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Wismar Zum dritten Mal in zwei Wochen: Streik legt Busverkehr in NWM lahm
Mecklenburg Wismar

Streik in Nordwestmecklenburg: Busfahrer legen den Nahverkehr lahm

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13:54 30.01.2020
Die Busfahrer von Nahbus streiken erneut, es ist der dritte Streik innerhalb von zwei Wochen. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen/Wismar

Knapp 100 Busse sind täglich auf den Straßen Nordwestmecklenburgs und Wismars unterwegs, um Schüler und Fahrgäste zu transportieren. Normalerweise. Doch am Donnerstag streiken die Busfahrer erneut.

Der Grund: Die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Kommunalen Arbeitgeberverband kommen nicht voran. „Das Angebot, das uns die Gegenseite vorgelegt hat, ist nicht ansatzweise das, was wir uns vorstellen“, sagt Karl Heinz Pliete von Verdi, der am Donnerstagmorgen zusammen mit den Busfahrern vor dem Tor von Nahbus in Grevesmühlen stand. Unklar ist noch, wie lange der Streik andauern wird. Wie Nahbus am Donnerstag mitteilte, gibt es Informationen, dass die Busfahrer am Freitag bis 6 Uhr die Arbeit nicht wieder aufnehmen werden. Da die reguläre Schicht um 4 Uhr beginnt, hätte die Ausweitung des Arbeitskampfes Folgen für den Fahrplan am Freitag.

Die Busfahrer fordern eine Angleichung der Löhne und Gehälter an das Niveau in Schleswig-Holstein. Bedeutet: Zwei Euro mehr Stundenlohn und 100 Euro. Doch davon sind die Verhandlungen, die am 17. Februar fortgesetzt werden, weit entfernt.

Eltern sind sauer über die späte Information beim Schülerverkehr

Bei den Fahrgästen, die die ersten beiden Aktionen der Busfahrer noch gelassen hinnahmen, nimmt das Verständnis offenbar ab. Eine Mutter, die am Donnerstag mit ihren Kindern in Klütz an der Bushaltestelle stand, machte aus ihren Unmut jedenfalls keinen Hehl. „Bei allem Verständnis für die Busfahrer, aber die Kinder müssen zum Gymnasium nach Grevesmühlen. Wenn wir erst am Morgen erfahren, dass die Busse nicht fahren, dann haben wir ein Problem.“

Zahlreiche Schüler warteten am Donnerstag vergeblich auf die Schulbusse. Denn auch die privaten Subunternehmer, die mit dem Tarifstreit nichts zu tun haben, durften nicht fahren. Auch sie erfuhren erst am späten Mittwochabend von dem Streik und hatten alle Hände voll zu tun, ihre Mitarbeiter rechtzeitig zu informieren.

Bei vielen Eltern der Fahrschüler allerdings kam diese Info erst am Donnerstagmorgen an. Dementsprechend war die Stimmung an den Haltestellen. „Wir müssen jetzt zusehen, wie die Kinder nach Grevesmühlen kommen“, so die aufgebrachte Mutter.

Verhandlungsführer Karl Heinz Pliete von Verdi vor dem Nahbus-Gelände in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow

Karl Heinz Pliete kann durchaus nachvollziehen, dass der Streik nicht überall auf Begeisterung stößt. „Aber das sind leider die Folgen des Arbeitskampfes, das ist nun einmal so.“

Ob es noch weitere Aktionen in den nächsten Wochen geben werde, dazu gab er am Donnerstag keine Auskunft. Die Verhandlungen werden erst am 17. Februar fortgesetzt. „Dazu können wir öffentlich natürlich nichts sagen“, erklärte der Verdi-Vertreter.

Busfahrer fordern gerechte Entlohnung

Steffen Bühring Quelle: Dirk Hoffmann

Die Busfahrer in Grevesmühlen wissen sehr gut um die Folgen des Streiks. Denn sie haben tagtäglich mit den Fahrgästen zu tun erleben mit, wenn es Probleme gibt.

„Die Verantwortung, die wir tragen, sollte man nicht unterschätzen“, sagt Steffen Bühring, er ist 37 und seit sieben Jahren Busfahrer bei Nahbus. „Vor allem der Schülerverkehr ist für die Fahrer mit sehr viel Stress verbunden. Die Schüler sitzen eben nicht alle ruhig und artig auf ihren Plätzen, dazu kommen die Autofahrer, auf die wir achten müssen. Die aber umgekehrt nicht immer auf die Busse achten.“

Sie wollen für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden, so Bühring. 30 Jahre nach Wende würden die Fahrer in Mecklenburg-Vorpommern immer noch weniger verdienen als ihre Kollegen im Nachbarland Schleswig-Holstein. „Da stimmt doch irgendetwas nicht.“

Auch wenn unabhängig vom Lohn und Gehalt schon einiges passiert sei in Nordwestmecklenburg, räumt der 37-Jährige ein, der gleichzeitig stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Nahbus ist. „Es gibt schon ein paar Fortschritte und auch Sachen, die bei uns besser laufen als bei den Kollegen in Lübeck. Aber viele vergessen eben auch, dass wir im Schichtbetrieb arbeiten, bis zu zwölf Stunden im Einsatz sind. Ab 4 Uhr morgens rollen die Busse durch den Landkreis, das sehen viele Fahrgäste natürlich nicht.“

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Von Michael Prochnow

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