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Wismar Tödlicher Radunfall: Bewegende Trauer um Mitschülerin in Wismar
Mecklenburg Wismar Tödlicher Radunfall: Bewegende Trauer um Mitschülerin in Wismar
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17:45 08.11.2019
Für die verstorbene Schülerin mit dem sonnigen Gemüt haben die Besucher des Gottesdienstes in St. Nikolai Kerzen angezündet und eine Sonne gebildet. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Mit einem zutiefst berührenden Gottesdienst in der Wismarer Nikolaikirche haben Schüler und Lehrer der Großen Stadtschule „Geschwister-Scholl-Gymnasium“ am Freitag ihrer verstorbenen Mitschülerin Susanna gedacht. Auch die Eltern, Geschwister, weitere Familienangehörige sowie Freunde und Bekannte waren gekommen. Etwa 500 Trauernde fanden sich in St. Nikolai ein.

Das 16-jährige Mädchen war am Montag auf dem Weg zur Schule mit einem Laster in der Wismarer Altstadt zusammengestoßen. Noch an der Unglücksstelle erlag es seinen Verletzungen. Mitschüler und Lehrer haben sich Gedanken gemacht, wie sie mit diesem Unglück und der Trauer umgehen.

Besucher spenden sich gegenseitig Trost

Beim Gottesdienst um 11 Uhr ist die Anteilnahme überwältigend. Viele Trauernde weinen ob des unfassbaren Verlustes. Trost spenden die Besucher einander mit Umarmungen und aufmunternden Worten.

Bewegende Worte findet Pastorin Antje Exner: „Wir suchen Trost, darum sind wir hier. Viel zu jung ist sie gewesen, als sie starb. Wir teilen das Entsetzen und die Traurigkeit so gut es geht.“ Die Pastorin beschreibt das Mädchen aus der 10. Klasse als fröhlich, mitreißend, mit viel Power und als einen Menschen, der sich nicht gedrückt hat, Verantwortung zu übernehmen.

Rund 500 Besucher, vor allem Schüler der Großen Stadtschule "Geschwister-Scholl-Gymnasium", nahmen am Gottesdienst in der Nikolaikirche teil. Quelle: Heiko Hoffmann

In der Kirche ist es mucksmäuschenstill. Ein Foto erinnert an Susanna. Nach dem Song „Tears in heaven“ von Eric Clapton erinnert Antje Exner daran, dass Susanna auch Sunny wegen ihres sonnigen Gemüts genannt wurde. Teelichter werden von allen Gästen des Gottesdienstes angezündet. Auf dem Fußboden entsteht eine große Sonne.

Mitschüler und Freunde finden die Kraft für persönliche Worte. Quelle: Heiko Hoffmann

Mitschüler und Freunde bringen die Kraft auf, mit persönlichen Worten und Liedern an das lebenslustige Mädchen zu erinnern. „Schon jetzt merkt man, dass ein wichtiger Teil unserer Klasse fehlt“, sagt ein Mädchen der 10 b. Es werden Anekdoten erzählt, die Schüler treffen dabei den Ton.

Enge Freunde aus der 12. Klasse sagen an die Familie gewandt: „Ihr wisst, dass wir immer für euch da sind.“ Einer berichtet, dass er erst durch Susanna die Angst überwunden habe, auf einem Pferd zu reiten.

Nach dem Rosenstolz-Lied „Gib mir Sonne“ richtet der Vater ergreifende Worte an die Trauernden. Der Montag war der „schrecklichste Tag in unserem Leben“. Susanna, der Sonnenschein, fehle der Familie. Der Vater dankt allen, die von ihr Abschied nehmen, besonders denen, die am Gottesdienst mitgewirkt haben und der Familie in diesen schweren Stunden helfen. Die Anteilnahme verleihe wieder ein Stück neue Hoffnung, „dass wir irgendwann in Gedanken an Susanna wieder fröhlich werden können“.

Unfall reißt Mädchen aus dem Leben

Das Mädchen war am Montag kurz vor 8 Uhr auf dem Weg zur Schule. Der Unfall hatte sich im Morgengrauen und bei Regenwetter in der Fußgängerzone ereignet. Die Ermittlungen zur Unfallursache sind noch nicht abgeschlossen.

Das Unglück hat in Wismar und Umgebung eine große Betroffenheit ausgelöst. Auf der Straße, in Leserkommentaren und in sozialen Netzwerken wird Anteil genommen. Es gibt aber auch Mutmaßungen und Diskussionen über Konsequenzen, die in den Tagen nach dem Unfall pietätlos wirken.

ADFC stellt weißes Rad nahe Unglücksort auf

An der Unglücksstelle an der Ecke Diebstraße/Altwismarstraße wurden als Zeichen der Anteilnahme zahlreiche Blumen und Kerzenlichter und persönlich verfasste Briefe abgelegt. Ein Foto erinnert an Susanna.

Der ADFC hat am Freitag an der Unglücksstelle ein weißes Fahrrad mit einem Plakat abgestellt. Es symbolisiert Trauer und appelliert zu mehr gegenseitiger Rücksicht. Quelle: Heiko Hoffmann

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub hat am Freitagnachmittag nahe der Unfallstelle ein weißes Fahrrad, ein sogenanntes Ghost Bike (Geisterrad), abgestellt.

„Mit der Mahnwache setzen wir ein Zeichen für mehr Sicherheit. Wir stellen das Geisterrad unabhängig von der Unfallursache und der Schuldfrage auf“, so Marie-Anne Schlaberg vom ADFC-Ortsverein Wismar. Sie appellierte an mehr gegenseitige Rücksichtnahme. „In Wismar ist es das erste und hoffentlich auch letzte weiße Rad.“

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Von Heiko Hoffmann

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