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Wismar Rote Karte für Plastikgeschirr in Wismar
Mecklenburg Wismar Rote Karte für Plastikgeschirr in Wismar
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06:27 27.04.2019
Plastikbecher und -teller, Strohhalme und andere Einmalprodukte aus Kunststoff sollen auf Festen in Wismar zurückgedrängt werden. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Wismar

Die Hansestadt sagt Plastikgeschirr und Plastikverpackungen den Kampf an. Dafür soll auf umweltfreundliche Alternativen gesetzt werden. Ein entsprechender Antrag der Linksfraktion fand in der Bürgerschaft große Zustimmung.

Nach dem Antrag sollen bei städtischen Veranstaltungen künftig Plastikgeschirr und -verpackungen untersagt werden. Das soll auch für Veranstaltungen gelten, die in städtischen Gebäuden sowie auf städtischen Flächen stattfinden. Im Blickpunkt rücken vor allem das Hafen- und das Schwedenfest.

„Wir kennen die Bilder von den Plastikmüllbergen in den Meeren“, so Gabriele Sauerbier (Die Linke). Daher sei es höchste Zeit, mehr für die Umwelt zu tun und auf Alternativen zu setzen.

Wismar sollte dem Beispiel von Schwerin, Rostock und Warnemünde folgen und die Nutzung von Plastikgeschirr und Plastikverpackungen bei städtischen Veranstaltungen untersagen“, fordert die Linke.

Mit Erfolg. Auch Frieder Bohacek (SPD, „Das Thema ist in aller Munde“) und René Domke (FDP/Grüne, „Ein wichtiger Antrag“) sprachen sich ebenfalls für konsequenteres Handeln aus. Damit es nicht nur bei losen Worten bleibt, soll über den Fortschritt laufend berichtet werden.

Erste gute Beispiele

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) unterstützt grundsätzlich das Verbot, störte sich aber an dem Wort „untersagen“. Das werde nicht überall möglich sein. Beyer: „Es wird nur Schritt für Schritt gehen.“ Der Linksfraktion, so Gabriele Sauerbier, gehe es um das „künftige“ Verbot, also nicht von heute auf morgen.

Erste Maßnahmen zur Müllvermeidung sind nach Angaben der Stadt bereits getroffen worden. So werden auf dem Weihnachtsmarkt seit Jahren Mehrwegbecher eingesetzt. Auch für den Kunstmarkt in St. Georgen wurde in diesem Jahr der Einsatz von Einwegplastik erstmalig ausgeschlossen.

Die Veranstalter des Hafenfestes haben 2018 ein Pfandsystem eingeführt. Auch bei der Vorbereitung des Schwedenfestes im August soll der Umweltgedanke eine größere Rolle spielen. Die Verwaltung verweist auf den aktuellen Vertrag mit der für die Gastronomie verantwortlichen Agentur. Ein Passus fordert ein Müllkonzept. So soll mindestens ein Pfandsystem zum Einsatz kommen, damit Einwegbecher aus Plastik während der gesamten Veranstaltung nicht zum Einsatz kommen.

Technische Möglichkeiten schaffen

Allerdings macht die Stadt auch deutlich, dass Verpflichtungen auch umsetzbar sein müssen. „Der konsequente Verzicht auf Plastikgeschirr, also auch in Pfandsystemen, ist das gewünschte Ziel. Dazu müssten den Veranstaltern aber die technischen Möglichkeiten gestellt werden, insbesondere Wasser und Einleitstellen für Abwasser zum Spülen von Bechern und Geschirr“, so die Stadt.

Im vorderen Teil des Alten Hafens seien solche Einrichtungen vorhanden. An der Hafenspitze fehlen bisher Möglichkeiten zur Wasserentnahme oder zum Einleiten von Abwasser. „Deshalb werden dort Einwegbecher genutzt, die per Pfandsystem wieder eingesammelt werden, was zumindest der Müllvermeidung auf der Veranstaltungsfläche dient“, so Theresa Eberlein, Veranstaltungsmanagerin bei der Hansestadt.

Vorbild Rostock

Im März 2018 wurde von der Rostocker Bürgerschaft folgender Beschluss gefasst: „Der Bürgermeister wird beauftragt, stärker auf die Vermeidung von Müll und Einweg-Plastik im öffentlichen Raum hinzuwirken und dabei auch ein stärkeres Engagement der Wirtschaft anzustreben. Dafür sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden: 1. Müllvermeidung und Verzicht auf Einweg-Plastik bei kommunalen Einrichtungen und Veranstaltungen. Die Stadtverwaltung, die Eigenbetriebe der Hanse- und Universitätsstadt und die kommunalen Unternehmen, bei denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, bekennen sich zu ihrer Vorbildwirkung und verzichten bei Veranstaltungen, in Kantinen und Verkaufsstellen künftig konsequent auf Einweg-Geschirr für Speisen und Getränke.“

Sind Mehrwegsysteme nicht möglich, „ist der Einsatz von kompostierbaren Materialien eine Alternative“, sagt die Stadt, fügt aber auch hinzu: „Mehrkosten müssen entsprechend einkalkuliert werden.“ Generell gelte, dass neue Umweltverpflichtungen nur bei Neuvergabe von Leistungen oder Konzessionen getroffen werden können. Beyer: „Insoweit werden von der Stadtverwaltung Wismar bei allen neuen Ausschreibungen für Veranstaltungen die neuen Umweltstandards berücksichtigt.“

Hafenfest im Juni

Die nächste große Veranstaltung ist das Wismarer Hafenfest vom 13. bis 16. Juni. Organisiert wird es von der Hafentage Wismar GbR. Einer der Gesellschafter ist Dirk Menzel. Er sagt: „Das muss sich entwickeln. Wir haben im letzten Jahr das Pfandsystem für Becher eingeführt.“ Damit habe man gute Erfahrungen gemacht. So habe es deutlich weniger herumliegenden Müll gegeben. Wassersportler wurden angehalten, auf Müll im Wasser zu achten und einzusammeln. Generell weisen Veranstalter von Großveranstaltungen auf technische Schwierigkeiten hin, wenn es darum geht, Becher und Geschirr im großen Stil vor Ort zu waschen. Die Möglichkeiten seien begrenzt beziehungsweise fehlen häufig.

Das sagen Jugendliche

Melissa Michalak aus Dorf Mecklenburg: „Ich finde es gut, dass Wismar die Anzahl an Plastik auf Festivals reduzieren möchte. Meiner Meinung nach ist es allerdings unmöglich, Plastik komplett abzuschaffen.“ Quelle: Marie Nitsch
Morten Wirth aus Bad Kleinen: „Plastik auf Veranstaltungen in Wismar abzuschaffen, hat sehr viele Vorteile, aber auch viele Nachteile. Es kann sehr teuer werden, Ersatz zu finden. Dieser kann aber auch unpraktischer sein.“ Quelle: Marie Nitsch
Anthea Kascha aus Karow: „Sicher ist die Abschaffung von Plastik besser für die Umwelt, aber es besteht doch heutzutage fast alles aus Plastik. Ich hätte kein Problem damit, weiterhin Plastikbecher zu bekommen. Man muss sie nur umweltgerecht entsorgen.“ Quelle: Marie Nitsch

Heiko Hoffmann

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