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Wismar Sie schminkte einst Michael Jackson und David Bowie – jetzt stellt sie Acrybilder in Wismar aus
Mecklenburg Wismar Sie schminkte einst Michael Jackson und David Bowie – jetzt stellt sie Acrybilder in Wismar aus
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15:37 19.08.2019
Ulrike Schütze alias „Rikkie.S“ in ihrem Atelier. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Es duftet nach Kaffee im Atelier von Ulrike Schütze. An den Wänden hängen stapelweise Seidenpapiere und Folien, bedruckt mit Farbe. „Der Abdruck eines Baumes, das kann man so nicht malen“, erzählt Ulrike Schütze und zeigt das hauchfeine Papier mit eben diesen Rillen, den Baumspuren.

Auf der Suche nach Form und Farbe

Wenn man weiß, dass es der Abdruck eines Baumes ist, erkennt man die Strukturen. Aber die Künstlerin wird das Seidenpapier weiter verarbeiten, wird es Schicht um Schicht und Farbe um Farbe zu einer Collage verkleben. Das Weiß des Papieres verschwindet dank Kleber fast. Übrig bleiben Form und Farbe als Struktur, die zu filigran wäre, um sie zu malen. Darauf arbeitet sie mit Stiften, Farbe, Wachs und Pinsel weiter. Bis zum Moment, in dem sie fühlt: Das Bild ist fertig.

Ulrike Schütze stellt derzeit in der Sparkasse am Wismarer Marktplatz aus. Die Ostsee-Zeitung durfte in das Atelier der Neuwismarerin gucken. Die Bilder entstehen als Collagen mit Seidenpapieren und Farbe.

„Ich habe Freude an Form und Farbe, derzeit“, erzählt die Künstlerin mit dem Künstlernamen „Rikkie.S“. Früher hat sie gegenständlicher gearbeitet, beispielsweise Porträts gemalt. Nun ist es abstrakt, frei, ungezwungen. „Nun mache ich das, was mir Spaß macht! Das ist doch das Schöne am Rentnerdasein, diese Freiheit!“ Künstlerisch wie persönlich.

Spiel mit dem Zufall

Ulrike Schütze spielt mit dem Zufall, steuert ihn, so weit es geht, und lässt beiden Beteiligten – sich selbst und eben dem Zufall – genug Platz und Raum. Schicht für Schicht entsteht das Bild. Die Künstlerin dreht die Leinwand immer wieder, betrachtet sie. Legt eines der Seidenpapiere auf und verschiebt das Papier, bis es passt.

Dann kommt der Binder, ein Klebstoff, der das Seidenpapier fast verschwinden lässt. „Ich gebe meinen Bildern keine Namen. Ich möchte, dass die Menschen nicht durch einen Namen irgendwas sehen oder fühlen, sondern es selber finden“, so ihre Hoffnung.

Der Weg ist das Ziel

„Ob andere das schön finden, weiß ich nicht. Das ist für mich, das ist der Moment, das Tun!“, erzählt die Künstlerin. Und weiß, abstrakte Kunst verkauft sich schwer in Städten wie Wismar, in denen die Menschen sich lieber Bilder vom Hafen über die Couch hängen. Von der Stadt schwärmt sie, trotzdem oder vielleicht deswegen.

Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Wismar, war vorher in Berlin und davor in Hamburg. „Wenn es mich packt, geht die Reise weiter“, schmunzelt sie. Aber Wismar könnte vielleicht die Stadt zum Altwerden sein, weil die Menschen so unkompliziert, offen und ehrlich sind.

Verliebt in Wismar

Wismar ist eine tolle Stadt, ganz anders als Berlin“, erzählt sie dankend vom Wismarer Schuhladen, der für sie und ihre Kunst die Seidenpapiere aus den Schuhkartons sammelt. Und von den netten Gesprächen in der Stadt, wie schnell Wildfremde zu Bekannten und gar Freunden werden. Ganz anders als in der anonymen Großstadt.

Ulrike Schütze hat fast 40 Jahre als Make-up-Artistin gearbeitet, schminkte Stars wie Michael Jackson oder David Bowie. In Hamburg und Berlin übernahm Ulrike Schütze die künstlerische Leitung einer der größten Ausbildungsstätten für Make-up-Artisten Europas. Auch ein kreativer Beruf, aber anders.

Stars geschminkt

Auf die Frage, wie es war, Stars wie David Bowie oder Michael Jackson zu schminken, zuckt sie die Schultern. „Das sind normale Menschen. Die wollen einfach in Ruhe gelassen werden in solch einer Situation. Ich glaube, wenn man anfängt, da so ein großes Ding draus zu machen, wird man nicht mehr gebucht.“

Das sei, so Ulrike Schütze, auch alles ewig her. Michael Jackson war noch „normaler“. Nur seine Schwester LaToya Jackson war anstrengend. „Die wollte mir ständig den Schminkpinsel aus der Hand nehmen“, erzählt Ulrike Schütze. „Brigitte Nielsen mischte sich ein und sagte: ‚Lass die mal machen! Die ist gut.‘“

Kreativer auf der Leinwand

Natürlich ist Schminken auch kreativ. Aber anders. „Man arbeitet für den Endverbraucher, man schminkt ja nicht einfach, sondern kreiert einen Stil.“ Und man ist der schnelllebigen Mode unterworfen und schminkt meist nur für den einen Moment des Fotos oder des Auftritts.

Nun ist sie in ihrer Kunst frei und genießt diese Freiheit, setzt nach einer schweren Erkrankung andere Prioritäten. „Ich habe zum ersten Mal so richtig Zeit für mich.“

Acrylbilder in der Sparkasse

In der Reihe „Einheimische Künstler stellen aus ...“ zeigt die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest bis zum 18. September in der Geschäftsstelle am Markt in Wismar die Ausstellung „Spiel mit Farbe“ von Ulrike Schütze alias „Rikkie.S“. Zu sehen sind 38 ausdrucksstarke Acryl- und Acryl-Wachs-Collagen. Ulrike Schütze wurde 1952 in Essen geboren, „mit Pinsel und Buntstiften in der Hand“, wie sie sagt. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester und einigen Semestern Medizinstudium entdeckte sie in einer Hautklinik ihre Liebe zum Schminken. So begann ihr erfolgreicher Weg als Make-up-Artistin.

Von Nicole Hollatz

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