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Wismar Wellengang und Leichtsinn: Hier lauern die Gefahren
Mecklenburg Wismar Wellengang und Leichtsinn: Hier lauern die Gefahren
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10:12 29.06.2019
Die DLRG Rettungsschwimmer halten vom Turm am Strand in Timmendorf auf der Insel Poel Ausschau nach den Badegästen. Lutz Foth hält mit dem Funkgerät Kontakt zu den Kollegen auf den anderen Türmen. Aleksandr Banachewitsch überwacht Strand und Ostsee mit dem Fernglas. Quelle: Michaela Krohn
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Rostock/Bad Doberan/ Boltenhagen

 Während viele Schüler nun in die Sommerferien und Erwachsene in ihren Jahresurlaub starten, treten zahlreiche Rettungsschwimmer ihren Dienst an der Ostseeküste an. Bei warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein behalten sie den Überblick über die Strände und sind stets Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um das Thema Sicherheit am Meer geht. Doch die Ehrenamtler in Mecklenburg schlagen Alarm: Badegäste werden immer leichtsinniger und Kinder können schlechter schwimmen. Der OSTSEE-ZEITUNG berichten sie von ihren Erfahrungen und erläutern, wo sich die meisten Gefahren am Strand verbergen.

Der ganz normale Alltag

„Aktuell ist es noch relativ ruhig. Der große Ansturm kommt erst noch“, meint Lukas Knaup, Wachdienstkoordinator der Warnemünder Wasserwacht. Zu tun haben die Rettungsschwimmer an der Ostsee dennoch genug. Ob Schnitt- oder Schürfwunden, Wespenstiche oder kleine Platzwunden – ruhig bleibt es nur an den wenigsten Tagen. „Dabei hängt die Zahl der Unfälle stark vom Wetter ab, teilt Benjamin Wehner von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kreisverband Bad Doberan mit. In Heiligendamm und dem Ostseebad Nienhagen kennt er sich aus. Bei warmem Wetter steige die Anzahl der Patienten mit Kreislaufproblemen und bei starker Strömung die Wasserrettungen.

Nicht nur im Wasser lauern Risiken, wie Sven Schmitz, Wachleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) berichtet: „Immer wieder haben wir im Ostseebad Boltenhagen Kandidaten, die sich von der deutschen Kartoffel zum Hummer wandeln.“ Der Sonnenschutz werde oftmals vernachlässigt. „Dabei ist das so wichtig. Alleine in diesem Jahr hatten wir drei Fälle mit Sonnenstich“, fügt Knaup hinzu. Regelmäßig müssen die Rettungsschwimmer Urlauber und auch Einheimische darauf hinweisen sich aus der prallen Sonne zu begeben. „Viele merken erst zu spät, dass sie sich einen heftigen Sonnenbrand eingefangen haben“, so Knaup.

Achtung bei Badehilfen, Buhnen und Mole

„Im Wasser selbst ist man immer einer gewissen Gefahr ausgesetzt. Daher ist es wichtig, dass nur an ausgewiesenen Stränden geschwommen wird“, betont Mai Bartsch, Einsatzleiterin Küste Mecklenburg-Vorpommern der DLRG. Wo ein Verbot vorliege und keine Rettungsschwimmer im Einsatz seien, herrsche Lebensgefahr. So beispielsweise an der Mole oder überall dort, wo Schiffsverkehr stattfindet. „Die allgemeinen Baderegeln sind immer zu beachten. Leider könne nur die wenigsten die Punkte aufzählen“, meint Bartsch.

Die Rettungsschwimmer Hannah Schnemilich (17) und Abdullah Hamdam von der DRK-Wasserwacht Kreisverband Bad Doberan beobachten in Heiligendamm das Geschehen am Strand. Quelle: DBR

Auch Buhnen werden oftmals unterschätzt. Die Pfähle werden gerne zum Balancieren oder als Sprungbrett genutzt. „Dabei sind sie rutschig und die Strömungsverhältnisse dort sind meist unberechenbar“, erklärt Schmitz. Zudem könne sie unterspült sein, wodurch Unerfahrene schnell den Halt verlieren und in Panik geraten.

Wer glaubt, dass Schwimmhilfen Sicherheit bieten, der irrt. Utensilien, wie Matratzen können sowohl für Nichtschwimmer, als auch Schwimmer zur Gefahr werden. Bei ablandigem Wind und wenig Wellen könne es schnell passieren, dass diese weit raustreiben. „Das merkt man dann oft nicht sofort. Vor allem nicht, wenn man den Blick nach oben richtet“, meint Bartsch. Erst vergangene Woche seien zwei junge Frauen mit dem Schrecken davon gekommen. Weil die Strömung sie auf ihrer Insel aufs Meer hinaus trieb, mussten sie zurück ans Land gezogen werden. „Unsere Rettungsschwimmer können so etwas mit geschultem Auge zum Glück frühzeitig erkennen.“

Kinder schwimmen immer schlechter

„Ich habe manchmal das Gefühl, die Leute kommen mit einer Art Vollkasko-Mentalität an den Strand“, beschreibt Lutz Foth, Wachführer am Strand in Timmendorf auf der Insel Poel, die Einstellung einiger Badegäste. Vor allem Eltern würden sich darauf verlassen, dass die Rettungsschwimmer alles im Blick haben. „Leider beobachten wir immer öfter, dass Eltern durch ihr Smartphone abgelenkt sind und ihre Kinder nicht im Sichtfeld haben“, so Foth weiter.

Hinzu komme das Problem, dass die heranwachsenden Generationen immer schlechter schwimmen, wie Lukas Knaup feststellt. „Bundesweit werden immer mehr öffentliche Bäder geschlossen, wodurch das Angebot für Schwimmunterricht immer geringer wird“, erklärt Schmitz das Phänomen.

Lukas Knaup (oben) Georg Steinhäuser und Eleonora Rong treten zu ihrem Dienst an. Quelle: Susanne Gidzinski

Rettungsschwimmer gesucht

Obwohl die Seebäder derzeit personell gut aufgestellt seien, werden an einigen Stränden noch immer Ehrenamtler gesucht. „Wer Interesse hat, kann sich gerne direkt an den Türmen melden. An der Ostseeküste sind wir immer froh über junge und motivierte Helfer“, sagt Bartsch.

Das kann auch Lutz Foth bestätigen. Immer mehr Rettungsschwimmer kommen aus entfernteren Bundesländern, wie Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg. „Für uns ist das nicht selbstverständlich, denn das Angebot an attraktiven und gut bezahlten Nebenjobs ist groß.“

Sicher baden!

Bei Sturmund Gewitter immer das Wasser verlassen.

Buhnen sind gefährlich. Dort können Untiefen und scharfe Muscheln sein.

Starke Wellen und ablandiger Wind können das Schwimmen oder Paddeln zum Ufer erschweren.

In der Ostsee gibt es Feuerquallen. Verletzungen sind schmerzhaft, aber in der Regel nicht bedrohlich.

Nicht in unbekannte oder trübe Gewässer springen.

Alle Badegäste sind zu respektieren.

Warnhinweise, Begrenzungen und Bojen im Wasser dienen der Sicherheit.

Aufblasbare Schwimmkörper (Luftmatratzen) sind keine geeigneten Schwimmhilfen für Nichtschwimmer.

Nicht mit vollem Magen baden gehen und eigene Kräfte richtig einschätzen.

Offenes Feuer ist am Strand verboten.

Rettungsschwimmer sorgen für Sicherheit. Ihre Anweisungen sind immer zu befolgen.

Susanne Gidzinski

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