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Wismar Wismar: Circus Krone gewährt Blick hinter die Kulissen
Mecklenburg Wismar Wismar: Circus Krone gewährt Blick hinter die Kulissen
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13:49 06.09.2019
Edle Araber-Hengste bei der Probe. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Ein brauner Löwe und zwei weiße Löwinnen springen gegen die sie trennende Gitterwand ihrer Käfige hoch. Sie brüllen. Jetzt stimmen auch andere Artgenossen mit ein. Eine beeindruckende Klangkulisse. „Sie unterhalten sich“, erklärt Andreas Kielbassa, Medienbeauftragter im Circus Krone. Die lautstarke Löwen-Diskussion währt nur Sekunden. In einiger Entfernung ruft ein Mann den Raubtieren etwas zu. Sie verstummen. Der braune Löwe dreht seinen Kopf mit prächtiger Mähne in Richtung des Mannes. Er kommt auf die Gehege zu. „Stop it!“ fordert er und fragt: „What’s going on? (Was ist los?)“

Martin Lacey ist Tierlehrer und Ehemann der Zirkuschefin. Er geht ans Gitter und hebt seine Hände hoch. Eine braune Löwin springt hoch. „Oh, hello“, begrüßt er sie und tätschelt eine Tatze, streichelt das Tier am Hals. „Toll, wie er auf die einzelnen Charaktere eingeht“, sagt der Medienmann. Cleo, so der Name der Löwin, will schmusen.

Auszeichnung für den Tiertrainer

Der 42-Jährige ist mit Löwen und Tigern aufgewachsen. Seine Familie lebt und arbeitet seit Jahrzehnten mit Raubtieren und hat sich deren Schutz verschrieben. Für seine Arbeit ist der Tierlehrer mehrfach mit dem Goldenen Clown des Zirkusfestivals in Monte Carlo ausgezeichnet worden. Zuletzt in diesem Jahr mit „besonderer Auszeichnung“. „Das gab es noch nie in 43 Jahren Zirkusfestival“, berichtet Kielbassa. Das macht Martin Lacey zum weltbesten Tiertrainer.

Eine Stadt in der Stadt –Impressionen vom Circus Krone

Mit seinem Programm „Mandana – Zirkuskunst neu geträumt“, das Circus Krone bis Montag in Wismar zeigt, geht er neue Wege. Er erzählt die Geschichte von der Pferdeprinzessin Mandana, die den wilden Löwen-Prinz liebt. Es ist die persönliche Geschichte des jungen Direktoren-Ehepaars. Seit 2017 führt Jana Mandana Lacey-Krone mit ihrem Mann Martin Lacey den Zirkus. Die Geschichte verbindet die einzelnen Showteile – Artistik, Tierdarbietungen, Clownerie, Musik und Bühnenbild – miteinander. „Das Publikum erlebt harmonische Tiernummern statt lauter Dressur, Spannung und Atemlosigkeit ohne jeden reißerischen Effekt“, schildert Andreas Kielbassa.

260 Wohn- und Packwagen

Er führt über das Zirkusgelände auf dem Festplatz und lobt: „Schön, dass alles drauf passt. Meist sind die Plätze zu klein.“ 260 Wohn- und Packwagen führt Circus Krone mit sich. Das Zirkuszelt ist 22 Meter hoch und bietet 3000 gepolsterte Sitzplätze. Er ist der größte reisende Zirkus der Welt. Rund 200 Mitarbeiter gehören zum Unternehmen und hundert Tiere, darunter 40 Hengste und 26 Raubtiere. „Eine Stadt in der Stadt“, meint Kielbassa. „Wir brauchen nur Wasser und Zuschauer, alles andere haben wir dabei.“

Selbst eine Zirkusschule. Ein Lehrer unterrichtet vier Kinder und einen Vorschüler. Die Schule im Zirkus ist an eine am Stammsitz München angeschlossen, dorthin werden schriftliche Arbeiten geschickt und benotet. Ein Grund: Auch Alexis, Sohn der beiden Zirkus-Chefs, geht in die Schule und soll nicht bevorteilt werden.

Betriebsküche versorgt 160 Leute

Die Betriebsküche sorgt für drei Mahlzeiten am Tag für 160 Personen. Aufgrund ihrer Arbeits- und späten Auftrittszeiten würden die Artisten und Tiertrainer selbst kochen. Auch eine eigene Betriebsfeuerwehr gibt es, laut Kielbassa Vorschrift ab 1500 Personen. Gebrannt habe es aber noch nie, gerade mal ein Container stand in Flammen. Die Feuerwehrleute kommen meist nur zum Einsatz, wenn der Boden sehr staubig ist und benässt werden muss. Das Emblem auf der Uniform soll bei Sammlern sehr beliebt sein.

Sämtliche Tierställe gibt es in doppelter Ausführung. Die Hälfte steht jetzt schon in Uelzen, dem nächsten Gastspielort von Circus Krone. „So haben die Tiere nur die Reisezeit zu überstehen“, erklärt der Zirkussprecher. Er verweist darauf, dass Circus Krone der meist kontrollierte Tierhaltungsbetrieb in Deutschland sei. „Jede Woche, wenn wir in einer neuen Stadt gastieren, kommt der Amtstierarzt unangekündigt und kontrolliert.“ Zudem gibt es mit Frank Keller einen Tierschutzbeauftragten im Zirkus.

Noch sieben Vorstellungen

Hochrangige Artisten, die Besten ihres Fachs, verspricht Circus Krone, gestalten die Show „Mandana – Zirkuskunst nur geträumt“ mit.

Zwei Vorstellungen um 15.30 und um 19.30 Uhr sind am Freitag und am Sonnabend sowie am Sonntag um 14 und um 18 Uhr zu sehen. Am Montag, dem Abreisetag, gibt es nur um 15.30 Uhr eine Vorstellung.

Tickets in sechs Kategorien zwischen 19 und 55 Euro sind im OZ-Service-Center in der Mecklenburger Straße oder an der Zirkuskasse erhältlich. Reservierungen sind telefonisch unter 01805-247287 oder im Internet unter www.circus-krone.de möglich.

Gestern Vormittag nutzten Interessierte das Angebot, hinter die Kulissen des Zirkus zu schauen, die Tiere im Zoo zu besuchen und Pferde bei der Probe zu erleben. Unter den Besuchern war auch Tagesmutti Dietlind Sommerfeld mit ihren drei Schützlingen und Ehemann Rainer. „Wir laden am Premierentag immer alle Schulklassen und Kindergartengruppen zum besonderen Biologie-Unterricht ein“, informiert Andreas Kielbassa.

Ein Tiger im OZ-Haus

Zirkusleute lassen sich einiges einfallen, um die Vorstellungen zu bewerben. Kartenverlosungen gehören dazu. Zu einer ganz besonderen hatte sich ein Zirkus bei der OSTSEE-ZEITUNG angemeldet. Es müsste 1996 gewesen sein, vermutlich war es Berolina. Die OZ hatte damals ihren Sitz in der Bauhofstraße am Lindengarten. Das schmale Haus hatte später einen Glasanbau für das Treppenhaus bekommen.

Die Aufregung unter den Kollegen war groß. Der Zirkus hatte sich mit Direktor, zwei Dompteuren – und Tiger angekündigt. Im Eingangsbereich war auch der Raubkatze die Aufregung anzumerken. Wie zum Sprung ging das Tier, das der Zirkusdirektor an einer Kette hielt, in die Knie. Der Dompteur ging beruhigend auf den Tiger ein.Die Redaktion befand sich unter dem Dach. So ging es vier Etagen nach oben. Zwei Redakteure standen im hinteren Bereich des Raumes. Im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rücken zur Wand.

Alle waren gespannt und aufgeregt. Dann kam der spannendste Moment: Der Tiger sprang auf Geheiß des Dompteurs auf einen Tisch. Für das Foto hielt der Dompteur die Freikarten in die Höhe, der Tiger hob eine Pfote und blickte seelenruhig zu den Tickets. Puh, das Foto war im Kasten, die Anspannung blieb. Die legte sich erst, als die Raubkatze den Raum und dann das Haus verließ. Erzählt wird über das Erlebnis bis heute. Heiko Hoffmann

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Von Haike Werfel

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