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Wismar Wismar: Graffiti an ein Jahrhundert altes Haus gesprüht
Mecklenburg Wismar Wismar: Graffiti an ein Jahrhundert altes Haus gesprüht
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23:07 30.07.2019
Bewohner Heinz-Jürgen Sill (79) ärgert sich über die Schmierereien an der Fassade des denkmalgeschützten Hauses am Spiegelberg. Quelle: Kerstin Schröder
Wismar

Heinz-Jürgen Sill ist stolz auf das Haus, in dem er wohnt. Denn das Gebäude in der Nähe des Wismarer Wassertors ist ein beliebtes Fotomotiv – wegen seiner Fassade. An der stehen im oberen Bereich Namen von Schiffsausrüstungsgegenständen, auch einige Kuriositäten wie „Persennige“ und „Causchen“. Seit Freitag vergangener Woche ist an der Gebäudehülle unter den Fenstern im Erdgeschoss aber noch etwas anderes zu sehen: zwei große orangefarbene Graffiti. Ob die etwas bedeuten sollen, weiß der 79-Jährige nicht. Aber: „Als ich sie entdeckte, habe ich einen halben Herzinfarkt bekommen“, erzählt er. Die Schmierereien würden das von ihm so geliebte Haus verschandeln. Was ihn außerdem etwas ärgert, ist, dass er nichts mitbekommen hat – obwohl sein Bett am Fenster steht.

Bewohner hofft auf Zeugenhinweise

Die Polizei sei innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen, berichtet Hans-Jürgen. Große Hoffnungen, den oder die Täter zu fassen, hätten ihm die Gesetzeshüter aber nicht gemacht. Dafür müsste man die Sprayer auf frischer Tat ertappen oder Zeugenhinweise bekommen. Deshalb wendet sich der Wismarer mit seinem Fall jetzt an die Öffentlichkeit – in der Hoffnung, dass sich jemand meldet, der in der Nacht von 25. zum 26. Juli am Spiegelberg 58 etwas beobachtet hat.

Graffiti-Schmierereien in Wismar

Gebäude steht unter Denkmalschutz

Ursprünglich stammt Heinz-Jürgen Sill aus Sternberg in Mecklenburg. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in den alten Bundesländern verbracht. Nach dem Tod seiner Frau, die kurz vor der Goldenen Hochzeit starb, zieht es ihn zurück in die heimische Region – nach Wismar. Seit zwei Jahren wohnt der Rentner nun im Haus und freut sich über die vielen Menschen, die dort stehen bleiben und die Fassade bewundern. Um sie wieder in einen schönen Zustand zu bekommen, muss Spezialfarbe angerührt werden. Grund: Das aus dem Jahr 1904 stammende Gebäude, in dem früher eine Segeltuchmacherei ihren Firmensitz hatte, steht unter Denkmalschutz. Das bedeutet, wie Fassade, Fenster und Türen auszusehen haben, muss mit dem Denkmalamt abgestimmt sein.

Heinz-Jürgen Sill vermutet, dass sich der oder die Sprayer das Gebäude gezielt ausgesucht haben, weil es so beliebt ist und die Graffitis mehr Aufmerksamkeit erregen. Die sind in ähnlicher kleiner Form auch noch an die Tür gemalt worden – mit weißer Farbe. Der Rentner will alle Schmierereien so schnell wie möglich entfernen lassen. Trotzdem bleibt „ein ungutes, mulmiges Gefühl, dass es vielleicht wieder passiert“.

Weitere Fälle in den vergangenen Tagen

60 Fälle dieser Art von Sachbeschädigung sind bei der Polizei in diesem Jahr bereits eingegangen – aus dem Bereich von Neukloster über Poel und Wismar bis Gägelow und Bad Kleinen. Fünf Vorfälle hat es in den zurückliegenden Tagen in Wismar gegeben. Unter anderem ist eine Hauswand mit mehreren Schriftzügen in schwarzer Farbe beschmiert und dem Fußballclub FC Hansa Rostock gehuldigt worden. Die Aufklärungsquote liegt bei diesen Delikten zwischen 15 und 20 Prozent.

Die restaurierten Inschriften an der Hausfassade am Spiegelberg reichen von bekannten Begriffen wie „Haken“, „Tauwerk“ und „Flaggen“ bis hin zu „Persennige“ und „Causchen“. Mit Letzterem sind Stahl- oder Messing-Ösen gemeint. „Persinnige“ bedeutet „wasserdichte Segeltücher“.

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Kerstin Schröder

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