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Wismar Wasser und Sonne als Stromlieferanten
Mecklenburg Wismar Wasser und Sonne als Stromlieferanten
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00:00 11.03.2014
Eine Solaranlage könnte auf dem Dach des ehemaligen Schweinestalls im früheren Tierpark in Tüzen entstehen.
Eine Solaranlage könnte auf dem Dach des ehemaligen Schweinestalls im früheren Tierpark in Tüzen entstehen. Quelle: dpa
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Passee

Tiere wird es im ehemaligen Rassetierpark Tüzen wohl nicht wieder geben. Aber es bahnt sich eine zumindest teilweise Nutzung der 40 Hektar großen Fläche an, die zur Gemeinde Passee gehört. „Das klingt erst mal ein bisschen verrückt“, sagt Bürgermeister Adolf Wittek (57, parteilos), „aber wir könnten dort mit Wasserkraft Strom erzeugen.“ Auf diese Idee habe ihn Brigitte Schmidt gebracht. Eigentlich war die Geschäftsführerin des Solarzentrums Wietow nach Passee gekommen, um mit Adolf Wittek darüber zu sprechen, ob sich eine Solaranlage auf dem Dach des ehemaligen Schweinestalls in Tüzen lohne.

„Anschließend sind wir auch durch den ehemaligen Tierpark gegangen, um zu sehen, ob sich da etwas machen lässt“, so Wittek. Lässt sich, stellte Brigitte Schmidt fest. Denn dank der Endmoränenlandschaft gibt es auf dem ehemaligen Tierparkgelände eine Erhebung, die sich zur Gewinnung von Wasserkraft eignen würde. Der Plan: Oben auf dem Berg und unten an seinem Fuß wird je ein Teich angelegt. Dazwischen werden Druckleitungen und eine langsam laufende Turbine gebaut, die die Energie des abfließenden Wassers in Strom umwandelt. Eine Solarpumpe transportiert das Wasser schließlich wieder nach oben.

„Anfangs habe ich nur ungläubig geschaut, doch dann habe ich im Internet ein bisschen recherchiert“, sagt Passees Bürgermeister. Und zu seinem Erstaunen hat er festgestellt, dass bei der modernen Technik schon ein Gefälle von zwei Metern für die Stromerzeugung reicht. „Wir haben ein Gefälle von 20 bis 30 Metern“, erklärt der 57-Jährige. Derzeit wird geprüft, ob sich so eine Investition für die kleine Gemeinde rechnen würde. „Ich hoffe, dass wir etwa in einem Vierteljahr die ersten Ergebnisse haben“, so Adolf Wittek.

Der Bürgermeister würde seine Gemeinde gern als Stromlieferanten für die Region sehen. „Aber wenn wir ihn anbieten, müssen wir die Lieferung auch 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr sicherstellen können“, betont er. Mit der Wasserkraft sei das, anders als mit der geplanten Solaranlage, möglich. Dennoch soll auf die Sonnenenergie nicht verzichtet werden.

Für den Bau einer Solaranlage auf dem Dach des ehemaligen Schweinestalls dürfte Passee sogar einen Kredit von 120 000 Euro aufnehmen, obwohl der Haushalt nicht ausgeglichen ist. „Die Voraussetzung ist aber, dass eine Prüfung die Wirtschaftlichkeit der Anlage bestätigt“, erklärt Christian Russow von der Finanzabteilung im Amt Neukloster-Warin, dem Passee angehört. Sie müsse nachweisen, dass die Gemeinde finanziell nicht zu stark belastet werde.

Davon ist Diplom-Ingenieur Klaus Riedner überzeugt. Er ist bereit, die Fotovoltaikanlage zu bauen und mit der Gemeinde zu betreiben. „Wir haben zwar mit einer Netzeinspeisung von 90 Prozent und einem Ertrag für die Gemeinde kalkuliert“, so Riedner. Doch selbst wenn es keine Vergütung mehr für die Einspeisung gebe, bliebe immer noch der billige Strom für die Gemeinde.

Es hätten sich auch schon potenzielle als Abnehmer gemeldet, ergänzt Adolf Wittek, „aber noch nichts Festes“. Zum Beispiel hat der Betreiber der geplanten Ferkelaufzuchtanlage in Passee Interesse bekundet. „Die Einspeisung ist mittlerweile zwar die schlechteste Variante“, sagt der Bürgermeister, „aber selbst da würden wir noch was rauskriegen.“

Voller Terminplan
Das erste Solarzentrum des Landes wird 2003 in Wietow nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet.

Aus dem Terminplan 2014:

• 14. April: 8. Internationale Konferenz „Solarökologische Bausanierung“

• 26. bis 30. April: „Schulenenergietag“, Schulen führen Projekttage für nachhaltige Energienutzung durch.

• 26. April: 19. Tag der Erneuerbaren Energien im Solarzentrum.

• 2. Juni bis 13. Juli: Erlebniswochen „ESSE“ — Erlebnis-Show-Sonne-Energiesparen — für Lernende, Pädagogen, Berufsschüler und Studenten.



Sylvia Kartheuser