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Wismar Werft, Parken, Tourismus, Sport: Das sagen die Kandidaten
Mecklenburg Wismar Werft, Parken, Tourismus, Sport: Das sagen die Kandidaten
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11:33 07.04.2018
Die vier Kandidaten, die sich auf das Bürgermeisteramt in Wismar bewerben beim OZ-Forum (v.l.): Horst Krumen (Die Linke), Hans-Martin Helbig (FDP, unterstützt von CDU, Grüne und Für-Wismar-Forum), Angelo Tewes (AfD) und Amtsinhaber Thomas Beyer (SPD). Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Eine Prognose für ein Wahlergebnis wollte Wismars amtierender Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) nicht abgeben, ruhig schlafen könne er aber. Auch die anderen Kandidaten hielten sich bei der Frage nach ihrem Wunschergebnis beim OZ-Forum am Donnerstagabend im Zeughaus zurück. Horst Krumpen, Bewerber der Linken, sagte allerdings: „Alle, die hier sitzen, wollen Bürgermeister werden. Das ist klar. Mir reichen 50 Prozent plus eine Stimme.“ Hans-Martin Helbig (FDP, unterstützt auch von CDU, Grünen und Für-Wismar-Forum): „Es ist wichtig, dass am Ende ein gutes Ergebnis herauskommt und das heißt hoffentlich Hans- Martin Helbig.“ Angelo Tewes von der AfD wurde erst im Januar nominiert. „Das war zeitlich ziemlich knapp. Aber wenn man die Sache anpackt, kriegt man das noch hin“, betonte er. Wie die vier Kandidaten die Wähler für sich gewinnen wollen, verrieten sie in der letzten gemeinsamen Fragerunde vor der Wahl. Zu der kamen rund 220 neugierige Zuhörer. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kerstin Schröder, Leiterin der OZ-Lokalredaktion Wismar, und ihrem Stellvertreter Heiko Hoffmann.

Zukunft der Werft

„Kreuzfahrtschiffe für bis zu 9500 Passagiere werden in Wismar gebaut. Die Erwartungshaltung ist riesig, Skepsis bleibt“, leitete Kerstin Schröder den ersten Themenblock zur Werft ein. Wie sehen die Bürgermeister-Kandidaten die Zukunft der Werft? „Hoffentlich positiv“, kommentierte Tewes. Wichtig seien nach seiner Meinung auch die soziale Sicherheit, Arbeitsplätze, Verkehr und Infrastruktur sowie die Hafenausbaggerung.

Helbig hingegen kritisierte die Bürgschaften: „Ich habe da ein gewisses Unverständnis. Warum braucht ein so großes Unternehmen eine Bürgschaft vom Staat?“ Bei aller Freude über die Werft sollten aber auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht vergessen werden.

Dass der Aufschwung bei der Werft große Auswirkungen auf Wismar haben wird, betonte Amtsinhaber Beyer: „Zeitweise werden wir mit den Werftarbeitern 3000 zusätzliche Menschen in Wismar haben, auch aus dem Ausland. Die werden hier sein und sichtbar sein und auch das Stadtbild verändern. Da können wir uns Intoleranz nicht leisten“, betonte Beyer mit Blick auf Tewes’ Angst vor zu vielen Zuwanderern.

„Skepsis können wir uns nicht erlauben. Und die gute wirtschaftliche Entwicklung kommt auch von den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Stadt“, sagte Beyer.

Horst Krumpen hält sich mit Optimismus zurück: „Sehen Sie es mir nach: Nach all den Verkäufen der Werft in den vergangenen Jahren bleibt eine gewisse Skepsis im Hinblick auf mögliche Risiken für die Stadt.“

Parken und Brötchentaste

Heiß diskutiertes Thema war für die Kandidaten und Gäste die sogenannte Brötchentaste. Denn: Parkplätze in Wismar sind rar, kostenlose sowieso. „Wismar ist eine mittelalterliche Stadt, wir können keine Parkplätze herzaubern. Aber der kostenlose Parkplatz an der Hochbrücke ist zum Beispiel viel zu klein. Wir brauchen ein vernünftiges Parkleitsystem“, forderte Horst Krumpen.

Thomas Beyer betonte zum kostenlosen Parken in der Stadt: „Die Brötchentaste verführt zum Weiterdrücken. Das Thema wurde zudem in der Bürgerschaft rauf- und runterdiskutiert. Sie hat sich immer dagegen entschieden.“ Beyer setzt lieber auf zusätzliche Stellplätze. Dazu seien mehrere Flächen vorgesehen. Auch die Werft und Nahbus müssten bei einem solchen „Park and Ride“-Konzept mitspielen. Dies sei aber vor allem eine Alternative für verkehrsstarke Zeiten.

Hans-Martin Helbig betonte, dass es auch mit den Grünen, die ihn bei seiner Kandidatur unterstützen, eine Lösung für eine Brötchentaste geben könnte: „Ich habe viele Gespräche im Wahlkampf geführt, die zeigten, dass eine solche Taste für kurze Besorgungen gewünscht ist.“ Es gebe Städte, in denen so ein Konzept funktioniere.

Auch AfD-Mann Tewes befürwortet eine Brötchentaste: „Man kann die Zeit auf zehn oder 15 Minuten begrenzen.“ Dadurch reiche die Zeit wirklich nur für eine kurze Besorgung in der Stadt aus.

Tourismus und die Bettensteuer

Auch zum Tourismus-Konzept der Stadt gab es einige Kritik von den Kandidaten - vor allem zur sogenannten Bettensteuer (Gäste zahlen fünf Prozent Aufschlag auf den Übernachtungspreis), die 2015 von der Wismarer Bürgerschaft beschlossen wurde. „Man muss erstmal gucken, ob diese Abgabe gerechtfertigt ist und sich das für Wismar lohnt“, kommentierte Helbig.

„Ich bin gegen die Bettensteuer. Allein schon damit die Attraktivität für die Touristen bleibt“, positionierte sich Tewes. Um die Stadt noch attraktiver für Gäste zu machen, würde er sich mehr um die Sauberkeit, zum Beispiel in Wendorf am Strand, kümmern.

Fakt ist: Wismar hatte im vergangenen Jahr 360 000 Übernachtungsgäste (Unterkünfte ab neun Betten) und damit - entgegen dem Landestrend - einen Zuwachs von 16 Prozent. „Die Bettensteuer hat uns durchaus Einnahmen gebracht“, betonte Beyer. Man könne damit unter anderem die Infrastruktur erhalten und den Tourismus als Standortfaktor stärken. „Die Wismarer identifizieren sich mit ihrer Stadt, dazu gehört auch der Tourismus“, ergänzte Beyer.

Sport in Wismar

„Leichtathletin Marita Meier-Koch, Fußballer Joachim Streich, Handballerin Andrea Bölk (Stein), Segler Jan Kurfeld - um nur einige Beispiele zu nennen - sind bekannte Namen in der Sportwelt. Sie alle haben ihre Wurzeln in Wismar“, leitete OZ-Redakteur Heiko Hoffmann zum Thema Sport über. Muss die Stadt mehr für den Sport tun? „Wir brauchen mehr Sportstätten und Bewirtschaftung dieser. Wir haben da eine ganze Menge zu tun“, bekräftigte Helbig und erntete dafür Beifall aus dem Publikum.

Beyer berichtete: „Die Brecht- Sporthalle am Friedenshof wird die Sporthalle für die neue Grundschule. Das Kurt-Bürger-Stadion wird ab Mai saniert. Die Kosten dafür sind im Haushalt der Stadt bereits eingestellt.“ Auch die große Sport- und Mehrzweckhalle werde für drei Millionen Euro aus Bundesmitteln teilsaniert. Zusätzlich bekomme der FC Anker Wismar einen neuen Umkleide-Container für drei Millionen Euro. Zudem könne er sich vorstellen, im Bürgerpark eine Anlage für Freizeitsportler zu installieren. In den Jahren zuvor hätte die Stadt zu wenig Geld für die Sportentwicklung gehabt.

Für Krumpen kommt das Sportentwicklungskonzept zu spät: „Schade, dass es so lange gebraucht hat.“ Beyer hätte es in seiner Zeit als Sozialsenator längst angehen können. Auch Tewes sagt: „Das war längst überfällig.

Sicherheit in der Stadt

Ein Thema, das die Gemüter erhitzte, war die Sicherheit auf Wismars Straßen. AfD-Mann Tewes fühle sich vor allem im Dunkeln nicht sicher. Einstimmig entgegneten die anderen Kandidaten, dass für mehr Polizeipräsenz nicht der Bürgermeister, sondern der Innenminister zuständig sei.

Michaela Krohn

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