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Wismar Wismar: Die Grünen wollen eine Prioritätenliste erstellen
Mecklenburg Wismar Wismar: Die Grünen wollen eine Prioritätenliste erstellen
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13:45 21.05.2019
Tino Schwarzrock von den Grünen ist gerne am Wismarer Hafen unterwegs. Quelle: Duncan Ó Ceallaigh
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Wismar

 Tino Schwarzrock (35) ist selbstständiger Finanz- und Versicherungsmakler und rechtlicher Betreuer. Außerdem arbeitet er 20 Stunden in der Woche in einer Sozialberatungsstelle für erwachsene Zuwanderer.

Sie sitzen im Aufsichtsrat von Nahbus. Sind Sie zufrieden mit dem Nahverkehr?

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Im Landkreis ja. Ich habe seit Jahren ein Monatsabo für das Gesamtnetz und fahre drei- bis viermal in der Woche Bus. Das Auto nehme ich nur, wenn ich enge Termine habe wie zum Beispiel Ausschusssitzungen und ich es nicht rechtzeitig von Schwerin nach Wismar schaffen würde. In Wismar fahre ich in der Tat weniger Bus. Da muss wirklich etwas passieren. Aber wir haben jetzt eine Potenzialanalyse auf dem Tisch liegen, mit der wir erste Verbesserungen angeschoben haben. Ob die Variante, für die sich die Verwaltung positioniert hat, am Ende die richtige ist, wird sich zeigen. Die Diskussion hat ja gerade erst begonnen und auch die Bürgerbeteiligung mit der Online-Umfrage läuft. Die Hinweise, die wir da bekommen, müssen wir ernst nehmen, damit wir am Ende ein tragfähiges Konzept bekommen.

Wie kann das gelingen?

Klar ist: Der Kreis hat Nahbus beauftragt, einen Basisverkehr in Wismar zu organisieren. Da macht das Unternehmen bereits jetzt schon einiges mehr. Soll es weitere Verbesserungen geben, wird der Kreis irgendwann sagen: Dann müsst ihr was dazugeben. Diese Diskussion werden wir bekommen. Und dann wird es schwierig, insbesondere durch die Situation, die uns das Finanzausgleichsgesetz beschert hat. Hinzu kommt eine höhere Kreisumlagebelastung. Das schlägt ganz schön ins Kontor. Deshalb werden wir in Zukunft mehr darüber diskutieren müssen, was uns wichtig ist. Wir müssen mehr Prioritäten setzen, denn für alles ist schlichtweg kein Geld da. Und in diesen Prozess müssen die Wismarer miteinbezogen werden.

Sie fordern seit Langem mehr Bürgerbeteiligung. Wollen das die Wismarer denn auch?

Da wir das Thema immer wieder spielen, werden wir natürlich darauf angesprochen. Zurzeit sieht die Beteiligung so aus, dass die Bürgerschaft eine Grundsatzentscheidung trifft, wie ein bestimmtes Gebiet entwickelt werden soll. Von der erfährt der Bürger aber erst, wenn die Unterlagen ausgelegt werden. Und in der Bürgerschaft heißt es dann danach oft: Wer A sagt, muss auch B sagen. Da steckt eine Art Automatismus drin. Man sollte im Vorfeld die Einwohner fragen, was sie wollen. Das hätte man auch beim Thema Hochbrücke machen können.

In der Diskussion um die Hochbrücke spielt auch Geld eine Rolle.

Alles ist eine Geldfrage, auch das Thema Sport. Natürlich müssen wir unsere Sportstätten besser instand setzen und neue Möglichkeiten schaffen. Aber auch das wird teuer – genau wie der Nahverkehr. Deshalb müssen wir eine Prioritätenliste erstellen. Das wird eine unschöne Diskussion, aber an ihr werden wir nicht vorbeikommen. Bislang wird in Wismar vieles nicht langfristig gedacht. Das zeigt zum Beispiel der Bau der Markthalle. Da ist der Zins, den die Stadt bezahlt, höher als die Pacht, die sie einnimmt. Solche Fehler dürfen wir nicht mehr machen.

Wie finden Sie die Schülerdemos für einen besseren Klimaschutz?

Gut. Die Schüler beweisen damit, dass sie sich mit ihrer Zukunft auseinandersetzen und keine Lust haben, sich diese von älteren Männern und Frauen vorschreiben lassen. Ihnen zu sagen, sie sollen lieber zur Schule gehen, ist eine vorgeschobene Debatte, mit der die Aktion abgewürgt werden soll. Erwachsene gehen ja auch in der Arbeitszeit streiken, das ist ja gerade der Sinn.

Wie könnte Wismar grüner werden?

Bei Bepflanzungen und Fahrradwegen gibt es Nachholbedarf. Auch bei der Entwicklung des Alten Hafens hat es viel Potenzial gegeben. Da hätte man größeren Wert auf die maritimen Traditionen legen sollen – mit Segel- und Traditionsschiffen. Das hätte ich besser gefunden. Was die Kreuzfahrt angeht, bin ich nach wie vor skeptisch.

Kreuzfahrtschiffe legen aber nicht nur an, sondern werden jetzt auch in Wismar gebaut. Wie finden Sie das?

Der Werftinvestor ist ein echter Glücksfall. Das kann man auch als Grüner nicht anders sehen. Klar gehen damit auch Beeinträchtigungen einher wie die Fahrrinnenvertiefung in der Wismarbucht. Aber das sind bundesweite Verfahren, die die Bürgerschaft nicht beeinflussen kann. Andere Sachen kann sie beeinflussen. In Wendorf ist ein Luxuswohngebiet im Küstenschutzwald gebaut worden. Viele Bäume wurden dafür gefällt. Das haben wir kritisch begleitet – aber mit zwei Leuten kann man da nicht viel erreichen. Da ist man nur der kleine Stachel, der ein bisschen pikst. Dann wird sich einfach auf die andere Poseite gesetzt, dann pikt er nicht mehr.

Was sollte dringend in Angriff genommen werden?

Was mich wirklich nervt, ist, dass wir es nicht geschafft haben, den touristischen Parksuchverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Es passiert zu oft, dass Wohnmobile ihre Runden um den Marktplatz drehen. Touristische Verkehre gehören nicht in die Altstadt. Es könnte ein Shuttleverkehr eingerichtet werden, den wir mit Parkgebühren finanzieren. Außerdem ist es für Touristen nicht schlimm, ihren Wismar-Rundgang im Hafen anzufangen und dann in die Altstadt zu gehen. Stattdessen wird Anwohnern gesagt, sie könnten am Westhafen parken oder am Weidendamm. Das kann nicht sein. Diejenigen, die in der Stadt zur Bank oder zum Bäcker wollen, dürfen vorfahren, aber die Anwohner sollen 10 bis 15 Minuten mit ihren Einkäufen nach Hause laufen.

Mit wie vielen Sitzen in der Bürgerschaft rechnen Sie?

Beim letzten Wahlkampf gab es das Ziel: eine eigene Fraktion plus x. Das wären drei. Das ist auch jetzt das Minimumziel. Eine Fraktion mit vier Leuten wäre schon toll.

Kerstin Schröder

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