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Wismar Wismar: AfD strebt die Fraktionsstärke an
Mecklenburg Wismar Wismar: AfD strebt die Fraktionsstärke an
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14:01 21.05.2019
André Jortzik (51) will für die AfD in die Wismarer Bürgerschaft. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

André Jortzik (51) ist studierter Betriebswirt und Schriftsteller. Seit 2015 ist der Wismarer Mitglied der AfD.

Sie sind Gästeführer in Wismar und kommen bei Ihren Stadttouren mit vielen Leuten ins Gespräch. Wie ist deren Eindruck von Wismar und wie ist Ihrer?

Die meisten Besucher sind begeistert, vor allem davon, wie schön seit der Wende die Innenstadt hergerichtet wurde. Auch ich finde, Wismar hat sich gut entwickelt. Wir möchten diesen Weg fortsetzen. Dafür ist allerdings eine gute finanzielle Ausstattung nötig. Doch das neue Finanzausgleichsgesetz und die steigende Kreisumlage werden nach jetzigem Stand Wismar weniger Einnahmen bringen als bisher. Da muss das Land dringend nachbessern. Denn zu tun gibt es noch einiges.

Was denn?

Größere Probleme sehe ich in der Stadt nicht, aber einige kleine Baustellen gibt es – wie zum Beispiel den Nahverkehr.

Wann sind Sie denn das letzte Mal Bus gefahren?

Ich gebe zu, ich fahre vorwiegend Auto, Motorrad oder mit dem Fahrrad. Aber als vor vier Wochen mein Auto zum Tüv musste, nutzte ich den Bus zur Fahrt nach Gägelow und musste umsteigen – jedenfalls wurde es mir so empfohlen. Und das habe ich dann auch gemacht. Früher gab es mal eine Linie, die fuhr quer durch die Stadt bis nach Gägelow – und das richtig schnell. So etwas brauchen wir wieder. Denn einen besseren Nahverkehr wünschen sich viele Wismarer, das wird mir ständig gesagt. Erste Verbesserungen werden ja jetzt auch in Angriff genommen, deshalb sollten wir abwarten, wie sich das Ganze entwickelt und wie zufrieden die Einwohner damit sind.

Der Kreis ist in erster Linie für den Nahverkehr zuständig. Sollte Wismar trotzdem mehr Geld in den Nahverkehr stecken?

Der städtische Haushalt ist kein Fass ohne Boden. Man muss sorgsam mit dem Geld der Steuerzahler umgehen. Wenn ich Prioritäten setzen muss, ist mir ist der Nahverkehr aber wichtiger als beispielsweise der Sport. Zu viele, gerade ältere, Bürger sind auf den Bus angewiesen.

Treiben Sie keinen Sport?

Doch ich spiele Fußball. Und genau wie ich sind viele Wismarer im Breitensport aktiv und sportbegeistert. Deshalb ist es schade, dass sich die 1. Frauenmannschaft der TSG Wismar vorerst aus dem Leistungshandball verabschiedet hat und einen Neustart in der Mecklenburg-Vorpommern-Liga in Angriff nehmen will. Aber es war aus wirtschaftlicher Sicht die richtige Entscheidung. Auch die Stadt Wismar ist immer noch hoch verschuldet und kann sich nicht alles leisten, was sie gerne möchte. Trotzdem lässt sich mit einer vorausschauenden Planung einiges umsetzen, das ist in den vergangenen Jahren bewiesen worden. Und mit einer langfristig und gezielten Förderung gelingt es vielleicht auch, dass der Handball wieder in die richtige Bahnen gelenkt wird und dass noch einiges in den alten Hallen passiert. Das würde mich freuen. Denn Sport ist mir wichtig, aber eben nicht ganz so wichtig wie der öffentliche Nahverkehr.

Aus Perspektive der Bürger ist aber alles dringend.

Das weiß ich. Aber alles auf einmal ist nie möglich. Das wissen die Bürger auch. Und man kann nicht immer alles umsetzen, was man will. Bei den großen Projekten wie der Hochbrücke und der Poeler Straße sitzen auch das Land und die Bahn im Boot. Da sollte man in Hinblick auf die Kosten keine utopischen Forderungen stellen.

Sind Sie für eine fahrradfreie Fußgängerzone?

Nein – ich fahre auch in der Fußgängerzone mit dem Rad. Wenn viele Fußgänger dort unterwegs sind, steige ich natürlich ab. So sollte es sein. Gegenseitige Rücksichtnahme ist immer besser als ein Verbot.

Vielen jungen Leuten ist der Umweltschutz wichtig. Dafür gehen sie auch auf die Straße und demonstrieren. Wie finden Sie das?

Generell finde ich es gut, wenn sich junge Menschen engagieren. Das ist das eine tolle Sache, auch wenn es in der Schulzeit stattfindet. Doch in diesem Fall wird unterstellt, dass der Klimawandel alleine von Menschen verursacht wird, und der Klimawandel wird nur auf die CO2-Immission reduziert. Doch Klimawandel hat es schon immer gegeben. Die Schüler werden von Lobbyisten für deren Ziele ausgenutzt – von Umweltorganisationen oder denen, die eine Diesel- oder CO2-Steuer rechtfertigen wollen.

Aber Deutschland könnte eine Vorreiter-Rolle einnehmen.

Es nützt nichts, wenn einer vorreitet und keiner kommt nach. Ich glaube nicht, dass ein Staat in Mitteleuropa alleine den Klimawandel stoppen kann.

Man sollte also nichts machen?

Doch, man muss auf die Natur achten – und die vorhandene schützen. Die Stadt tut ja auch schon was: Bei Baumaßnahmen gibt es seit Jahren als Ersatz Ausgleichsmaßnahmen an einem anderen Ort. Ein wichtiges Projekt der kommenden Jahre ist die geplante Ausbaggerung der Fahrrinne in der Wismarbucht. Das müssen wir mit Augenmaß angehen.

Die Ausbaggerung ist wichtig für die Werft. Wie sehen Sie deren Entwicklung?

Sie ist im Moment phänomenal. Es ist ein gigantisches Investitionsvolumen, was der Genting-Konzern auf den Weg gebracht hat. Aber die Konkurrenz im niedersächsischen Pappenburg hat gezeigt, dass so ein Schiffbau erst nach dem 4. oder 5. Baulos rentabel wird. Hier in Wismar sind erst mal zwei Schiffe geplant. Das Projekt sorgt für eine gute wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt und im Umland. Ich hoffe, es bleibt auch langfristig dabei.

Was sollte in Wismar verbessert werden?

Die Sicherheit.

Was ängstigt denn die Wismarer?

Viele fürchten sich, nachts durch Wismar zu gehen. Mit persönlich geht es nicht so, aber es wird mir immer wieder gesagt.

Aber laut Polizei wird Wismar sicherer. 

Es gibt einen Unterschied zwischen realer und gefühlter Sicherheit. Das Sicherheitsgefühl der Bürger ist aus unserer Wahrnehmung heraus durchaus verbesserungsbedürftig.

Mit wie vielen Sitzen in der Bürgerschaft rechnen Sie?

Wir streben die Fraktionsstärke an.

Kerstin Schröder

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