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Wismar Spanien: Mecklenburgerin hilft behinderten Menschen
Mecklenburg Wismar Spanien: Mecklenburgerin hilft behinderten Menschen
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13:34 07.09.2018
In ihrer Freizeit genoss die Mecklenburgerin die Umgebung von Moià. Quelle: Charleen Jacobs
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Wismar

Viele junge Menschen träumen davon, ferne Länder zu bereisen und die Welt zu sehen, bevor sie in das Berufsleben einsteigen, doch nur wenige erfüllen sich diesen Wunsch. Anna Jacobs (22) aus Dorf Mecklenburg hat den Schritt gewagt und ist vor knapp einem Jahr für neun Monate nach Spanien geflogen. Dort hat sie nicht nur Urlaub gemacht, sondern anderen Menschen geholfen, Menschen mit Behinderungen. „Ich wollte mich neuen Herausforderungen stellen und eine andere Kultur kennenlernen“, sagt die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Nach der Ausbildung habe sie diesen Schritt gewagt. Im Internet findet sie ein Programm, das Volontäre für eine Wohngemeinschaft von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sucht. Es ist ein Projekt des Europäischen Freiwilligendienstes.

Das Abenteuer beginnt

Nach einem Auswahlgespräch geht es los: Ende September steigt sie in den Flieger nach Spanien. Das Land wird für neun Monate ihre neue Heimat - genauer gesagt Moia, eine kleine Gemeinde in Katalonien mit 6000 Einwohnern. Auf dem Gelände der Einrichtung befinden sich zwei Häuser zum Wohnen, eine Werkstatt und Büros. Dort lebt Anna gemeinsam mit sechs Volontären aus der ganzen Welt und acht Menschen mit Behinderungen, die liebevoll „Chicos“ („die Kleinen“) genannt werden.

„Wir wohnten alle gemeinsam Tür an Tür. Man hat sich also ständig gesehen. Dadurch hat man schnell eine enge Bindung zueinander aufgebaut“, erzählt die junge Frau. Kurz nach ihrer Ankunft habe sie den ersten „Kulturschock“ erlebt: „In Spanien gibt man sich nicht die Hand wie in Deutschland, sondern wird mit Küsschen links, Küsschen rechts herzlich begrüßt. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen“, erinnert sich Anna.

Verständigungsprobleme

Die „Chicos“ schloss sie schnell ins Herz. Anfangs sei es schwierig gewesen, sich untereinander zu verständigen, da sie kein Spanisch sprechen konnte. Mit Händen und Füßen habe es dennoch geklappt.

„Mit der Zeit konnten wir uns untereinander gut verstehen und die Chicos wurden wie eine zweite Familie für mich“, schwärmt sie.

Die „Chicos“

Der Feiwilligendienst hat Anna viel Spaß gemacht. Gemeinsam waren alle Volontäre täglich für das Kochen der Mahlzeiten, die Begleitung der Menschen mit Behinderungen zu deren Workshops und sportlichen Aktivitäten, sowie den Pflegedienst verantwortlich. Auch den wöchentlichen Einkauf übernahmen sie nach dem Feierabend. „Eine Bewohnerin, Carmen, war 70 Jahre alt und hatte keine Familie mehr. Sie sammelte kleine Plastikspielzeuge, wie zum Beispiel Jo-Jos, die sie „Cosita“ genannt hat. Wir haben ihr jeden Freitag etwas aus einem kleinen Laden mitgebracht. Das hat sie so gefreut, dass es auch mich jedes Mal glücklich gemacht hat“, erzählt Anna. „Die Menschen mit Behinderungen sind wie du und ich. Sie haben ihren eigenen Charakter und wissen, was sie wollen.“

Das Leben als Volontär

Pro Monat standen jedem Volontär zwei Tage Urlaub zur Verfügung. Anna nutzte diese für Ausflüge nach Bilbao, Malaga, Mallorca und Barcelona. „Barcelona ist eine sehr schöne Stadt. Besonders haben mir die Architektur und das Essen dort gefallen.“ Es sei jedoch schwer, von den 150 Euro, die man für seine Arbeit bekommt, zu leben. „Auch wenn Kost und Logis umsonst sind, sollte man im Vorfeld ein Paar Ersparnisse beiseitelegen. Aber die ganzen Erfahrungen, die man sammelt, sind das Geld auf jeden Fall wert.“

Annas Fazit: „Es war eine unvergessliche Zeit!“

Nachdem sie Ende Juni zurückgekehrt ist, zieht Anna am Esstisch im Wohnzimmer der Eltern Bilanz: „Ich empfehle es jedem, ins Ausland zu gehen. Man lernt sehr viel über sich selber und wird weltoffener. Ich habe in Moia viele tolle Freunde und eine zweite Familie gefunden.“ Auch der nächste Besuch nach Spanien ist schon eingeplant. „Ich weiß noch nicht genau wann, aber ich hoffe, ich schaffe es im nächsten Jahr. Schließlich habe ich meinen „Chicos“ versprochen, sie zu besuchen.“

Charleen Jacobs

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