Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Besserer Hochwasserschutz gefordert
Mecklenburg Wismar Besserer Hochwasserschutz gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:02 08.01.2019
Die Zufahrt zur Wismarer Fischereigenossenschaft ist in der vergangenen Woche überflutet gewesen. Das Wasser stand zwei Meter hoch im Erdgeschoss. Quelle: Kerstin Schröder
Anzeige
Wismar/Poel

Nach dem verheerenden Hochwasser in der vergangenen Woche fordern Anwohner und Fischer einen besseren Schutz des Wismarer Hafenbereiches. „Es muss etwas passieren“, sagt Ilona Schreiber von der Fischereigenossenschaft Wismarbucht. Der starke Wellenschlag hätte während der Sturmflut den Kutter „Steinadler“ derart heftig zum Schaukeln gebracht, dass beinahe sein Mast an der Kaikante gebrochen wäre. „Trotz Sicherung durch Leinen“, berichtet die Geschäftsführerin und ergänzt: „So geht das nicht weiter. Es muss etwas passieren.“ Zumal sich das nächste Hochwasser bereits im Anmarsch befindet: Den Prognosen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zufolge soll das Wasser in Wismar am Mittwochmittag um bis zu 1,30 Meter über Normalnull (5 Meter) ansteigen. Anwohner und Gäste werden gebeten, ihre Fahrzeuge aus den hochwassergefährdeten Bereichen wegzufahren.

Auch eine Bürgerinitiative fordert laut NDR einen besseren Hochwasserschutz der Altstadt als das bisherige Stapeln von Sandsäcken und schlägt ein Sperrwerk in der Wismarbucht vor. Das soll wie in Greifswald einen dauerhaften Schutz vor Überschwemmungen bieten. Ihre Idee: Es könnte an der Zufahrt zum Hafen, zwischen Seebrücke und dem Holzwerk von Egger, gebaut werden. Mit Planern, Behörden und Lokalpolitikern soll darüber nun diskutiert werden.

Die Wismarer Stadtverwaltung teilt auf OZ-Anfrage mit, dass solche Ideen in Schwerin vorgetragen werden müssen. Denn: „Der Hochwasserschutz liegt im Aufgabenbereich des Landes.“ Eine schnelle Lösung wäre ein Sperrwerk jedenfalls nicht: Von der Planung bis zur Fertigstellung hat es in Greifswald 20 Jahre gedauert. Der Kostenpunkt dort: 40 Millionen Euro. In Wismar müsste das Sperrwerk vermutlich um einiges breiter sein. Hinzu kommt: Was passiert mit dem Umland, wird das dann anstelle der Altstadt überschwemmt? Auch diese Frage müsste zuvor durch Gutachten geklärt werden.

Michael Glaser von der Fischereigenossenschaft zeigt Linken-Politikerin Simone Oldenburg die Schäden an der Kühlzelle. Quelle: Kerstin Schröder

Die Fischereigenossenschaft macht sich für einen Wellenbrecher im Hafenbereich stark und will dazu jetzt die Gespräche mit den zuständigen Behörden aufnehmen. Alleine der durch das Hochwasser vernichtete Fisch hat einen Schaden von 23 000 Euro verursacht. Hinzu kommen zwei kaputte Kühlzellen sowie Schäden an der Elektrik, im Gebäude und in der dazugehörigen Gaststätte „Kutterkaten“. Letztere muss vermutlich bis zum 8. Februar geschlossen bleiben – so lange dauern dort die Hochwasser-Reparaturen. Eine Versicherung gibt es für die Gebäude am tiefsten Punkt Wismars nicht. „Die Beiträge sind so hoch, die können wir uns nicht leisten“, so Schreiber. Mit einem Hochwasser von 1,50 Meter könne man auch umgehen, aber mit zwei Metern nicht. Da werde die Elektrik, die schon vorsorglich unter der Decke angebracht wurde, geschädigt. Auch eine Verlagerung der Kühlzellen vom Erdgeschoss in die erste Etage sei nicht möglich. „Das hält die Statik des denkmalgeschützten Gebäudes nicht aus“, berichtet Schreiber. Simone Oldenburg, Chefin der Linken im Landtag, hat sich gestern in der Fischereigenossenschaft umgeschaut. Auf Antrag ihrer Partei soll am Donnerstag im Agrarausschuss eine erste Bilanz der Hochwasser-Schäden präsentiert werden. „Außerdem soll es eine Diskussion geben, ob und wie man betroffene Betriebe sofort und unbürokratisch finanziell unterstützen kann“, kündigt Oldenburg an.

Große Schäden nach dem Hochwasser in Wismar

An schnelle Hilfe glaubt Ilona Schreiber nicht. Ihre Fischereigenossenschaft hat gestern das erste Mal nach dem Hochwasser wieder Dorsch und Hering angenommen. Dafür sind die Kühlzellen provisorisch repariert worden. „Wir können nicht warten, bis wir Unterstützung bekommen“, sagt sie. Vermutlich muss sie nun einen Bankkredit beantragen. Denn: „Der Betrieb muss weitergehen. Schließlich sind in der Genossenschaft 24 Fischer organisiert – zwölf im Haupt- und zwölf im Nebenerwerb“, ergänzt Schreiber.

Am Strand von Wismar-Wendorf sind Seegras-Massen angespült und die Spielgeräte freigepült worden. Quelle: privat

Das Hochwasser ist mit 1,91 Meter über dem Normalwert in der vergangenen Woche so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr gewesen. Es hat auch am Strand von Wismar-Wendorf erhebliche Schäden angerichtet. Die Spielgeräte wurden freigespült, der Sand mit Seegras überschwemmt. „Es ist so viel Seegras, dass wir das alleine nicht wegschaffen können“, sagt Tilo Gundlack von der Bürgerinitiative „Wismarer Strandbelebung“. Deren Mitglieder wollten gleich nach dem Hochwasser anpacken, doch sie sind an den Seegras-Massen gescheitert. Doch Hilfe scheint in Sicht – vom Entsorgungsbetrieb der Stadt, der Container zur Verfügung stellen will. „Und wir hoffen auf viele freiwillige Helfer, wenn die Aktion startet“, so Gundlack. Der Termin werde rechtzeitig bekannt gegeben. Für die Spielgeräte gebe es – wie bereits im vergangenen Jahr – 25 000 Euro aus dem Strategiefonds.  

Kerstin Schröder

Am Schwarzen Busch auf der Insel Poel sind die Dünen durch das Hochwasser um zu zehn Meter geschrumpft. Strandzugänge sind gesperrt worden.

07.01.2019
Wismar Zwischen Amsel und Birkenzeisig - 17 Vogelarten auf dem Wismarer Friedhof entdeckt

Spannend, so ein Spaziergang über den Wismarer Friedhof mit einem Vogelkundler, gespitzten Ohren und Blick nach Oben. Bei der Stunde der Wintervögel wurden dort 17 verschiedene Arten entdeckt.

07.01.2019

Bis 1,30 Meter höhere Wasserstände als normal: An der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern droht wenige Tage nach „Zeetje“ eine neue Sturmflut. In der Nacht zu Dienstag kommt „Benjamin“.

08.01.2019