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Wismar Senioren in Wismar treiben regelmäßig Sport
Mecklenburg Wismar Senioren in Wismar treiben regelmäßig Sport
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15:25 22.11.2018
Frauen der Seniorensportgruppe bei Dehnungsübungen an der Wand. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

„Los geht’s!“ Mit diesem Kommando von Horst Kriegsmann erheben sich die Frauen und ein Mann von der Turnbank. Erwärmung ist angesagt. Sie formieren einen Kreis und beginnen zu gehen. Dabei machen sie verschiedene Übungen für die Arme, die Schultern, die Füße.

Frauen und Männer über 65 Jahre kommen donnerstags zu einer Sportstunde in der Turnhalle am Wismarer Kagenmarkt zusammen. Ihr Übungsleiter seit 2013 ist Horst Kriegsmann.

„Arme nach hinten und spannen, spannen, spannen“, fordert der Übungsleiter nun von seinen Sportlern. „Jetzt lockern!“ Dann sollen sie auf dem Fußballen gehen und dabei die Arme nach oben strecken. Eine weitere Übung ist beispielsweise, von der Ferse zum Fußballen abzurollen. Bei einer anderen mahnt Horst Kriegsmann, die Arme mitzubewegen. „Ihr habt es doch alle in der Schulter“, begründet er den Hinweis.

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Durchschnittsalter 73 Jahre

Hier trainieren ältere Menschen, das Durchschnittsalter liegt bei 73 Jahren. Jeden Donnerstag kommen sie um 13.30 oder um 14.30 Uhr für eine Stunde zum Seniorensport in die Turnhalle am Kagenmarkt – angeleitet von Horst Kriegsmann, der selbst 80 Jahre ist. „Als die Stadt begann, den Kagenmarkt mit Städtebaufördermitteln aufzuwerten, haben wir im Arbeitskreis überlegt, was wir für die älteren Bewohner machen können“, erzählt er. Uwe Möller, Schulleiter und Sportlehrer an der Tarnowschule, hatte die Idee für den Seniorensport. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft, ebenfalls im Arbeitskreis Kagenmarkt vertreten, finanziert die Hallennutzungsgebühren.

Vor fast sechs Jahren, am 10. Januar 2013, wurde die Sportgruppe gegründet. „Zur ersten Übungsstunde kamen zwölf Leute“, erinnert sich Horst Kriegsmann, der mit seiner Frau Sibylle die Leitung übernahm. Es wurden immer mehr Teilnehmer. „Als wir über 40 Anmeldungen hatten, haben wir gesagt, jetzt brauchen wir noch eine zweite Sportstunde.“

Gemeinsam bewegen

Heute sind 38 Frauen und fünf Männer gemeldet, zwischen 25 und 30 Teilnehmer sind meistens da. Der jüngste ist 65, die älteste mit 88 Jahren hat im Sommer aufgehört. Alle Senioren haben gesundheitliche Probleme: Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- oder Wirbelsäulenbeschwerden, eine künstliche Hüfte, Rückenschmerzen oder Diabetes. „Sie machen mit, was sie können“, sagt Horst Kriegsmann, der einen Übungsleiterlehrgang besucht hat. „Eigentlich kann bei uns jeder Rentner mitmachen, der nicht auf einen Rollator angewiesen ist. Gemeinsam bewegen und fit bleiben ist das Motto.“

Edeltraut Mannerow ist seit 2013 dabei. Sie kommt aus Dargetzow zum Sport. „Weil’s Spaß macht“, sagt die 80-Jährige. „Bewegung ist das halbe Leben. Ich bin auch viel mit dem Fahrrad unterwegs.“ Seit Heidi und Klaus Laßnack 2016 von Poel in die Wismarer Gartenstraße gezogen sind, gehören sie ebenfalls zur Gruppe. „Meine Frau hat mich hergelotst“, gesteht der 65-Jährige. „So muss ich mich zwingen, einmal die Woche was zu tun. Hinterher bin ich total entspannt.“

Dehnen ist wichtig

Es sind vor allem Dehnungsübungen, zu denen Horst Kriegsmann die Senioren anregt, zum Beispiel Übungen an der Wand oder mit Fitness-Bändern. Er achtet darauf, dass sie sie langsam ausführen. Auch Übungen, die das Gleichgewicht trainieren wie Balancieren über die Turnbank, stehen auf dem Programm. Horst Kriegsmann kennt sich aus. „Ich bereite mich zu Hause vor“, sagt der Wismarer, der seit seinem sechsten Lebensjahr Sport treibt, Handballer und Leichtathlet war und 16 Jahre lang mit seiner Ehefrau im Trainingszentrum sportliche Talente gefördert hat. Seit 1998 hält er sich auch mit Wandern fit.

„Solch eine Seniorensportgruppe müsste es in jedem Stadtteil geben“, findet der Sportfan. „Denn die Älteren sitzen zu Hause und es ist sehr schwer, sie zu motivieren, etwas zu machen.“

Am Kagenmarkt gäbe es nicht zuletzt ein gutes Miteinander von Alt und Jung. „Aus unserer Seniorensportgruppe haben sich drei Frauen bereit erklärt, den Tarnowschülern beim Lesen zu helfen“, berichtet Horst Kriegsmann. Seine Frau Sibylle, Heidi Bujar und Regina Ciernioch sind Lesepaten. Zudem sammelten die Senioren schon sechs Tonnen Altpapier für die Grundschule. „Und als die Flüchtlingsfamilien kamen, haben wir Kleidung, Haushaltsgeräte und Spielzeug für die Kinder zur Verfügung gestellt.“

Haike Werfel

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