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Wismar Schreck auf Poel: Spaziergängerinnen finden Urne am Strand
Mecklenburg Wismar Schreck auf Poel: Spaziergängerinnen finden Urne am Strand
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19:56 31.10.2019
Diese Urne, die von einer Seebestattung stammt, fanden zwei Spaziergängerinnen am Strand von Wangern auf der Insel Poel.  Quelle: Martin Börner
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Poel

Einen grausigen Fund machten zwei Spaziergängerinnen am Dienstagmittag am Strand von Wangern auf der Insel Poel (Nordwestmecklenburg). Fassungslos standen Beate Magull (56) und ihre Freundin Dörte Rulf (53) vor einer vom Ostseewasser angeschwemmten Urne.

Spaziergängerinnen waren geschockt

Anfänglich dachten die Frauen, dass im Seegras ein Metallteil liegt. „Ich habe das Stück etwas gedreht und mir wurde richtig schlecht. Es handelte sich um eine graue Papp-Urne“, berichtet Beate Magull. Die in Beidendorf bei Wismar lebende Frau war geschockt. „Ich wurde sofort an die Seebestattung meiner Schwester vor gut einem Jahr erinnert, und mir wurde richtig unheimlich.“ Die Gedanken der Rentnerin waren zugleich bei den Angehörigen der unbekannten Toten.

Bestattungsunternehmen über Fund informiert

Die Mecklenburgerin informierte dann ein Bestattungsunternehmen in Wismar. Eine Mitarbeiterin habe ihr zugesichert, sich umgehend um das Problem zu kümmern. Auf OZ-Nachfrage stellte sich heraus, dass die Bestattungsfirma die Gemeinde Poel über den schaurigen Fund in Kenntnis gesetzt hatte.

Gesetzgeber zum Handeln aufgefordert

„Ein derartiger Umgang mit der Totenasche darf einfach nicht passieren“, betonte Torsten Lange (42), Landesvorsitzender des Fachverbandes der Bestatter. Die Bevölkerung müsse sich darauf verlassen können, dass eine Seebestattung in Würde und qualifiziert erfolge. „Die Totenasche wird von uns mit dem Verstorbenen gleichgesetzt. Unsere Gedanken und unsere Trauer sind bei den Angehörigen“, erklärte der Wismarer Bestattermeister. Gleichzeitig forderte er den Gesetzgeber auf, endlich zu handeln. Denn derzeit sei „unqualifizierter Arbeit Tür und Tor geöffnet“. Derzeit könne praktisch jeder einen Gewerbeschein beantragen und als Bestatter arbeiten.

Zahl der tatsächlichen Fälle unbekannt

Angesprochen auf die Zahl derartig unwürdiger Vorkommnisse wie auf Poel, erklärte Lange, dass dies immer mal wieder vorkomme. Die tatsächliche Zahl der Fälle sei indes nicht bekannt. Für große Aufregung hatte ein ähnlicher schauriger Fund Anfang des Jahres an der niederländischen Nordseeküste gesorgt. Spaziergänger hatten am Strand drei Urnen mit der Asche Verstorbener gefunden. Sie stammten aus dem Krematorium in Greifswald. Die niederländische Reederei Trip Scheepvaart in Scheveningen gestand ein, dass ein Fehler bei der geplanten anonymen Seebestattung unterlaufen sei. Der Karton mit den Urnen sei einem Mitarbeiter von der Reling ins Meer gerutscht.

Experte fordert Meisterpflicht für Gewerbe

Bei Seebestattungen dürfen die ausführenden Reedereien nur exakt ausgewiesene Seegebiete nutzen. Zudem sei unter anderem eine mineralische Überurne Pflicht, die sich umgehend im Meereswasser auflöse, erklärt Bestatter Lange. „Unverständlich ist, dass noch immer keine Meisterpflicht in unserem Metier vorgeschrieben ist. Mehr qualifizierte Arbeit ist dringend erforderlich“, so der Fachmann.

Qualifikation muss nicht nachgewiesen werden

Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern rund 100 Bestattungsunternehmen.

Im Fachverband der Bestatter des Landes sind 42 Firmen vereint. Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft dauert drei Jahre. Die Meisterausbildung – es besteht aktuell keine Meisterpflicht – umfasst zwei weitere Jahre.

Aktuell kann jeder Interessent einen Gewerbeschein beantragen und das Gewerbe ausführen, ohne seine Qualifikation nachweisen zu müssen.

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Von Volker Penne

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