch etwa vier Sekunden bremsen können, bevor er in das Wrack prallte. „Ich habe erkannt, dass ich nicht mehr ausweichen konnte.“ Das sei für ihn ein Schock wie ein Nahtod-Trauma gewesen. Er sei nach dem Unfall in ein Gebüsch gekrochen, vor ihm habe der Motorblock des Skoda gelegen. Das Verfahren gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft inzwischen eingestellt. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Jens Peter Meier

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