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Wismar Einzigartiger Mix: Michael Rost pflanzt exotischen Wald bei Neukloster
Mecklenburg Wismar Einzigartiger Mix: Michael Rost pflanzt exotischen Wald bei Neukloster
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14:00 28.10.2019
Michael Rost (52) steht inmitten seiner Bäume. Fast 5000 Exemplare hat er in Neuhof gepflanzt. Quelle: Kerstin Schröder
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Neuhof

Michael Rost arbeitet für die Forstverwaltung, lebt in Schwerin und besitzt einen Wald in der Nähe von Neukloster. Das klingt nach einer ungewöhnlichen Mischung. Genauso ungewöhnlich ist auch das Projekt, das der 52-Jährige im „Alten Domänengarten“ in Neuhof umsetzt. Auf dem rund 1,5 Hektar großen Gelände wachsen insgesamt 18 Baumarten, die es in Deutschland in dieser Zusammensetzung wohl kein zweites Mal gibt: Flatterulmen, Roterlen, Schwarznüsse, Spitzahorn, Vogelkirschen, Butternüsse, Elsbeeren und Wildbirnen. „Insgesamt sind es 4810 Bäume“, berichtet Michael Rost stolz. Auch die alten Eiben und Obstbäume hat er stehengelassen – für die Vögel, Fledermäuse und Hornissen.

Umweltaktivisten helfen beim Pflanzen in Neuhof. Quelle: privat

Die neuen Baumarten würden gut zu dem nährstoffreichen, feuchten Standort passen. Er habe extra ein Gutachten erstellen lassen und dessen Ergebnis mit einigen seiner Ideen ergänzt. Mit dem Wald-Projekt, das 2012 gestartet ist, hat der Diplom-Forstingenieur seinen Beruf zum Hobby gemacht. Nun erfreut er sich daran, die Bäume wachsen zu sehen. Mannshoch sind einige Exemplare bereits.

Riesige Stämme wird der 52-Jährige nicht mehr sehen

Riesige Stämme sollen sie einmal haben, doch diesen Anblick wird Michael Rost nicht mehr erleben. Das dauert Jahrzehnte. Doch das macht ihm nichts aus: „Förster denken in Generationen“, betont er. Und die nächste Generation gibt es schon: Michael Rost’ Töchter sind jetzt sieben und zehn Jahre alt. Und er hat einen langfristigen Plan: Ab 2025 beginnt die sogenannte Wertästung, dabei werden Äste von den Stämmen entfernt. Ab 2078 sollen die ersten Stämme gefällt werden. Denn sein Ziel ist es: Qualitätsholz zu produzieren. Außerdem würden die Bäume etwas zum Klimaschutz beitragen – zehn Tonnen Kohlendioxid würden so jedes Jahr pro Hektar gebunden.

2010 hat der gebürtige Berliner die Fläche von der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH gekauft. Die ist bis 1945 eine Domäne des Landes Mecklenburg gewesen. Von den Häusern des ehemaligen Landgutes ist nicht mehr viel übrig – lediglich der Kuhstall und jede Menge Schutt. Mit der Unterstützung von freiwilligen Helfern sind das meiste Areal bereits entrümpelt und tausende Bäume gepflanzt worden. Im November kommen 300 weitere Exemplare dazu, jeweils 100 Flatterulmen, Roterlen und Vogelkirschen.

Treffen mit Tochter des ehemaligen Domäne-Pächters

Forstleute aus ganz Norddeutschland besichtigen die Erstaufforstung in Neuhof bei einer Exkursion der „Gesellschaft für schnellwachsende Baumarten“. Quelle: privat

Erst kürzlich hat sich eine Gruppe von 50 Förstern auf dem Gelände umgeschaut und „sie waren begeistert“, freut sich der 52-Jährige. Ihr Fazit: Die Bäume würden sich so gut entwickeln, dass er später wohl ein Luxusproblem bekommen würde – wenn einige Pflanzen aussortiert werden müssen, um den besten das Weiterwachsen zu ermöglichen. „Dann muss ich mich nicht zwischen schlechten Bäumen entscheiden, sondern zwischen einer guten Kirsche und einer guten Nuss“, erklärt er.

Auch die jüngste Tochter des früheren Pächters der ehemaligen Domäne Neuhof ist von dem Projekt sehr angetan. Nachdem sie von der Pflanzaktion hörte, hat sie sich bei Michael Rost gemeldet und viel über die Geschichte des ehemaligen Landgutes erzählt. Eine Chronik mit alten Dokumenten hat sie ihm überlassen, das Original befindet sich im Landesarchiv in Schwerin. Zum ersten Mal getroffen haben sich die Zwei in Frankfurt am Main. Dort lebt die mittlerweile 94-Jährige, und das Büro des Forstbeamten befindet sich in der Nähe. Alle zwei Wochen pendelt er zur Forstverwaltung des Landes Hessen, die restliche Zeit kann er über das Internet aus arbeiten.

Nach 15 Jahren gibt es die ersten Nüsse aus Neuhof

Freiwillige Helfer unterstützen die Aktion - dazu zählt auch Müllsammeln. Quelle: privat

Sein Lebensmittelpunkt ist Schwerin. Von dort aus ist Neuhof gut mit dem Auto zu erreichen. So kann Michael Rost regelmäßig nach dem Rechten schauen und nach seinen Nussbäumen. 2500 gibt es davon. Bis sie das erste Mal Früchte tragen, dauert es 15 Jahre.

Vom 15. bis zum 17. November wird es wieder wuselig auf dem Gelände. Wie bei den bisherigen Pflanzaktionen werden auch diesmal Helfer vor Ort sein. Oft sind es Abiturienten und Studenten aus den Ballungsräumen, die voller Begeisterung etwas für die Natur möchten. Kost und Logis sind frei. „Dafür arbeiten sie und das tun sie freiwillig oft bis zum Umfallen“, berichtet Rost.

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