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Wismar Seifenblasen schweben über Gräbern
Mecklenburg Wismar Seifenblasen schweben über Gräbern
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00:02 21.09.2015
William Wittek, Anica Fromme und Clara Jennerjahn (v. l.) lassen gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer Seifenblasen über Gräber auf dem Wismarer Ostfriedhof fliegen. Die dünnen Blasen platzen schnell — ein Zeichen für die Vergänglichkeit. Fotos (3): Norbert Wiaterek
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Wismar

Der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, der Besinnung und des Erinnerns. „Er ist auch ein Treffpunkt, eine grüne Oase, bietet Kunst und Kultur und ist ein sichtbarer Ort der Lokalgeschichte“, betonte Thomas Beyer (SPD). Der Bürgermeister von Wismar eröffnete am Sonnabendnachmittag den „Tag des Friedhofs“ und animierte die Besucher, das denkmalgeschützte Areal genauer zu erkunden. Dies machten nicht nur die Erwachsenen, sondern auch Kinder. Dr. Anja Kretschmer nahm einige Mädchen und Jungen auf eine spannende Spurensuche mit.

Die Kunsthistorikerin führte die jungen Entdecker unter anderem zu Kindergräbern auf dem Ostfriedhof. Dort ließ die kleine Gruppe Seifenblasen über die Grabsteine schweben. Die hauchdünnen Bläschen, die bunt schimmern und schnell zerplatzen, sind „ein Zeichen für die Vergänglichkeit“, erläuterte die Expertin. Staunend hörten die Kinder auch von Kronen aus Moos, künstlichen Blumen, Perlen und Schleifen, die einst Kindern und ledigen Erwachsenen vor der Beerdigung aufgesetzt wurden. „Kinder sind neugierig. Sie haben keine Berührungsängste. Wenn sie mit den Themen Tod und Trauer konfrontiert werden, können sie später, wenn sie selbst betroffen sind, damit besser umgehen“, warb Anja Kretschmer für Gespräche ohne Tabus. Weitere „Entdeckertouren“ sind geplant. „Ich finde die Idee ausgesprochen gut, Kinder mit besonderen Angeboten an das Thema heranzuführen“, lobte Thomas Beyer.

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Am „Tag des Friedhofs“, der unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam!“ stand, gab es einen weiteren Rundgang — zu den Gräbern von bedeutenden Wismarern. Dabei übergab der Stadtführer Hinrich Siedenschnur (71) auch fünf neue Info-Stelen. Sie erinnern an den Verleger Dethloff Carl Hinstorff, den Unternehmer Paul Heinrich Podeus, den Maler Heinz Dubois, den Pädagogen Ernst Boldt und den Architekten und Gründer der Ingenieur-Akademie, Robert Schmidt. Podeus hat seine Ruhestätte auf dem Westfriedhof, Hinstorff, Dubois, Boldt und Schmidt wurden auf dem östlichen Teil des Wismarer Friedhofs bestattet. Auf den nun insgesamt 27 Metallstelen neben den Gräbern sind kleine Tafeln angebracht, die an die Persönlichkeiten aus Wismar erinnern. „Dies ist besonders wichtig für die nachwachsenden Generationen“, erklärte Siedenschnur, der schon mehrere Info-Stelen gespendet hat. In Vorbereitung sei ein Friedhofsplan, mit dessen Hilfe die Prominenten-Gräber besser gefunden werden können.

Vielfältig waren die weiteren Angebote: Pastor Roger Thomas und Friedhofsverwalterin Grit Schaller-Uhl hatten zu einer Besinnung in die Trauerhalle eingeladen. Steinmetze stellten ihr Handwerk vor, Bestatter informierten ebenso wie Friedhofsgärtner und Vertreter des Ökumenischen Hospizdienstes, des Vereins Palliativ Care Hospiz Wismar, des Hospizes Schloss Bernstorf, der Seniorenheime der Hansestadt, der Friedhofsverwaltung, des Seniorenbeirates und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Für Hintergrundmusik sorgte die Jazz-Band „Swing for fun“ aus Rostock.

Anja Kretschmer, die auch Vorsitzende des im vergangenen Jahr gegründeten Vereins zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar ist, berichtete von Plänen, das um 1835 entstandene Leichenwärterhaus auf dem Ostfriedhof zu sanieren. Am 21. Oktober soll es dort eine öffentliche Lesung mit Geschichten, auch über die Angst vor dem Scheintod, geben. Außerdem plant der Verein, das sanierte Hermes-Mausoleum mit einer neuen Tür zu versehen.



Norbert Wiaterek

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