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Wismar Wismar: Hier bekommen Menschen in sozialen Notlagen Mittag für wenig Geld
Mecklenburg Wismar

Wismar: Hier bekommen Menschen in sozialen Notlagen Mittag für wenig Geld

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07:01 23.10.2020
Die Gäste sind froh, dass die Mitarbeitenden auch in Zeiten von Corona ein leckeres Essen kochen – und sie sich untereinander austauschen können. Quelle: Diakoniewerk
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Wismar

Im „Treffpunkt Stadtmitte“ ist alles anders – und doch genauso wie früher. Vier Monate war die Einrichtung des Diakoniewerks im nördlichen Mecklenburg wegen Corona geschlossen. Seit Mitte Juli ist sie für Menschen in sozialen Notlagen wieder die vertraute Anlaufstelle in Wismar. Wegen der Corona-Auflagen ist der Betrieb ab dem frühen Morgen zwar noch nicht wieder möglich. Aber die Menschen bekommen wochentags wieder ein warmes Mittagessen für wenig Geld.

Nicht mehr als sechs Gäste

Am Eingang vom Treffpunkt Stadtmitte: Leiterin Petra Wendt Quelle: Diaknoeiwerk

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Von 11 bis 12.30 Uhr herrscht nun wieder Betrieb – mit entsprechend großem Abstand zueinander. Mehr als sechs Gäste dürfen sich nicht zeitgleich in den Räumlichkeiten in der Mecklenburger Straße 31 aufhalten. Auch die Händehygiene und das Tragen von Masken gehören hier mittlerweile zum Alltag. Genauso wie die Trennwände an der Essensausgabe.

„Die Einschränkungen nehmen alle gerne in Kauf. Wir sind einfach froh, dass es hier weitergeht. Während der Schließung riefen die Gäste immer wieder an und fragten, wann sie wiederkommen dürfen“, sagt Petra Wendt, Leiterin des „Treffpunkts Stadtmitte“.

Viele Stammgäste dabei

Als im Sommer dann klar war, dass unter Corona-Auflagen wieder geöffnet werden kann, sprach sich das wie ein Lauffeuer bei den Stammgästen herum. Kein Wunder: Denn bei dem niedrigschwelligen Angebot geht es um mehr als nur ein Mittagessen. „Hier können sich die Gäste untereinander und mit uns austauschen – in einer warmen Atmosphäre.“ Die meisten Frauen und Männer, die herkommen, sind alleinstehende Hartz-IV-Empfänger. Manche sind obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht. Auch Alkoholsucht spielt bei einigen eine Rolle.

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Kein Ausweis, keine Wohnung

Viele Gäste kommen schon seit Jahren her. So wie Peter Bobach* (alle Namen der Gäste geändert). Für den 71-Jährigen gehört der Gang zum Treffpunkt wieder fest zu seinem Alltag: „Ich habe das sehr vermisst und war gleich am ersten Tag der Wiedereröffnung wieder da.“ Am Tisch sitzt auch Marko Decker*, ebenfalls Stammgast. „Ich freue mich immer über das Essen, den Plausch mit den Mitarbeiterinnen und den anderen Gästen. Wir kennen uns alle – und sprechen über dies und das, die Stimmung ist einfach gut“, sagt der 55-Jährige. Auch Christoph Maler* hat Platz genommen. Der 45-Jährige kennt den Treffpunkt erst seit Kurzem. Er lebte lange in Spanien, kam nun zurück nach Deutschland. „Ich habe keinen Ausweis und keine Wohnung – und lebe zurzeit in meinem Auto.“ Im Treffpunkt hat auch er eine erste Anlaufstelle gefunden.

Frühstück nicht möglich

Auch wenn das Angebot nicht – wie vor Corona – mit dem Frühstück beginnt und die Gäste anschließend nicht Karten spielen und in der Küche helfen können, gilt weiterhin: „Der Treffpunkt Stadtmitte steht für jeden offen. Wir hören zu, beraten und vermitteln auch unkompliziert weiterführende Hilfen“, sagt Petra Wendt. So ist also alles anders im „Treffpunkt Stadtmitte“ – und doch genauso wie früher.

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Von OZ