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Wismar So faszinierend ist der Iran für Schüler in Bad Kleinen
Mecklenburg Wismar So faszinierend ist der Iran für Schüler in Bad Kleinen
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06:00 23.03.2019
An der Regionalschule Bad Kleinen hat das Duo Safar ein Konzert gegeben. Zuvor haben sie in Workshops zum Thema Kultur und Musik im Iran Schautafeln erarbeitet. Quelle: Michaela Krohn
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Bad Kleinen

“Wer weiß, welche Sprache im Iran gesprochen wird?“, fragt Jacob Przemus die etwa 80 Schüler, die sich in der Sporthalle der Regionalen Schule Bad Kleinen versammelt haben. Die meisten Finger bleiben unten. Ein paar melden sich und fragen mehr, als dass sie sagen „Arabisch?“, „Türkisch?“, „Kurdisch?“. Nicht so ganz. Im Iran wird überwiegend persisch gesprochen. Das und vieles mehr über das Land im Nahen Osten haben Musiker Jacob Przemus und die Schüler der 9. Klasse in seinem Workshop „Kulturbasar“ besprochen, in dem sie unter anderem Schautafeln mit vielen Informationen zusammengestellt haben. Die wurden nun erstmals allen anderen Schülern in der Sporthalle gezeigt. Dazu gab es Konzert des Duos Safar, von dem Jacob Przemus die eine Hälfte und Jawad Salkhordeh die andere bildet.

Auf der Bühne stehen verschiedene Instrumente. Als die beiden Musiker sie an dem Vormittag in der Sporthalle zu spielen beginnen, sind die Kinder und Jugendlichen mucksmäuschenstill – auch für die Lehrer ein ungewohnter Anblick. Die Schüler – auch eine Klasse der benachbarten Grundschule hört beim Konzert zu – sind fasziniert, zeigen sich beeindruckt. Die iranische Musik klingt eben doch ganz anders, als die die sie sonst im Musikunterricht oder in der Freizeit hören. Und genau da will der „Kulturbasar“, der von der Mecklenburger AnStiftung mit Sitz in Wismar unterstützt wird, auch ansetzen.

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Projekt soll Angebot außerhalb des Lehrplans sein

„Ergänzende Angebote zum Lehrplan sind wichtig. Darin ist ja nicht vorgegeben, etwas über die Kultur des Irans zu lehren. Das ist auch nicht schlimm, aber wir versuchen so, eine Lücke zu schließen“, erklärt Musiker und Initiator des Kulturbasars, Jacob Przemus. Ziel sei es vor allem, Vorurteile und Berührungsängste gegenüber anderen Kulturen abzubauen.

Bernd Schulz, Lehrer der 9. Klasse, berichtet: „Viele Schüler waren zu Projektbeginn schon etwas zögerlich. Langsam ist das Eis aber gebrochen und sie wurden immer aufgeschlossener.“ Zweimal hatte sich die Klasse mit Workshop-Leiter Jacob Przemus vor Ausstellungseröffnung und Konzert getroffen. Zunächst ging es bereits im Dezember um Geografie, Sprache und Kultur. Im zweiten Teil haben sie sich dann mit alter und moderner iranischer Musik beschäftigt. Damit aber alle Schüler, die interessiert sind etwas davon haben und nicht nur die eine Projektklasse, haben sie zu einer kleinen Vernissage und Live-Musik eingeladen. Das Ergebnis: „Es ist überwältigend“, sagt Lehrer Bernd Schulz. Aufmerksam und konzentriert haben die Schüler die Vorstellung verfolgt.

Schule ist für drei Jahre Teil des Demokratie-Projekts

Zwei von ihnen haben auf der Bühne auch selbst mitgemacht. Vionela Llanaj und Anna Colleen Reiners haben vor ihren Lehrern und Mitschülern ein Gedicht von dem persischen Poeten Hafis vorgetragen. „Ein bisschen nervös war ich schon“, berichtet Vionela Llanaj. „Diese Gedichte sind aber wunderschön. Sie erzählen von fernen Geschichten und Heimat“, sagt die 15-Jährige.

Anna Colleen Reiners (li.) und Vionela Llanaj haben auf der Bühne nach dem Konzert des Duos Safar in der Sporthalle ein iranisches Gedicht vorgetragen. Quelle: Michaela Krohn

Jacob Przemus war inzwischen schon zum sechsten Mal mit seinem Projekt an der Schule in Bad Kleinen. Unter anderem gab es auch schon einen Workshop zu Samba-Musik. Er sagt: „Wenn die Schüler nicht in die größeren Städte, in denen auch mal Weltmusik gespielt wird, kommen können, kommt die Weltmusik halt zu ihnen.“

Die Initiative „WarmUp! – Jugendkultur für Demokratie“ der Mecklenburger AnStiftung unterstützt Regional- und Gesamtschulen – wie die in Bad Kleinen – aus ganz Mecklenburg-Vorpommern bei Projektangeboten der demokratischen, kulturellen, persönlichen und sozialen Bildung. Über einen Zeitraum von drei Jahren können die Schulen so Unterstützung für die nachhaltige Stärkung einer demokratischen Jugendkultur erhalten.

Michaela Krohn

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