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Wismar Umzingelt von Zügen: Bürger wehren sich gegen Bahnprojekt in Gallentin
Mecklenburg Wismar Umzingelt von Zügen: Bürger wehren sich gegen Bahnprojekt in Gallentin
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09:53 30.07.2019
Klaus Hoffmeister hat Einspruch gegen die Pläne der Bahn erhoben und gleich mögliche Alternativen mitgeliefert. Quelle: Peter Täufel
Gallentin

Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt - unter diesem Motto formiert sich gerade Widerstand gegen das geplante Neubauprojekt der Deutschen Bahn in unmittelbarer Nähe des Bad Kleinener Ortsteils Gallentin. Durch den Bau einer zweigleisigen Trasse ab dem Jahr 2024 soll im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Lübeck-Schwerin im Zusammenhang der Fehmarn-Belt-Querung der Bahnhof von Bad Kleinen umgangen werden.

Dorf würde in einem Bahn-Dreieck liegen

Das Dorf würde mit der geplanten Südkurve in einem Bahn-Dreieck liegen. Quelle: Peter Täufel

Diese im allgemeinen Sprachgebrauch „Südkurve“ genannte Verbindungskurve Bad Kleinen soll nach Planung der Deutschen Bahn Netz AG nur etwa 200 Meter von der Ortsbebauung entfernt und über einen bis zu fünf Meter hohen Damm verlaufen. Damit läge ein Großteil des 1186 erstmals urkundlich erwähnten Gutsdorfs innerhalb eines von drei Bahnlinien gebildeten Dreiecks. „Das kann nicht sein! Und vor allem nicht die Aussage seitens der Bahn, dass diese Trassenführung alternativlos und vom Land Mecklenburg-Vorpommern bereits genehmigt sei“, empört sich Klaus Hoffmeister. Der Diplom-Ingenieur im Ruhestand hat deshalb Einspruch gegen die vorgelegte Trasse beim zuständigen Bahnprojektleiter Ingo Buhlke gestellt.

Diplom-Ingenieur hat zwei Alternativen entwickelt

Die Variante V ist die von der Bahn. Die Ausweichsvarianten der Anwohner sind B und C. Quelle: Peter Täufel

In dem der Redaktion vorliegendem Schreiben fordert er die Verantwortlichen auf, sich sowohl mit möglichen Alternativen als auch den Auswirkungen dieses Bauwerks auf die knapp 500 Einwohner, zu beschäftigen. Für Ersteres hat der 78-Jährige auch gleich zwei mögliche Alternativen entwickelt – beide liegen weiter vom Dorf entfernt. Er argumentiert: „Durch die hohen Bahndämme und errichteten Schallschutzwände wird für den Ort eine künstliche Tallage erzeugt, die garantiert eine Veränderung des Kleinklimas zur Folge hat. Außerdem werde der Dorfcharakter völlig zerstört, da die sichtbare Verbindung zur umgebenden Natur und Landwirtschaft komplett abgeschnitten wird. Und nicht zuletzt wird die zu erwartende Lärmbelastung für Einwohner und Gäste des vom Tourismus geprägten Ortes nach meiner Sicht falsch bewertet und keine ausreichenden Maßnahmen getroffen.“

Bürgerinitiative Schallschutz hat sich gegründet

Darüber hat Klaus Hoffmeister auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in einem Brief unterrichtet und um Hilfe gebeten. Gleichzeitig zu diesem Einspruch hat sich die Bürgerinitiative Schallschutz Gallentin gegründet. Ein Kern von etwa zehn Mitgliedern um Rainer Gehrke und Ralf Blank sammelt aktuell Unterschriften zu einem Bürger-, bzw. Einwohnerantrag zum Bauvorhaben der Deutschen Bahn „Ausbau der Strecke Lübeck - Schwerin, Teilprojekt Verbindungskurve Gallentin“.

Die Strecke Lübeck-Bad Kleinen ist Bestandteil der Ausbaustrecke Lübeck-Schwerin und wird künftig umfangreich modernisiert. Die eingleisige Strecke mit einer Länge von rund 63 Kilometern wird dabei elektrifiziert und die „Infrastruktur für den Personen- und Güterverkehr bedarfsgerecht angepasst“, heißt es bei der Bahn. Zudem sollen entlang des Bad Kleiner Ortsteils Gallentin ganz neue Gleise in einer „Bahnkurve“ verlegt werden, damit die Züge künftig von Schwerin bis nach Lübeck durchfahren können. Bisher müssen Fahrgäste in Bad Kleinen umsteigen.

Bereits mehr als 100 Unterschriften gesammelt

Das gesamte Projekt soll laut Angaben der Bahn mindestens 160 Millionen Euro kosten.

„Wir haben bereits mehr als 100 Unterschriften gesammelt und wollen diese zusammen mit unseren Forderungen an die Gemeindevertretung übergeben“, erklärt Gehrke. Bereits am Sonntag hofft man, die Unterschriftenlisten komplett zurückzuhaben und will die dann in der kommenden Woche an Bürgermeister Joachim Wölm (Die Linke) übergeben. In dem Antrag wird die Gemeindevertretung aufgefordert, das Thema auf ihrer nächsten Sitzung zu behandeln und aktiv am fortschreitenden Planungsprozess der Bahn mitzuwirken sowie die Bevölkerung zeitnah über Entscheidungen zu informieren.

Mehr Infos:

Für 165 Millionen: Bahn plant neues Mega-Projekt bei Bad Kleinen

Bahnstrecke Lübeck-Schwerin: Nun muss sich der Bundestag damit befassen

Peter Täufel

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