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Wismar Geschichten aus dem Wismarer Schlachthof
Mecklenburg Wismar Geschichten aus dem Wismarer Schlachthof
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14:39 23.05.2019
Die Außenaufnahme der Fleischwirtschaft stammt aus den 1980er-Jahren. Im Hintergrund sind die Neubaublöcke am Kagenmarkt zu erkennen. Quelle: Klaus Tolkmitt
Wismar

Im September 1968 hat Klaus Tolkmitt bei der VEB Fleischwirtschaft im Wismarer Schlachthof angefangen. „Ich war zuständig für die Beschaffung der Rohstoffe zum Schlachten“, erzählt er. Für die Geschichte des Betriebes hat der inzwischen 79-jährige Wismarer sich schon immer interessiert. 1989, zum 100-jährigen Jubiläum des Schlachthofes, hat er eine Chronik geschrieben.

Am 5. Juni um 19 Uhr wird er im Stadtarchiv Wismar über die Geschichte des Wismarer Schlachthofes sprechen.

Preußischer Beschluss gegen Krankheiten

1868 beschloss die preußische Regierung den Bau von Schlachthöfen. Bis dahin wurde in den Landwirtschaften direkt geschlachtet – mit dem Ergebnis, dass sich Krankheiten, wie Trichinenbefall oder Tuberkulose, durch infiziertes Schweinefleisch auch auf den Menschen übertrug.

„Am 3. November 1888 wurde der Wismarer Schlachthof gegründet mit der Maßgabe, der Chef war ein Tierarzt“, erzählt Klaus Tolkmitt. Durch die Fleischbeschau bei der Schlachtung konnte der Tierarzt verhindern, dass das Fleisch kranker Tiere in Verkehr kam.

„Schlachtungen in der Innenstadt wurden verboten. In den Außenbezirken Wismars kam ein Fleischbeschauer zum Schlachten“, macht Tolkmitt auf die Zustände vor dem Schlachthaus aufmerksam.

Schlachthaus Wismar

„Das Schlachthaus Wismar stand unter der Ordnung der Stadt. Es gab einen Inspektor, einen Hallenmeister und Maschinisten“, erzählt Tolkmitt aus seinen Forschungen. „Die waren Beamte der Stadt und trugen sogar die Uniformmütze der Polizei!“

1889 wurden 4673 Schweine geschlachtet. „Das war nicht sehr viel“, zieht Klaus Tolkmitt den Vergleich zu 1931 mit über 13 000 Schweinen.

Gebäude an der Rostocker Straße

2010 wurde ein Teil der Gebäude der ehemaligen „Fleischwirtschaft“ zwischen Rostocker Straße und den Bahnschienen auf der Höhe des Einkaufszentrums und des Finanzamtes abgerissen, andere Gebäude stehen noch.

„Mit der Planwirtschaft hat sich alles anders entwickelt. Der Schlachthof wurde umgebaut.“ 1968 als Klaus Tolkmitt als diplomierter Agrar-Ingenieur im Betrieb anfing, wurden dort jeden Tag 250 Schweine und bis zu 50 Rinder geschlachtet.

Viehbestände stiegen

Die Viehbestände stiegen in Wismar und im Kreis Grevesmühlen. „Sie gingen derart hoch, wir bekamen die Tiere nicht alle hier geschlachtet.“ Ganzzüge, also 30 Waggons beladen voller Schlachttiere, gingen von Wismar und Grevesmühlen aus in den Rest der Republik zum Schlachten.

In Wismar musste ein neuer, größerer Schlachthof gebaut werden. „Gärten wurden weggenommen, das Gelände war direkt neben dem alten Schlachthof“, erzählt Klaus Tolkmitt. Im Dezember 1979 startete der Probelauf, im Mai 1980 die reguläre Schlachtarbeit mit bis zu 1150 Schweinen und 120 Rindern am Tag. „Mit der Menge konnten wir die Tiere aus den Kreisen Wismar und Grevesmühlen wieder hier verarbeiten.“ Und die Produktion stieg weiter. Bis 1983.

Exportschlachthof Wismar

„1983/-84 wurde der Betrieb für zehn Monate stillgelegt. Das gab ein Theater, die ganzen Viecher mussten ja weg!“, erinnert sich Klaus Tolkmitt. Damals gab es den Ministerratsbeschluss, dass Wismar zum Exportschlachthof umgerüstet werden sollte.

„Wir kriegten auch ein entsprechendes Siegel.“ Das Fleisch ging nach Berlin, Sachsen und zum Teil auch in die Bundesrepublik. „Aber nicht direkt, die Listen waren mit Ungarn oder der Tschechei als Ziel ausgeschrieben.“

1987 wurden 277 000 Schweine und 26 000 Rinder jedes Jahr im Wismarer Betrieb geschlachtet. „Zur Wende hatten wir 140 Tonnen Bauchfleisch im Gefrierhaus.“

Das Ende mit der Wende

Klaus Tolkmitt: „Nach der Wende hatte eine Firma aus Niedersachsen den Schlachthof übernommen. Im Dezember 1995 wurden die letzten Rinder geschlachtet, die Schweineschlachtung hatte man schon vorher eingestellt. Dann ging der Schlachthof ein.“ Aber das ging, so Tolkmitt, auch anderen Betrieben in West und Ost genauso. „Große Schlachthöfe schlachten am Tag 25 000 Schweine!“

Das handgeschriebene Protokoll der letzten Schlachtung hat er im Stadtarchiv abgegeben. Dort wird er am 5. Juni um 19 Uhr Fotos aus der Zeit zeigen und sicherlich neben der Geschichte auch manch eine Anekdote zum Besten geben. Einlass ist ab 18.30 Uhr, der Eintritt kostet drei Euro für den Archivverein, Vereinsmitglieder haben freien Eintritt.

Nicole Hollatz

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