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Wismar Sportler sauer: Bauarbeiten in Wismarer Mehrzweckhalle verzögern sich
Mecklenburg Wismar

Sportler sauer: Bauarbeiten in Wismarer Mehrzweckhalle verzögern sich

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18:01 17.12.2019
Die Sport- und Mehrzweckhalle ist seit Monaten leer. Die Bauarbeiten haben noch immer nicht begonnen. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Schon vor Monaten sollten die Arbeiten zur Sanierung der Mehrzweckhalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße beginnen. Kosten: 6,9 Millionen Euro. Veranstaltungen wie die Sportgala und Fußball-Hallenturniere konnten nicht mehr stattfinden, Sportler mussten raus aus der Halle.

Sie müssen mit zum Teil großem Aufwand anderswo trainieren und ihre Wettkämpfe durchführen. Betroffen sind vor allem Handballer, Akrobaten und Turner (alle TSG) sowie die Boxer vom PSV.

In der Halle regiert Stillstand. Die Reaktionen reichen von Ärgern bis Kopfschütteln und Galgenhumor. Auch der langjährige Hallenchef Rolf Kaphengst wundert sich: „Ich verstehe nicht, warum in der Halle nichts passiert. Am 30. Dezember wird sie 49 Jahre alt.“ Auch zum 50. wird sie geschlossen sein. Auch auf der großen Party zum 80. Geburtstag von Wismars Boxlegende Fiete von Thien in der letzten Woche löste der Stillstand in der Halle allgemeine Verwunderung aus.

Die Sport- und Mehrzweckhalle in Bildern erzählt.

Sportler sind sauer

Akrobatik-Trainer Holger Röpke redet Klartext: „Das ist eine richtige Sauerei.“ Er versteht nicht, dass die Sportler aus der Halle müssen, wenn dort nichts passiert. „Die Verträge hätten erst unterzeichnet sein müssen.“ Weder im Vorfeld noch jetzt sei mit Betroffenen richtig gesprochen worden. Die Akrobaten trainieren auf Eigeninitiative im früheren Sportpark am Hohen Damm. Der Erfolgstrainer hätte es besser gefunden, wenn auf dem Parkplatz vor der Sporthalle ein Neubau errichtet, dann die alte Halle abgerissen und dort ein Parkplatz gebaut worden wäre. „Alt bleibt alt“, so Röpke.

Die Halle, sagt Handball-Männertrainer Sven Hünerbein, ist ein wöchentliches Thema. Inzwischen breite sich Galgenhumor aus. Doch zum Lachen ist den Handballern eigentlich nicht. Sie tragen ihre Heimspiele in Dorf Mecklenburg und Neukloster aus, trainiert wird unter anderem in der desolaten alten Brecht-Halle. „Wir sind im Land viel unterwegs und werden immer wieder gefragt, was mit unserer Halle ist“, sagt Hünerbein. Antworten muss er schuldig bleiben. Er rechnet mit mindestens vier Jahren Bauzeit.

Was sagt die Stadt?

Auf OZ-Anfrage bestätigt die Verwaltung, dass die Arbeiten zur technischen Sanierung noch nicht begonnen haben. „Grund hierfür ist, dass die Hansestadt für den zweiten Bauabschnitt den Förderbescheid vom Bund erst Mitte November 2019 erhalten hat“, so Marco Trunk. Der Sprecher der Stadtverwaltung sagt weiter: „Vorher dürfen keine Bauleistungen begonnen werden, da dies förderschädlich wäre.“

Merkwürdig: Schon im April wurde seitens der Stadt verkündet, dass der Bund die Förderung für den zweiten Bauabschnitt zugesagt hat. Im Mai hatte die Stadt informiert, dass im August die Arbeiten beginnen. Zum Sommer mussten alle raus aus der Halle.

Am 6. Januar soll es losgehen

Erst am 6. Januar 2020 sollen die vorbereitenden Arbeiten für Abbruch, Schadstoffbeseitigung und Baustelleneinrichtung anlaufen. Die Auftragsvergabe erfolgt am Donnerstag durch die Bürgerschaft. Das ist dann Los 1 von insgesamt 19 Losen.

Auf die Frage, ob die Sportler die Halle nicht hätten solange nutzen können, bis die Arbeiten tatsächlich beginnen, sagt der Stadtsprecher: „Nein, denn die Stadt musste sich darauf einrichten, dass die Fördermittelbescheide von einem Tag zum anderen hätten eintreffen können. Da die Halle komplett ausgeräumt werden musste, wäre auch keine Baufreiheit gegeben. Zudem geht es hier um die brandschutztechnische Instandsetzung des Gebäudes, daher wäre eine Weiternutzung ohnehin nicht möglich gewesen.“

Keine Aussage zur Dauer

Vage bleibt die Antwort auf die Frage, ob es bei der angekündigten Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren bleibt. Marco Trunk: „Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit mit Ausschreibungen von Bauleistungen kann aktuell kein genauer Zeithorizont angegeben werden.“

Die Arbeiten schließen einen neuen Sportboden in der Halle ein. Parkett wird es nicht sein, da der Pflegeaufwand zu groß sei. Trunk: „Die angrenzenden Sporträume für Boxen und Gymnastik erhalten ebenfalls einen neuen Sportboden.“ Außerdem würde das Brandschutzkonzept Arbeiten an der Zuschauertribüne vorsehen. Eine Reduzierung der Plätze finde nicht statt. Trunk: „Es wird ein Fluchtweg geschaffen. Die ersten beiden Zuschauerränge werden daher nach oben versetzt.“

1200 Zuschauer

Seit der Eröffnung der Mehrzweckhalle am 30. Dezember 1970 haben über 5,5 Millionen Sportler, Zuschauer und Besucher anderer Veranstaltungen die Halle besucht.

Erste Veranstaltung am 30. Dezember 1970 war der Wettkampf „Mach mit - mach's nach - mach's besser“ für das DDR-Fernsehen. 1200 Zuschauer feuerten Schulmannschaften an.

Die Sport- und Mehrzweckhalle aus dem Jahr 1970 steht auf Platz fünf der Prioritätenliste bei Investitionen in Wismar. 6,9 Millionen Euro sind veranschlagt. Der Eigenanteil beträgt 1,2 Millionen.

Die Arbeiten umfassen unter anderem die Sanierung bzw. Erneuerung der Umkleide-, Sanitär-, Sport- und Technikräume und der Flure. Auf Vordermann gebracht werden außerdem das Foyer, die Starkstromanlagen, die Sanitärinstallation, die Grundleitungen für Schmutz- und Regenwasser sowie die Lüftungsanlagen für Sport- und Umkleideräume.

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Von Heiko Hoffmann

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