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Wismar Stadtwerke Wismar betreiben erste Mini-Blockheizkraftwerke
Mecklenburg Wismar Stadtwerke Wismar betreiben erste Mini-Blockheizkraftwerke
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06:00 26.05.2018
Die beiden Mini-Blockheizkraftwerke im Keller des Wendorfer Hochhauses in Wismar.
Die beiden Mini-Blockheizkraftwerke im Keller des Wendorfer Hochhauses in Wismar. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Die Stadtwerke Wismar betreiben seit Kurzem zwei Mini-Blockheizkraftwerke im Wendorfer Hochhaus, Rudolf-Breitscheid-Straße 21a. Am Freitag wurden sie offiziell in Betrieb genommen. Die Investitionssumme beträgt 90000 Euro.Die beiden Anlagen sorgen laut Geschäftsführer Andreas Grzesko für eine noch effizientere sowie für eine umweltschonende Wärmeversorgung am Platz des Friedens. Angeschlossen sind neben dem Hochhaus mit seinen 31 Mietern auch die angrenzende Ladenzeile, der Emil-Grünbär-Kindergarten, das Mehrfamilienhaus für Asylbewerber sowie die Claus-Jesup- und die Astrid-Lindgren-Schule.

Wobau als Partner

Der Stadtwerke-Chef dankte der städtischen Wohnungsbaugesellschaft dafür, dass sie dieses klimaschonende Pilotprojekt für die Hansestadt mit realisiert hat. Die Wärmeanlage im Hochhaus betreiben die Stadtwerke bereits seit 1996. Im Jahr 2015 wurden die zwei Heizkessel erneuert und mit moderner Brennwerttechnik ausgestattet. Die beiden Blockheizkraftwerke – hergestellt von einer Firma in Schleswig-Holstein – unterstützen die bestehende Heizungsanlage.Die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen laufen laut Grzesko mit einer elektrischen Leistung von je 16 KiloWatt und einer thermischen Leistung von je 37,8 KiloWatt. Die Motoren werden mit Erdgas betrieben.

Innovative Technologie

Der Stadtwerke-Chef zeigte sich mit der Wirtschaftlichkeit der Mini-Kraftwerke sehr zufrieden. Sie produzieren im Jahr 160000 Kilowattstunden Strom und 360000 Kilowattstunden Wärme. „Und das mit einem erstaunlichen Wirkungsgrad von neunzig Prozent“, berichtete Grzesko. Damit ist Kraft-Wärme-Kopplung die effizienteste Form der Energieversorgung überhaupt. Der Wirkungsgrad bei herkömmlichen Großkraftwerken dagegen liege nur bei rund 40 Prozent. „Mit unserer neuen innovativen Technologie geht kaum Primärenergie verloren. Das spart Kosten und Kohlendioxid.“

44 Tonnen Kohlendioxid im Jahr gespart

Laut Andreas Bartsch, verantwortlich für Energiedienstleistungen in den Stadtwerken, spare diese kleine Anlage gegenüber einer konventionellen Stromerzeugung 44 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein. Das entspricht der Menge, die ein durchschnittlicher Wald von einem Hektar Größe – also so groß wie der Wismarer Marktplatz – pro Jahr binden kann.

Keine Energieverluste

Geschäftsführer Grzesko verwies auf einen weiteren Vorteil dieser dezentralen Lösung: Am Platz des Friedens entsteht die Wärme dort, wo sie gebraucht wird. Sie muss nicht über weite Strecken transportiert werden. Das heißt, es geht kaum Energie verloren. Mit dem gleichzeitig erzeugten Strom, der 45 Haushalte versorgen könnte, wird die gesamte Heizungsanlage betrieben. Der Rest wird ins Stromnetz eingespeist.

Energiegewinnung der Zukunft

Mit dem Modellversuch erhoffen sich die Stadtwerke Wismar auch Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit der Blockheizkraftwerke. „Wir denken, dass kleine dezentrale Systeme die Energiegewinnung der Zukunft sind. Mit dem Pilotprojekt im Hochhaus Wendorf möchten wir diese innovative Technologie für einen breiteren Einsatz erproben, beispielsweise am Kagenmarkt“, kündigte der Stadtwerke-Geschäftsführer an. „Unser Ziel ist, dass immer mehr Kunden davon profitieren können.“ Deshalb waren gestern auch Vertreter der beiden Wohnungsgenossenschaften Union und am Friedenshof eingeladen.Blockheizkraftwerke sind kleine Kraftwerke, die einzelne oder mehrere Gebäude sowohl mit Wärme als auch mit Strom versorgen. Die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme wird „aufgefangen“ und vor Ort für Heizung und Warmwasser genutzt.

Haike Werfel