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Wismar Unterwegs mit dem größten Hospital-Schiff der Welt: Rahel Ballentin aus Wismar berichtet
Mecklenburg Wismar Unterwegs mit dem größten Hospital-Schiff der Welt: Rahel Ballentin aus Wismar berichtet
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09:35 10.10.2019
Die junge Nautik-Absolventin Rahel Ballentin aus Wismar stand als dritte Offizierin auf der Brücke der "Africa Mercy" - einem Hospital-Schiff, das in den nächsten Monaten im Hafen von Dakar im Senegal liegt. Quelle: Saul Loubassa Bighonda, Mercy Ships
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Wismar

Als das 150 Meter lange SchiffAfrica Mercy“ von der Werft in Gran Canaria aus in See sticht, steht auch Rahel Ballentin mit auf der Brücke. Als dritte Offizierin ist sie für die Überfahrt in den Hafen von Dakar im Senegal mit verantwortlich. Erst vor wenigen Monaten hat die 24-jährige Wismarerin ihr Nautik-Studium beendet. Der Einsatz auf der „Africa Mercy“ – dem größten privaten Hospital-Schiff der Welt – war ihre erste Fahrt als Offizier. Nun ist Rahel Ballentin aus Dakar zurück in Wismar und freut sich auf ihren nächsten Job.

Vom Hospital-Schiff auf die „Superstar Libra“ im Westhafen

Einen so weiten Arbeitsweg wie zur „Africa Mercy“ wird sie dafür allerdings nicht haben. Denn ihr nächster Einsatzort heißt Westhafen Wismar. Ab November wird sie dort auf der „Superstar Libra“, dem Wohnschiff der Werft, arbeiten. Das wird zwar im Hafen liegen bleiben, eine Crew braucht es dennoch.

Bilder vom Einsatz auf dem größten Hospital-Schiff der Welt

Auch die „Africa Mercy“ liegt die meiste Zeit in Häfen. Auf diesem Schiff habe sie viel gelernt. Insgesamt war sie zwei Monate an Bord – und das freiwillig und unentgeltlich. Seit ihrer Gründung 1978 betreibt „Mercy Ships“ Hospitalschiffe, um den Ärmsten der Armen in Entwicklungsländern kostenlose medizinische und spezialchirurgische Behandlungen anzubieten. Die Arbeit der Hilfsorganisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Aktuell betreibt sie mit der „Africa Mercy“ das größte private Hospitalschiff der Welt. Es ist jeweils für zehn Monate in einem afrikanischen Küstenstaat südlich der Sahara im Einsatz.

Africa Mercy“ ist umgebaute Rostock-Gedser-Fähre

Zum Schiff – es war früher als Schwesterschiff der Rostock-Gedser-Fähre „Kronsprins Frederik“ unterwegs – gehört eine Crew von rund 450 Mitgliedern. Hinzu kommen 250 Leute, die zur Day Crew gehören, zum Beispiel Dolmetscher. Die „Africa Mercy“ wird noch bis Juni 2020 in Dakar liegen. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Werft wird sie danach im Hafen von Monrovia in Liberia liegen.

Rahel Ballentin berichtet: „An Bord hat man dort mit vielen unterschiedlichen Kulturen zu tun.“ Afrikaner seien zum Beispiel sehr auf Höflichkeit bedacht und seien ihr immer mit einem Lächeln begegnet. Viele Religionen seien an Bord vertreten. „Da muss man schon manchmal aufpassen, was man sagt und tut – aber dennoch sind alle sehr tolerant miteinander umgegangen“, sagt Rahel Ballentin. Es habe auch mal schwierige Situationen gegeben.

„Auf Schiffen ist man immer persönlich herausgefordert“

So war es nicht immer leicht für die junge Frau, sofort von allen als Autorität akzeptiert zu werden. Schließlich gehörte es für sie auch dazu, anderen Crew-Mitgliedern Aufgaben zu geben. „Auf Schiffen ist man aber immer persönlich herausgefordert. Man darf dann nicht nur die Probleme sehen, sondern muss nach Lösungen suchen.“ Geholfen habe ihr dabei, viel mit den Menschen zu reden und sich auch mal von höheren Offizieren Rat zu holen.

An der Arbeit auf dem Schiff hat sie vor allem fasziniert, wie das gesamte Team sehr vielen Menschen helfen kann. „Wir helfen den Menschen dort nachhaltig. Vor den Operationen an Bord sind allein 20 000 Menschen im Senegal gecheckt worden, ob sie für eine OP in Betracht kommen.“ Die ehrenamtlichen Mitarbeiter machen zudem auch landwirtschaftliche Trainings mit den Menschen vor Ort. Und: Fast die gesamte Mannschaft des Schiffes, vom Chirurgen bis zum Mitarbeiter an Deck, arbeitet ehrenamtlich und trägt alle Kosten des Aufenthaltes selbst – so auch Rahel Ballentin. Ihr haben Freunde und Familie geholfen, den Einsatz zu finanzieren.

Lebensverändernd: Operationen und Behandlungen an Bord

Dass sie dort als Frau arbeitet, ist dennoch etwas Besonderes. „Viele Bewerber, die an Bord mitarbeiten möchten, sind Mediziner. Aber damit unsere Hilfe gelingen kann, benötigen wir ebenso viele Mitarbeiter aus den technischen und nautischen Arbeitsbereichen. Über Rahels Einsatzbereitschaft haben wir uns daher besonders gefreut“, sagt so der deutsche Geschäftsführer von „Mercy Ships“, Udo Kronester.

Die Operationen und Behandlungen an Bord decken zum Beispiel Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, allgemeine und plastische Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie ab. Außerdem werden Augenkrankheiten wie Grauer Star behandelt. Typische Operationen sind unter anderem die Entfernung von gutartigen Tumoren, Behandlungen von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei Kleinkindern und Babys, Operation von gebogenen Beinen oder Behandlung von gravierenden Verbrennungsverletzungen. „Wir helfen den Menschen, so in ihrem System wieder wahrgenommen zu werden“, erklärt Rahel Ballentin.

Liebe zu Schiffen schon früh entdeckt

Die Liebe zum Meer und für Schiffe hat sie schon als Kind auf der Wismarbucht entdeckt. „Ich habe mich schon immer für Schiffe interessiert“, erinnert sie sich zurück. So war es naheliegend, dass sie Nautikerin werden wollte. Nach ihrem Auslandseinsatz wird sie nun aber erst mal in der Heimat bleiben.

Bilder vom Wohnschiff „SuperStar Libra“ in Wismar

Auf der „Superstar Libra“ wird sie mitverantwortlich sein für alles, was an Bord funktionieren muss. „Alle Systeme müssen auch gewartet werden, es gibt Papierkram zu erledigen und es müssen Dinge wie Feuermelder gecheckt werden“, erklärt sie. Eine Notfall-Crew müsse zudem immer an Bord sein. Auf dem Schiff wird sie auch wohnen. „Die Navigation fällt logischerweise weg. Aber das Schiff soll ja irgendwann auch wieder fahren.“ Für fünf Monate wird sie an Bord bleiben.

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