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Wismar Wegen großer Kundgebung 1989: Proseken ist ein historischer Ort
Mecklenburg Wismar Wegen großer Kundgebung 1989: Proseken ist ein historischer Ort
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15:40 20.10.2019
Manfred Harloff enthüllt vor dem Kirchengelände eine neue Gedenkstele. Quelle: Kerstin Schröder
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Proseken

Es ist schon dunkel, als Manfred Harloff vor der Prosekener Kirche eine neue Gedenkstele enthüllt. Genauso dunkel müsste es vor 30 Jahren gewesen sein, als die Bürgerbewegung Neues Forum gegen 18 Uhr mit ihrer ersten großen Kundgebung in der Region Wismar begann – im Gotteshaus und davor. Denn aus den erwarteten 300 Teilnehmern waren fast 2000 geworden. Die meisten von ihnen haben mit Lautsprechern die Reden verfolgt, auch Konrad Larek. Er ist mit den Moped gekommen, hat die Polizei auf den Straßen in der Umgebung gesehen. „Ich war aufgeregt und gespannt, wie sich alles entwickeln würde... ob die Polizei die Veranstaltung vielleicht auflöst.“ All das erzählt er in einem Film, den die Zehntklässler aus Proseken gedreht haben. Jetzt haben sie ihr fertiges Werk, ein 15-minütiges Video, das erste Mal gesehen – am Freitag bei der Gedenkveranstaltung in der Kirche.

Lautsprecher aufgebaut, damit alle was hören

Etwa 250 Gäste sind zur Gedenkveranstaltung gekommen. Quelle: Kerstin Schröder

Die ist wieder gut gefüllt. Etwa 250 Gäste sind gekommen, um sich das Ereignis vor 30 Jahren noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Redner Manfred Harloff ist mit der Resonanz zufrieden und erinnert sich: „Damals gab es keinen Platz mehr in der Kirche.“ Die restaurierten Kronleuchter hätte es noch nicht gegeben. „Eine Laterne wurde hochgezogen und plötzlich waren zwei Lautsprecher da“, erzählt der ehemalige Pastor. Die seien aufgestellt worden, damit die Leute, die nicht mehr in die Kirche passten, wenigstens hören konnten, was drinnen gesprochen wurde.

Im Film erinnert sich auch Rosemarie Kalf. Ihr Mann Fritz war im Raum Wismar sehr aktiv im Neuen Forum. Auf ihrem Grundstück in Voßkuhl hat er mit Mitstreitern die Kundgebung vorbereitet. Ziel sei es gewesen, die Regierung ohne Gewalt in die Diskussion zu zwingen, damit es zu Veränderungen in der DDR kommt, erzählt seine Frau. Ihr Fritz ist 2006 gestorben.

Schüler aus Proseken sind stolz auf ihren Film

„Hier in der Kirche haben wir von ihm Abschied genommen“, berichtet Manfred Pastor Harloff. Er würdigt den Bürgerrechtler als jemanden, der viele Menschen mit seiner Begeisterung für die friedliche Revolution angesteckt habe. Natürlich hätten Fritz Kalf und alle Organisatoren der Kundgebung befürchtet, dass sie verfolgt oder verhaftet werden könnten. Aber die enorme Teilnehmerzahl an dem 18. Oktober 1989 in Proseken habe ihnen den Rücken gestärkt. „Danach hatten wir keine Angst mehr, wir hatten den aufrechten Gang gelernt“, resümiert Manfred Harloff.

Kündigen den Film der Prosekener Zehntklässler an: Anakin Porath (l.) und Julian Skripskansky. Quelle: Kerstin Schröder

Während in Berlin Demonstranten verprügelt wurden, verläuft der Widerstand im Norden tatsächlich friedlich – vermutlich, weil die Aktionen hier später angefangen haben, sagt Kai Langer von der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Der Historiker hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, auch mit Proseken. Bisher habe er die Kirche aber nur von seiner wissenschaftlichen Arbeit gekannt. Nun, zum 30-jährigen Gedenken, stehe er dort – „an einem historischen Ort“. Für die Schüler ist es auch ein besonderes Ort geworden. Sie sind stolz auf ihren Film, sagen sie. Vor und nach der Aufführung singt Liedermacher Stephan Krawczyk aus Berlin.

Wie Kai Langer ergänzt, seien Jubiläen Fluch und Segen zugleich. Ein Segen, weil sich Menschen wieder mit dem Thema beschäftigen. Und ein Fluch, weil schnell eine Übersättigung eintrete, spätestens am 9. oder 10. November. Am Ende der Gedenkveranstaltung wird vor dem Eingangstor zum Kirchengelände die neue Stele enthüllt. Sie leuchtet für einige Stunden. Einige Zeitzeugen sitzen später noch im Pfarrhaus zusammen, um sich gemeinsam zu erinnern – an die Zeit der friedlichen Revolution.

Mehr Infos:

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Von Kerstin Schröder

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