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Wismar Trotz möglicher Notfälle: Doppelte Dorfstraße in Gägelow soll bleiben
Mecklenburg Wismar

Trotz möglicher Notfälle: Doppelte Dorfstraße in Gägelow soll bleiben

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17:44 25.06.2020
Die Dorfstraße in Gägelow. Wer im Navi bei Google Maps die Begriffe „Gägelow Dorfstraße“ eintippt, wird nach Stofferstorf geschickt. Quelle: Michaela Krohn
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Gägelow

Die Dorfstraße in den Ortsteilen Gägelow und Stofferstorf bleibt. Die Gemeindevertretung hat sich nach sechsmonatiger Diskussion für einen Kompromiss entschieden: Es wird keine der beiden Straßen umbenannt. Die Einwohner sollen künftig in der Postanschrift wie bei telefonischen Notrufen immer ihren Ortsteil mit angeben. Auf diese Weise sollen Verwechslungen vermieden werden.

Zahlreiche Verwechslungen in der Vergangenheit

Die sind aufgrund der gleichen Postleitzahl für Gägelow und Stofferstorf in der Vergangenheit immer wieder aufgetreten – bei der Postzustellung oder beim Navigieren. Rettungskräfte haben nicht sofort den richtigen Einsatzort gefunden. Wertvolle Zeit ging verloren. Genau aus diesem Grund habe sie einen Todesfall in der Familie zu beklagen, weiß Simone Oldenburg (Die Linke), Vorsitzende des Sozialausschusses, von einer älteren Einwohnerin in einer anderen Gemeinde.

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Land hat Gemeinde zur Umbenennung aufgefordert

Damit dies nicht passieren kann, hatte das Land die Gemeinde Gägelow aufgefordert, in einem ihrer beiden Ortsteile die Dorfstraße umzubenennen. Die Namensgebung von Straßen „dient im Interesse der Allgemeinheit der erkennbaren Gliederung des Gemeindegebietes und hat Bedeutung für das Meldewesen, die Polizei, Post, Feuerwehr und den Rettungsdienst“, heißt es zur Erläuterung, warum in einer Gemeinde jeder Straßenname nur einmal vorkommen sollte. Denn Zweck sei nicht erst die Abwehr konkreter Gefahren, sondern bereits die Vermeidung von Orientierungsschwächen und Verwechslungen.

Die Einfahrt zur Dorfstraße in Stofferstorf. Hier gibt es jedoch keine Straßenschilder. Quelle: Michaela Krohn

Gemeinde initiierte Einwohnerumfrage

Die Gemeinde wollte der Aufforderung des Landes nachkommen und in einem der betreffenden Ortsteile die Dorfstraße in Alte Dorfstraße umbenennen. Doch dagegen regte sich Widerstand – vonseiten der Einwohner und der Gewerbetreibenden, wie Bürgermeister Friedel Helms-Ferlemann (CDU) auf Anfrage berichtet. Gestritten wurde beispielsweise darüber, wem mehr Kosten durch die Straßenumbenennung entstehen würden. Deshalb entschied sich die Gemeindevertretung, eine anonyme Umfrage durchzuführen.

Kommunalpolitik folgt dem Einwohnervotum

Sie hat laut Bürgermeister ergeben, dass sich 100 Prozent der Stofferstorfer und rund 94 Prozent der Gägelower gegen die Umbenennung ihrer Dorfstraße ausgesprochen haben. „Auf Grundlage dieses eindeutigen Votums hat die Gemeindevertretung den von mir vorgeschlagenen Kompromiss einstimmig beschlossen“, informiert Helms-Ferlemann. „Die Einwohner behalten ihre Dorfstraße. Sie sollen aber ab sofort in ihrer Postanschrift und wenn sie Rettungskräfte alarmieren immer ihren Ortsteil mit angeben, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.“

In Gägelow wurden Stimmzettel kopiert

Allerdings sei bei der Auswertung der Umfrage deutlich geworden, dass sie manipuliert wurde. Das Amt Grevesmühlen hatte pro Haushalt einen Stimmzettel vergeben: an 54 Haushalte und zwölf Gewerbetriebe in Stofferstorf sowie an 116 Haushalte und neun Gewerbetriebe in Gägelow. „In Stofferstorf ist die Wahl ehrlich erfolgt, aus Gägelow kamen deutlich mehr Stimmzettel zurück“, berichtet der Bürgermeister. „Es wurden also Kopien gemacht, das konnte man erkennen an bestimmten Merkmalen.“

Kompromiss nach heißen Debatten

„Keiner der Gemeindevertreter will eine Entscheidung gegen die Bürger treffen." Bürgermeister Friedel Helms-Ferlemann (CDU) Bürgermeister Quelle: privat

Die Gemeindevertreter haben sich dennoch zu dem Kompromiss durchgerungen. Nach sechs Monaten teils heißer Diskussion, wie der Bürgermeister sagt. „Keiner will eine Entscheidung gegen die Bürger treffen“, erklärt Helms-Ferlemann. Wenn es nämlich nach den Kosten, die eine Straßenumbenennung zur Folge hat, gehe, müsste die Dorfstraße in Gägelow umbenannt werden. Denn die Gewerbebetriebe hätten höhere Kosten als die Einwohner. Wenn man aber die Anzahl der betroffenen Einwohner zugrunde legt, müsste die Dorfstraße in Stofferstorf umbenannt werden, weil in Gägelow die Zahl der Haushalte doppelt so hoch ist.

Andere Gemeinden sitzen Entscheidung aus

Mit Blick auf andere Gemeinden im Amt Grevesmühlen oder auch im Klützer Winkel, die die Entscheidung zur Straßenumbenennung wegen doppelter Namen aussitzen würden, meint Friedel Helms-Ferlemann: „Gägelow hat einen guten Kompromiss zugunsten der Bürger gefunden.“ Zugleich schränkt er aber ein: „Ob es wirklich zu ihren Gunsten ist, wird sich zeigen.“ Vor allem Simone Oldenburg hätte in der Diskussion darauf hingewiesen, dass die Gefahr bestehen bleibe, dass im Notfall medizinische Hilfe oder die Feuerwehr zu spät am Bestimmungsort sein könnten. Bürgermeister Helms-Ferlemann ist im Übrigen überzeugt davon, dass das Land die Gemeinde erneut zur Umbenennung einer der beiden Dorfstraßen auffordern wird.

Von Haike Werfel