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Wismar Spektakulär bis kurios: Diese Brände hielten die Feuerwehren in Mecklenburg 2019 in Atem
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Spektakulär bis kurios: Diese Brände hielten die Feuerwehren in Mecklenburg 2019 in Atem

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19:35 19.12.2019
In Kalkhorst brennen am 28. September 2019 etwa 2000 Strohballen. Feuerwehren aus Kalkhorst, Elmenhorst, Dassow, Klütz und Boltenhagen waren im Einsatz. Quelle: Freiwillige Feuerwehr Boltenhagen
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Rostock/Bad Doberan/Wismar/Grevesmühlen

In ganz Mecklenburg sind im Jahr 2019 Millionenschäden allein durch Brände entstanden. Auch der vergangene Sommer galt bei den Feuerwehren in der Region als Extremsommer. Doch große Feuer gab es nicht nur in den heißen Monaten.

Rostock: Großfeuer in Gewerbegebiet und brennende Autos

Die hochmoderne Fischölraffinerie in Bentwisch bei Rostock war erst im November 2018 eröffnet worden. 20 000 Liter Thunfisch-Öl für Babynahrung sollten täglich produziert werden. Am 1. Juni wurde um kurz nach 8 Uhr ein Brand gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt lagerten dort unter anderem mindestens 40 000 Liter Fischöl. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehr aus Bentwisch stand die Halle bereits in voller Ausdehnung in Flammen. Dreizehn freiwillige Feuerwehren aus dem Umfeld waren mit insgesamt etwa 130 Kameraden bei dem schwierigen Einsatz dabei, bis der Brand gelöscht war. Der Schaden: 20 bis 25 Millionen Euro. Nur einen Tag zuvor brannte im Rostocker Osthafen die Lagerhalle einer Metallbaufirma.

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In einer verlassenen Kleingartenanlage in Rostock-Evershagen hat es im Juli einen Großbrand gegeben. Quelle: Andreas Meyer

Eine dicke Rauchwolke, die kilometerweit über der Hansestadt zu sehen war, stieg am 25. Juli über der Stadt auf. In einer verlassenen Kleingartenanlage brannten gleich mehrere Lauben, vermutlich war es Brandstiftung. Anwohner wollen beobachtet haben, wie kurz nachdem das Feuer entfacht ist, mehrere Menschen die seit mehreren Jahren leerstehende Gartenkolonie verließen. Rund 40 Einsatzkräfte von freiwilliger und Berufsfeuerwehr hatten an diesem Tag den Brand bekämpft.

Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Bränden, die sich seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und passen Sie auf sich auf.

Im Oktober hielt eine ganze Brandserie die Bewohner der Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock in Atem. Ein 29-Jähriger wurde letztendlich von der Polizei festgenommen. Der Verdacht: Er soll sieben Autos am Kabutzenhof angezündet haben. Überführt haben ihn schließlich Fotos aus einer Überwachungskamera einer nahe gelegenen Tankstelle. Er war kurz vor den Bränden dabei beobachtet worden, wie er einen Zehn-Liter-Kanister mit Benzin gekauft hat. Das Feuer am Kabutzenhof war jedoch nur der Höhepunkt einer Serie von Autobränden im Oktober: Bereits in der Woche zuvor hatten Unbekannte fünf Fahrzeuge angezündet – in Marienehe und in der Südstadt.

Großalarm in Kühlungsborn und mysteriöser Knall in Retschow

Auch im Landkreis Rostock hatten die Wehren 2019 viel zu tun. Zu einem Großalarm kam es am 17. Februar, als in Groß Bölkow bei Ziesendorf ein Bauernhaus in Flammen stand. Personen wurden zwar nicht verletzt. Es wurde ein Großaufgebot an Feuerwehren aus der Region rund um Satow und Ziesendorf alarmiert. Während des Einsatzes musste die angrenzende Landesstraße 13 und damit die Verbindung zur Autobahn 20 zeitweise voll gesperrt werden. Das Feuer brach in einer Garage des Hauses aus. Die Flammen breiteten sich aus und griffen schließlich auf einen Teil des Dachstuhls über, der daraufhin lichterloh in Brand stand.

Brand in einem Bauernhaus in Groß Bölkow bei Ziesendorf. Das Feuer brach in einer Garage des Hauses aus. Die Flammen breiteten sich aus und griffen schließlich auf einen Teil des Dachstuhls über. Quelle: Stefan Tretropp

Im Juli war im Keller eines Mehrfamilienhauses in Kühlungsborn ein Feuer ausgebrochen. Es hatte sich viel Rauch entwickelt, der sich in drei Aufgängen ausbreitete und auch in die Wohnungen zog. Zwanzig Bewohner erlitten Rauchgasvergiftungen und kamen zur Beobachtung in umliegende Kliniken. Für 30 Mieter mussten die AWG Bad Doberan, die Stadt Kühlungsborn und die stadteigene Wohnungsgesellschaft Noveg aufgrund der Rauchschäden vorübergehende Ersatzunterkünfte organisieren. Auch im Gerätehaus der freiwilligen Feuerwehr war eine Notfallunterkunft mit Feldbetten eingerichtet worden. Die Brandursache ist noch immer nicht geklärt. Der Wohnblock ist aber inzwischen saniert.

Ein mysteriöser Knall hat Anwohner in Retschow ebenfalls im Juli alarmiert. Der Grund: Dort hatte es eine sogenannte Verpuffung im Abwassersystem gegeben. Der Zweckverband Kühlung hatte daraufhin die Feuerwehr gerufen. Drei Kanaldeckel waren aus ihren Schächten geschleudert worden. Ein kurioses Bild. Über dem Wohngebiet lag Benzingeruch. Neben den Feuerwehren aus Retschow und Hohenfelde war auch der Gefahrenzug Nord des Landkreises Rostock vor Ort. Jedoch musste nichts abgepumpt werden.

Wismar: 100 Feuerwehrleute löschen Brand in Einkaufszentrum

Es war Brandstiftung: Zu diesem Ergebnis kamen Polizei und Staatsanwaltschaft, nachdem am 22. Oktober ein Einkaufszentrum im Wismarer Stadtteil Friedenshof abgebrannt war. Gegen 22.30 Uhr war im Center in der Tierparkpromenade ein Feuer ausgebrochen. Es hat einen Norma-Markt, einen Tabakladen, einen Friseursalon und einen Getränkehandel komplett zerstört. Der Schaden beläuft sich auf etwa eine halbe Million Euro. 100 Feuerwehrleute aus Wismar und der Umgebung waren im Einsatz, um den Brand an dem Einkaufsmarkt zu löschen. Inzwischen wurde ein Friseursalon im Promenadencenter wiedereröffnet. Auch Norma hält am Standort fest.

Bei Einsätzen wie im Oktober beim Brand im Norma-Einkaufsmarkt an der Tierparkpromenade rücken Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren gemeinsam aus. Quelle: Karl-Ernst Schmidt

2000 brennende Strohballen in Kalkhorst und verendete Schweine in Grabow

Im September brannten in Kalkhorst 2000 Strohballen. Der Löscheinsatz hat zwei Tage gedauert. Die Strohballen waren auf dem Gelände eines Landwirtschaftsbetriebs in Brand geraten. Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Einsatzkräfte kamen aus Kalkhorst, Elmenhorst, Dassow, Boltenhagen und Klütz hinzu, sie hatten erst bei der Brandbekämpfung unterstützt und sich dann in Schichten abgewechselt. Zusätzlich zum Feuer wirkten Regen und starker Wind auf sie ein.

Feuerwehren in MV

Drei Berufsfeuerwehren gibt es in Mecklenburg – in Rostock, Wismar und Schwerin. Hinzu kommen zahlreiche freiwillige Feuerwehren, die in den ländlichen Gebieten im Einsatz sind. Im Landesfeuerwehrverband MV sind insgesamt mehr als 40 000 Mitglieder aus 933 freiwilligen Feuerwehren, 6 Berufsfeuerwehren und den 600 Jugendfeuerwehren organisiert.

Besonders tragisch verlief ein Großbrand am 22. Juli in Kolbow bei Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Dort sind etwa 2500 Schweine in einer Mastanlage verendet. Das Feuer war am Montagmorgen kurz nach 6.30 Uhr in der Stallanlage ausgebrochen. Etwa 3500 der insgesamt 6000 Schweine konnten Einsatzkräfte und Helfer ins Freie bringen und damit retten. Elf Feuerwehren aus der Region mit über 100 Rettern waren an dem Löscheinsatz beteiligt. Dabei wurden ein Feuerwehrmann sowie ein Mitarbeiter der Mastanlage verletzt. Sie erlitten Rauchgasvergiftungen. Die Dächer der Ställe waren mit asbestbelasteten Platten bedeckt. Das erschwerte die Brandbekämpfung sehr, da viele der Einsatzkräfte lange Zeit mit Atemschutzgeräten, sogenannten Pressluftatmern, arbeiten mussten.

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Von Michaela Krohn