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Wismar Wetterstationen zwischen Grevesmühlen und Rostock
Mecklenburg Wismar Wetterstationen zwischen Grevesmühlen und Rostock
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14:11 25.08.2019
Alle weltweiten Messungen und Beobachtungen sowie die Ergebnisse der Computervorhersagen laufen in der DWD-Zentrale in Offenbach zusammen. Quelle: Deutscher Wetterdienst
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Wismar

Tausende Daten laufen täglich beim Deutschen Wetterdienst (DWD) zusammen. Der nationale Wetterdienst der Bundesrepublik Deutschland hat seine Zentrale in Offenbach (Hessen). Daneben gibt es sechs Regionalzentren in Hamburg, Potsdam, Leipzig, Essen, Stuttgart und München. Über die ehrenamtlichen Wetterbeobachter sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Jörg Liebing, stellvertretender Leiter der Regionalen Messnetzgruppe Potsdam des DWD.

Jörg Liebing, stellvertretender Leiter der Regionalen Messnetzgruppe Potsdam beim Deutschen Wetterdienst. Quelle: privat

Herr Liebing, wie wichtig sind die ehrenamtlichen Wetterbeobachter für den Deutschen Wetterdienst?

Sehr wichtig. Die Stationen ergänzen mit ihren gemessenen Werten unser hauptamtliches Messnetz. Manuell werden im Winter die Schneehöhen gemessen, die wir im hauptamtlichen Bereich nur von automatischen Sensoren erhalten.

Wie viele ehrenamtlich betreute Stationen gibt es?

Stand heute sind es bundesweit 1742 ehrenamtlich betreute Stationen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 95. Im Landkreis Nordwestmecklenburg haben wir 9 und im Landkreis Rostock 16 Stationen.

Werden ehrenamtliche Wetterbeobachter in MV gesucht?

Die Orte, an denen wir ehrenamtliche Beobachter suchen, werden immer aktuell im Internet unter www.dwd.de unter unseren Stellenangeboten veröffentlicht. In Kühlungsborn zum Beispiel suchen wir einen Wetterbeobachter.

Wo, was und für wen gemessen wird und wie die Geräte überprüft werden

Gibt es dafür ein Honorar?

Ein ehrenamtlicher Beobachter erhält eine jährliche Aufwandsentschädigung in Höhe von circa 660 Euro.

Wo befinden sich in MV die ältesten Wetterstationen?

Erste Messungen gab es in Rostock-Warnemünde 1832, in Putbus 1851, in Kirchdorf auf der Insel Poel 1852 und Marnitz 1864.

Hier befinden sich Wetterstationen

25 ehrenamtlich betreute Klima- und Niederschlagsstationen gibt es in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Rostock.

Nordwestmecklenburg: Kirchdorf/Poel (automatische Klimastation), Grevesmühlen, Carlow, Ventschow (automatische Niederschlagsstationen), Lübstorf, Neuburg-Steinhausen, Rögnitz, Rüting-Diedrichshagen, Wismar (konventionelle Niederschlagsstationen).

Rostock: Groß Lüsewitz, Teterow (automatische Klimastationen), Baumgarten, Gersdorf, Parum (automatische Niederschlagsstationen), Altkalen-Granzow, Bernitt, Boitin, Graal-Müritz, Krakow am See, Laage, Oettelin, Plaaz, Satow-Reinshagen, Schwaan, Walkendorf (konventionelle Niederschlagsstationen).

Die Stationen in Boltenhagen und Warnemünde zählen zu den hauptamtlichen Stationen, die automatisiert laufen.

Was unterscheidet Klima- von Niederschlagsstationen?

Die Stationen sind unterschiedlich mit Sensoren ausgestattet. An den Niederschlagsstationen wird ausschließlich die gefallene Niederschlagsmenge und im Winter die Schneehöhe gemessen. Klimastationen messen zusätzlich Temperatur, Luftfeuchte und einige wenige Erdbodentemperaturen, Sonnenscheindauer sowie Windrichtung und Windgeschwindigkeit.

Sind alle Stationen inzwischen automatisch?

Es gibt sowohl automatische als auch konventionelle. Die drei Klimastationen in Kirchdorf auf Poel, in Groß Lüsewitz und in Teterow sind automatisiert. Von den 22 Niederschlagsstationen in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Rostock sind noch 16 konventionell. Hier wird die gemessene 24-stündige Niederschlagssumme und im Winter die Schneehöhe täglich in eine Eingabemaske im Internet eingegeben, so dass die Werte dem DWD zur Verfügung stehen.

Wie oft werden die Daten täglich an die Zentrale des Wetterdienstes in Offenbach übermittelt?

Von den automatischen Stationen werden die Daten halbstündlich abgerufen. Die konventionellen Stationen, welche am automatischen Meldedienst teilnehmen, melden einmal täglich. Einige wenige Schreiben noch Tabellen, die monatlich zur weiteren Bearbeitung an die jeweiligen regionalen Messnetzgruppen geschickt werden.

Unterscheidet die Technik zum Beispiel zwischen Regen und Schneefall oder meldet das der Wetterbeobachter?

An allen Stationen wird kein Wetterverlauf mehr beobachtet. Der Sensor für Wettererscheinungen unterscheidet die Niederschlagsereignisse wie Regen, Schnee, Sprühregen, Hagel, Graupel und so weiter.

Wird die Schneehöhe noch mit dem Zollstock gemessen?

An hauptamtlichen Stationen wird sie mittels Schneehöhensensoren automatisch gemessen. Die ehrenamtlichen Beobachter messen die Schneehöhe mit geeichten Schneepegeln.

Die Datenmenge wird für die Wettervorhersage genutzt. Wofür noch?

Alle an unseren Stationen gewonnenen Daten werden geprüft, in einer zentralen Datenbank gespeichert und stehen anschließend allen ex- und internen Kunden zur Verfügung. Die Daten werden unter anderem für Gutachten, Auskünfte und Forschungszwecke wie der Klimaveränderung verwendet.

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Über den Autor

Von Heiko Hoffmann

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