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Wismar Pendeln zwischen Poel und der Karibik
Mecklenburg Wismar Pendeln zwischen Poel und der Karibik
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05:55 03.08.2019
Manfred Sommer am Strand von Timmendorf Quelle: Lena Isenberg
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Timmendorf

Wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt, zieht es Surfer und Segler hinaus auf die Ostsee. Und das am liebsten täglich und lange. „Meistens bin ich zwei bis vier Stunden auf dem Wasser“, erzählt Timo. Er surft seit 13 Jahren und will von allen nur mit seinem Vornamen angesprochen werden. Auf Teneriffa hat er das Surfen für sich entdeckt. Später ist er in den hohen Norden Deutschlands gekommen und hat fünf Jahre an der Wohlenberger Wiek als Surf- und Segellehrer gearbeitet.

„Da draußen bin ich frei“

In den Wintermonaten ist der Surfer nach Fuerteventura, Teneriffa und Madeira gereist. Atlantik-Surf-Erfahrungen hat er in der Dominikanischen Republik bei meterhohen Wellen gesammelt. Nun ist Timo auf der Insel Poel angekommen und hat eine kleine Station in Timmendorf, unter anderem mit sechs Schulungs- und sechs Profiboards. „Man muss als Surfer Respekt vor der Natur und dem Meer haben. Hier auf der Insel haben wir drei Windrichtungen, bei denen wir surfen können. Das ist der Wind aus West, Nordwest und aus Nordost“, erklärt der braun gebrannte Mann. Barfuß steht er in seinen Flip-Flops auf dem Rasen der Surfschule und schaut hinauf zu der Windanzeige. Sobald es 15 Knoten sind, ist der Surfer draußen auf dem Wasser. Diese Knotenzahl wird als „mäßiger Wind“ bezeichnet und beinhaltet eine Windgeschwindigkeit von 20 bis 28 km/h. „Das Surfen ist meine Berufung. Da draußen bin ich frei. Ohne Handy“, sagt er lächelnd. Timo ist von Ostern bis Oktober auf der Insel. „Das restliche Jahr“ sagt er, „bin ich weg.“ Weg aus Deutschland – irgendwo im Ausland.

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Wassersport ist bei Urlaubern sehr beliebt

Markus Frick, Kurdirektor von der Insel Poel, erklärt, dass es einige Wassersportlehrer den Sommer über in Timmendorf gibt. Die Inselbesucher seien von den Angeboten begeistert, allerdings seien die Aktivitäten sehr wetterabhängig. Das bestätigt auch der Surflehrer Maik Thede aus Timmendorf: „Wegen der langanhaltenden Hitzeperiode waren im letzten Jahr nur wenige Wind- und Kitesurfer auf der Insel.“

Eröffnung der Windsurfschule nach der Wende

Vor der Grenzöffnung der DDR ist der Strandabschnitt Sperrgebiet gewesen. Die Menschen konnten lediglich am Strand spazieren gehen und im Meer baden. Segeln und Surfen sind verboten gewesen. Angefangen hat der Wassersport auf der Insel Poel nach der Wende im Jahr 1991, als Maik Thede die erste Windsurfschule eröffnete. Heute können Wassersportbegeisterte in Timmendorf windsurfen, Katamaran segeln und kitesurfen sowie Stand-up-Paddling machen und mit dem Tretboot fahren.

Beruflich viel ausprobiert, dann kam das Segeln

Auch Manfred Sommer ist als Wassersportlehrer in Timmendorf gestrandet. Der 52-Jährige ist gelernter Chemielaborant und hat sich schon in vielen Berufen ausprobiert. Nach der Wende hat er eine Ausbildung im Vertrieb absolviert, später hat er sich mit einem Pizzaservice in Wismar selbstständig gemacht und anschließend mit einem Lieferservice die Hansestädter mit frischen Brötchen versorgt. Dann wollte er Berge besteigen und Fallschirm springen – hat aber als Erstes doch den Wassersport ausprobiert und sich für das Katamaransegeln so begeistern können, dass er dabei geblieben ist und nun als Segellehrer arbeitet.

Man wird mit Wassersport nicht reich

„Man wird damit nicht reich, aber ich versuche seit zwei Jahren davon zu leben und bin so mit meinem Leben ganz zufrieden“, sagt er. Barfuß steht er in seinen abgewetzten braunen Ledersandalen im Sand. Der gebürtige Wismarer trägt einen dunkelgrauen Fleecepulli, unter dem ein blaues T-Shirt herauslugt und eine dunkelblaue Jeanshose. Manfred Sommer gibt an, die höchsten Sicherheitsstandards beim Surfen gewährleisten zu können. Mit seinem Rettungsboot, das dieses Jahr schon drei Mal zum Einsatz kam, hat der Wassersportler nebenbei Schwimmer, die zu weit auf das Meer hinausgetrieben sind, gerettet.

Wenn der Sand fliegt, hören wir auf zu segeln

„Wenn der Sand am Strand anfängt zu fliegen, hören wir auf mit dem Segeln.“ Die Grenze sei bei Windstärke 7. Die Geschwindigkeit liegt zwischen 50 und 61 km/h und wird als steifer Wind bezeichnet. Die „grobe See“ erkennt man an dem weißen Schaum, der sich bei dieser Windgeschwindigkeit in Windrichtung legt. Der Surfer ist über die Wintermonate kaum in Deutschland. „Ich habe eine Verlobte in der Dominikanischen Republik. Die Menschen dort sind unkomplizierter und sehr offen Fremden gegenüber“, sagt Manfred Sommer. Passend zu seinem Namen ist er in den Sommermonaten der Freigeist auf der Insel Poel, in den Wintermonaten am Ende der Welt. „In der Dominikanischen Republik bin ich zu Hause, dort ist meine Familie, ich mag gerne spanisch sprechende Länder.“

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Lena Isenberg

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