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Wismar Timmendorf: Aus Umleitung soll Dauerzustand werden
Mecklenburg Wismar Timmendorf: Aus Umleitung soll Dauerzustand werden
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17:30 13.09.2019
Die Umleitung führt Autofahrer um Timmendorf herum. Anwohner wünschen sich, dass das so bleibt. Quelle: Heiko Hoffmann
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Timmendorf

Seit dem 25. März rollt der Verkehr auf der Umleitungsstrecke in Timmendorf. Einheimische finden das gut. So gut, dass nach ihrem Willen daraus ein Dauerzustand werden sollte.

Der Wunsch erscheint logisch, die Erfüllung könnte sich als schwierig erweisen. Immerhin, einen ersten Erfolg konnten die Einwohner erzielen. Ihr Antrag wurde von den Gemeindevertretern formell zugelassen. In Kürze müssen sich die Gemeinde und das Land mit dem Thema auseinandersetzen.

207 Unterschriften

„Die Umgehungsstraße wurde geplant, gebaut und ist nun vorhanden. Ein Rückbau der Straße und die damit verbundenen immensen Kosten sind daher für uns nicht akzeptabel“, heißt in dem Einwohnerantrag, der von Georg, Martin und Christiane Plath stellvertretend unterzeichnet wurde. 132 Unterschriften wären erforderlich gewesen, am Ende waren es 207 gültige.

Fünf Gründe für den Erhalt

Die Befürworter wehren sich gegen den Massenverkehr in Richtung Strand und führen fünf Gründe an. Erstens stelle der rollende Verkehr von bis zu 5000 Fahrzeugen pro Tag durch den Ort für die Anwohner eine sehr starke Belastung durch Lärm und Abgase dar.

Zweitens sei ein Ort mit verkehrsberuhigter Zone immer ein Ziel junger Familien für ihren Wohnsitz, „da Ruhe und Erholung sowie Sicherheit für Kinder im Vordergrund stehen“.

Drittens sei Timmendorf ein Erholungsort für Touristen. Die Resonanz der Urlauber auf die Umgehung sei positiv.

Viertens könne der Reiterhof mit seinen Landwirtschaftsmaschinen auf die Umgehungsstraße ausweichen.

Fünftens liegen innerhalb der Ortschaft vier Teiche an der Landesstraße. Seit der Umgehungsstraße sei beobachtet worden, dass sich die Tierwelt wieder mehr ausbreitet.

Neue Ortsdurchfahrt

Die Ortsdurchfahrt in Timmendorf wird derzeit komplett erneuert, einschließlich eines kombinierten Fuß- und Radweges. Quelle: Heiko Hoffmann

Die Ortsdurchfahrt wird aktuell auf einer Länge von etwa 625 Metern komplett erneuert. Dazu zählen neue Versorgungsleitungen, ein kombinierter Geh- und Radweg auf der linken Seite in Richtung Strand, neue Beleuchtung und am Ende eine neue sechs Meter breite Fahrbahn. Das Vorhaben dauert etwa eineinhalb Jahre und kostet rund zwei Millionen Euro. Die Gemeinde ist anteilig an der Finanzierung für Regenwasserabfluss, Beleuchtung und den kombinierten Geh- und Radweg beteiligt.

Umleitung hat das Land gebaut

Da es sich um eine Landesstraße handelt, ist das Straßenbauamt Schwerin für die Maßnahme verantwortlich. Im Vorfeld hat das Land Flächen von Anliegern erworben, weil die neue Ausbaubreite sonst nicht erreicht worden wäre.

Um während der Bauzeit eine halbseitige Sperrung und Staus zu vermeiden, wurde eine zweispurige Umleitungsstraße gebaut. Der Verkehr in Richtung Strand rollt ungestört auf der Asphaltschicht. Vorgesehen ist aber, diese Umleitungsstraße nach Fertigstellung der Ortsdurchfahrt wieder zurückzubauen. Das könnte schon im September 2020 passieren.

Der große Verkehr würde dann wieder in die Ortschaft zurückkehren. Genau das soll mit dem Einwohnerantrag verhindert werden.

Fragen und Risiken

Bei allen Vorteilen bleiben auch einige Fragen und Risiken. „Das ist auch eine Geldfrage“, so Gemeindevertreterin Aenne Möller (SPD). Nach ihren Recherchen müsste die Gemeinde die Straße übernehmen.

Das Land wird sie aus Kostengründen nicht haben wollen. Zentrale Fragen sind: Wie gut sind der Unterbau und die Asphaltschicht und muss die Gemeinde schon bald mit Sanierungskosten rechnen? Schließlich ist noch offen, was die Umweltbehörden sagen, denn die Umleitung verläuft durch das EU-Vogelschutzgebiet.

Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (ptl.) kann die Anwohner verstehen. Sie geht davon aus, dass die Gemeindevertreter auf der nächsten Sitzung am 21. Oktober einen Prüfauftrag beschließen. Daraufhin wird sich die Gemeindeverwaltung an das Verkehrsministerium wenden, damit alle Fakten zur Straße auf den Tisch kommen. Danach sind dann wiederum die Gemeindevertreter gefragt.

André Plath, Chef des Reiterhofes in Timmendorf, ist für die Beibehaltung der Umleitungsstrecke. Ein denkbarer Kompromiss wäre für ihn, dass der Abschnitt zwischen der Landesstraße nach Kirchdorf und der Betonspurbahn Richtung Seehof als landwirtschaftlicher Weg erhalten bleibt. Dann bräuchten viele schwere Fahrzeuge nicht mehr durch die Ortschaft fahren.

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Über den Autor

Von Heiko Hoffmann

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