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Wismar Rentner spendet 500 Euro für Wismarer Tafel
Mecklenburg Wismar Rentner spendet 500 Euro für Wismarer Tafel
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09:01 19.02.2019
Erich Jeske (91, Mitte) übergibt den beiden Tafel-Vorsitzenden Renate Müller und Detlef Lohne 500 Euro und erhält als Dank einen Blumenstrauß. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

 „Wismarer Tafel muss 2000 Euro Müllgebühren zahlen“: Den OZ-Beitrag mit dieser Titelzeile hatte Erich Jeske am Freitag in aller Frühe gelesen. Gegen 9 Uhr war der Rentner dann schon bei der Tafel am Holzdamm 4 im Gewerbegebiet West, um sich weiter zu erkundigen. Am Montag überreichte der 91-Jährige 500 Euro an die beiden Tafel-Vorsitzenden Detlef Lohne und Renate Müller. „Das Geld habe ich übrig, ich gebe es gerne. Nicht jede Stadt hat eine Tafel, die sich um arme Menschen kümmert. Aber Not gibt es überall“, sagt Erich Jeske. Er empfindet es als ungerecht, dass der Verein auf den Kosten sitzen bleibt. Mit seiner Spende wolle er die Abgabenlast etwas lindern.

Erste Müllrate so hoch wie die Spende

„Das ist schon ungewöhnlich, das erleben wir nicht jeden Tag“, sagt Tafel-Chef Detlef Lohne zu der Spende. „Von Privatpersonen ist das ganz selten“, freut sich Renate Müller, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. In anderen Städten würde man die Nebenkosten übernehmen. Lohne: „Ich möchte die Stadt mehr in die Verantwortung nehmen.“

Die erste Ratenzahlung für die diesjährigen Müllgebühren war am 15. Februar fällig. 474,59 Euro. Das ist fast die Spende von Erich Jeske. Insgesamt muss die Tafel in diesem Jahr 1898,36 Euro an den städtischen Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb bezahlen.

„Grundsätzlich sind wir der Entsorger der Discounter“, sagt Detlef Lohne. Doch das müsse man sehr differenziert betrachten. Die Tafel und damit die Bedürftigen leben davon. Wichtig sei ein gutes Verhältnis zu den Marktleitern.

Politik diskutiert Unterstützung

Erreicht hat das Thema die Politik. Die Linken haben die Problematik in einem Ausschuss der Bürgerschaft aufgeworfen, die SPD hat einen interfraktionellen Antrag ins Spiel gebracht, die CDU ist schon konkret geworden. Sie stellt für die nächste Sitzung der Bürgerschaft einen Prüfauftrag und will vom Bürgermeister wissen, wie eine „Unterstützung konkret aussehen könnte“. Fraktionsvize Tom Brüggert: „Die Wismarer Tafel ist eine wichtige Institution in der Stadt, die eine große gemeinnützige Arbeit leistet. Dem sollte unserer Auffassung nach auch durch die Hansestadt Wismar Rechnung getragen werden. Eine Möglichkeit der Unterstützung wäre es gewesen, die jährlichen Müllgebühren zu erlassen.“

Meinungen auf Facebook

Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird das Thema diskutiert. Markus Faber: „Dass sich die Stadt und Politik damit so schwertun, ist nicht nachzuvollziehen.“ Er regt eine Müllpatenschaft für den Fall an, sollte es zu keiner Einigung kommen. Ein anderer schreibt: „Da muss die Politik eingreifen und die Kosten übernehmen. Für eine Non-Profit-Organisation sind 2000 Euro eine ganze Menge Geld.“ Andere sehen auch die Supermärkte in der Verantwortung. Sandra Rieck meint: „Ein Skandal ist es doch, wenn in Deutschland das Geld zum Leben für viele Menschen nicht ausreicht. Eine Kultur der existenziellen Abhängigkeit von (Lebensmittel)Spenden für ganze Bevölkerungsgruppen muss faktisch hinterfragt werden und sollte in unserem Land Empörung hervorrufen!“ Sie habe großen Respekt vor der Arbeit der vielen Menschen der Tafel, „praktizieren sie doch Solidarität und Mitmenschlichkeit. Konsequent wäre es dann aber, das Thema der Müllentsorgung zu den Lebensmittelspendern zurückzuverweisen, die genau diese Gebühren nämlich nicht mehr haben durch ihre Spenden“, so die Wismarerin.

Lebensmittelkorb alle 14 Tage

Bei der Tafel werden montags bis freitags 33 Körbe mit Lebensmitteln für Einzelpersonen und Familien aus Wismar und Umgebung verteilt. Bedürftige erhalten alle zwei Wochen eine Kiste und zahlen dafür vier beziehungsweise fünf Euro. Der Wismarer Egon Kähler würde es begrüßen, wenn dafür nichts bezahlt werden müsste. Gleichzeitig ist der Rentner dafür, wenn die Stadt die Müllgebühren erlässt bzw. die Nebenkosten übernimmt. Detlef Lohne sagt, dass die Tafel auf die Einnahmen angewiesen ist, um die Kosten zu bestreiten. Bei sehr guten Bedingungen (Mieterlass, Sponsoren) könnte der Betrag gesenkt werden. Bei anderen Tafeln sei das möglich.

Heiko Hoffmann

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