Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Wismar: Feuerschiff zieht viele Besucher an
Mecklenburg Wismar Wismar: Feuerschiff zieht viele Besucher an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:46 07.07.2019
Das Feuerschiff „Elbe 1“ hat in Wismar festgemacht. Quelle: Kerstin Schröder
Anzeige
Wismar

Klick, klick, klick – Detlef Peters zählt die Besucher an Bord der „Elbe 1“. Für jeden Seemann auf Zeit drückt er auf ein kleines Gerät in seiner Hand. „Es sind schon 78 Gäste in zwei Stunden gewesen“, sagt er stolz. Das Interesse am schwimmenden, roten Leuchtturm ist groß. Denn nur an einem Tag lässt das historische Feuerschiff im Wismarer Hafen Neugierige an Bord.

Detlef Peters ist seit drei Jahren Mitglied im Cuxhavener Verein, der sich um den Erhalt des Museumsschiffes kümmert. „Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben“, erklärt der 68-Jährige. Als Eigner eines alten Traditionsseglers – der ,Elisabeth von Emerik“ – könne er einiges Wissenswertes beisteuern. In Wismar sorgt der Niedersachse aber erstmal für gute Laune und begrüßt die Gäste, die an Bord kommen. „Viele denken, ein Feuerschiff sei so etwas wie eine Feuerwehr auf dem Wasser – auch weil es rot ist“, berichtet der zweite Vereinsvorsitzende Eberhard Hewicker. Doch die „Elbe 1“, die früher „Bürgermeister O’swald II“ hieß, ist 40 Jahre lang ein schwimmendes Seezeichen gewesen. Und als solches hat es anderen Schiffen den sicheren Weg durch die Sandbänke in die Elbmündung gewiesen – und wieder zurück.

Feuerschiff in Wismar

Feuerschiff ist gerade auf Ostseetour

Jetzt fährt es umher – zurzeit ist das Schiff auf Ostseetour. Von Cuxhaven nach Kiel, Wismar, Warnemünde und Flensburg. Die zwölf Kojen an Bord sind alle belegt – von Leuten, die auf dem Wasser Urlaub machen wollen. Hinzu kommen zahlreichen Passagiere, die nur für eine Station aufsteigen – die morgens anheuern und abends wieder an Land gehen. „Mit diesen Touren sammeln wir Geld für Reparaturen und den Betrieb des Schiffes“, erklärt Eberhard Hewicker. Er ist der Steuermann und begrüßt auf der Brücke gerade Andreas Schmidt mit Tochter Lilith (8). Die Urlauber aus Rheinland-Pfalz verbringen ihre Ferien in Kühlungsborn und haben einen Tagesausflug nach Wismar unternommen. „Wir sind gerne auf Schiffen, haben auch schon einige Kreuzfahrten gemacht“, erzählen sie. Das Feuerschiff gefällt ihnen – und natürlich gehört ein Erinnerungsfoto am Steuerrad dazu. „Das ist nur Dekoration, gesteuert wird auch bei uns mittlerweile per Joystick“, erklärt Hewicker.

Hans Bullemer (78) hat früher als Funktechniker gearbeitet. Der Wismarer ist mit seinem Enkel Elias (6) an Bord gekommen. Beide teilen eine Leidenschaft. „Wir lieben Schiffe“, sagt der Junge aus Berlin. Vor einigen Tagen habe er Dierhagen am Ruder eines Zeesbootes gesessen, später möchte er vielleicht Matrose oder Offizier werden. „Am liebsten bin ich in den Maschinenräumen“, ergänzt er.

Funker sind wegrationalisiert worden

Opa und Enkel passieren die Kombüse, in der gerade ein Koch Petersilie zerschnippelt. Auf dem Herd stehen große, silberne Töpfe. „Es gibt wohl Linsensuppe“, vermutet Hans Bullemer. Eine Bestätigung bekommt er nicht, der Smutje ist vertieft in seine Arbeit.

Einige Meter weiter den Gang hinunter befindet sich der Funkraum. Leider ohne Crewmitglied. Gerne hätte sich Hans Bullemer mit einem Funker unterhalten, nun kann er sich nur die Technik anschauen. Bis 1982 haben in dem Raum Funker rund um die Uhr Wache und die Verbindung zur Außenwelt gehalten. Doch mit der Einführung des UKW-Seesprechfunks sind sie entbehrlich und wegrationalisiert worden.

Der Weg ist für die rote Lady das Ziel

Mehr als 50 Mal ist die „Bürgermeister O’swald II“ in ihrer Dienstzeit von anderen Fahrzeugen gerammt worden. Damit ist sie das am häufigsten gerammte Feuerschiff Europas. Außerdem hat es einen Raum, in den sich früher Schiffbrüchige retten konnten. Doch der ist nie benötigt worden. In Schuss gehalten wird das Museumsschiff, das liebevoll auch „Rote Lady“ genannt wird, vor allem von Ruheständlern und einigen Berufstätigen, die ihren Urlaub opfern. Sie stechen im Sommer auch mit Gästen zu Tagestouren von Cuxhaven nach Helgoland, zu Deutschlands einziger Hochseeinsel, in See – aber nur bei besten Seemannswetter. „Denn wir sind nur schwach motorisiert und der Weg ist das Ziel“, erklärt Steuermann Hewicker. Er freut sich, wenn die Besucher in Wismar viele Fragen stellen. „Das zeigt, sie sind wirklich an dem Schiff interessiert“, ergänzt er.  

Mehr Infos:

Hafenfest Wismar: Schunkeln und Schiffe gucken

Streife mit Bugschuss: Unterwegs mit der Wasserschutzpolizei

Wismar: MV Werften plant neue Unterkunft für Arbeiter

Kerstin Schröder

Ein Handwerker aus Naschendorf (Nordwestmecklenburg) streitet sich mit dem HSV vor dem Amtsgericht Wismar. Es geht um eine Fan-Terrasse im HSV-Look in Niendorf (Timmendorfer Strand).

07.07.2019

Am Markt, wo es im April 2018 ein verheerendes Feuer gab, hat es wieder gebrannt. Vermutlich handelt es sich um Brandstiftung. Ein Zeuge soll beobachtet haben, wie ein Mann über ein Baugerüst ins Haus kletterte.

07.07.2019

Um krebskranke Kinder und Erwachsene finanziell zu unterstützen, gibt es jeden Sommer ein Wochenende in Dorf Mecklenburg, bei dem Tätowierer arbeiten und ihren Lohn spenden. Die Kunden stehen auch in diesem Jahr wieder Schlange.

07.07.2019