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Wismar 450 Jahre alte Wandmalerei restauriert
Mecklenburg Wismar 450 Jahre alte Wandmalerei restauriert
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18:27 18.12.2018
Restauratorin Hanja Prütz zeigt Museumschefin Corinna Schubert und Manuel Krastel von der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest Details an der Wandmalerei. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

War das das Wohnzimmer von Hinrich Schabbell? „Leider ist nicht überliefert, welches Zimmer er wofür genutzt hat. Wir können das anhand der Befunde nur vermuten“, sagt Corinna Schubert, die Leiterin im Stadtgeschichtlichen Museum „Schabbell“ in Wismar. Ein solcher Befund hat seine zärtliche Verjüngungskur im Sinne einer Restaurierung gerade hinter sich. Hanja Prütz hat drei Monate lang mit drei Kollegen an der Vorhangmalerei gearbeitet.

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Ständig überstrichen

„Die Malerei war mit vielen Farbschichten überdeckt“, erzählt die Restauratorin. Millimeter für Millimeter haben die Fachleute die Farbschichten der letzten vier Jahrhunderte abgekratzt. Was zum Vorschein kam, überraschte angesichts des Alters der Malerei. „Stelen mit Figuren obendrauf, dazwischen ein Vorhang“, beschreibt Hanja Prütz. Nach der Freilegung wurde die Malerei vorsichtig retuschiert und ergänzt, „soweit es nachvollziehbar war“. Sprich: Die Restauratoren ergänzten mit ihren gestrichelten und damit eindeutig als neu erkennbaren Flächen nur im Befund sichere Fehlstellen für das stimmige Gesamtbild.

Vorhangmalerei für Gemütlichkeit

Wahrscheinlich war die Vorhangmalerei raumumfassend. Norbert Huschner, Leiter des Amtes für Welterbe, Tourismus und Kultur: „Diese Vorhangmalereien sorgten für ein heimeliges Gefühl. Man muss sich die Räume vorstellen mit dem Kamin als einzige warme Ecke.“ Auch in im Welt-Erbe-Haus wurden Vorhangmalereien gefunden.

Bei der Wandmalerei im ehemaligen Wohnhaus des Bierbrauers, Kaufmanns, Ratsherrn und späteren Bürgermeisters Hinrich Schabbell (1531-1600) könnten Wismarer eine gewisse Ähnlichkeit mit den Stelen an der Wasserkunst mit ihren männlichen und weiblichen Hermen entdecken.

Brandin, der Baumeister der Wasserkunst, war also nicht nur für die Gestaltung der Außenhaut des Schabbellhauses zuständig, sondern offensichtlich auch für die Innenausstattung“, schlussfolgert Corinna Schubert. Schabbell beauftragte den holländischen Architekten Philipp Brandin (1535-1594) mit dem Bau seines Hauses. Auch das Fenster in dieser Wand ist noch original aus der Erbauerzeit des Hauses.  

Hinrich Schabbell hat offensichtlich Sinn für Humor gehabt“, interpretiert Corinna Schubert das Gesamtbild. „Es sieht aus, als wenn die Figuren aus den Stelen hervor in den Raum gucken, was die Bewohner so treiben.“

Stiftung und Sparkasse finanzieren

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest machten die Restaurierung möglich. Es war das zweite Projekt, das von Stiftung und Sparkasse in dem Haus finanziell unterstützt wurde. Im Erdgeschoss konnte bereits eine opulente Deckenmalerei restauriert werden.

Das Geld kam in beiden Fällen aus der Aktion PS-Lotterie-Sparen der Sparkasse. Welche Summen dabei geflossen sind, bleibt geheim. „Ein nicht unerheblicher Betrag“, sagt Manuel Krastel von der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest. Aber: Das gerade abgeschlossene Projekt war preiswerter als veranschlagt.

„Wir haben aber schon wieder was Neues“, erzählt Corinna Schubert vom nächsten Vorhaben, das dank Stiftung und Sparkasse möglich wird. Gleich nebenan warten Fachwerkmalereien darauf, restauriert zu werden.

Nicole Hollatz

18.12.2018
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