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Wismar Kabinenbauer stellen neue Mitarbeiter ein
Mecklenburg Wismar Kabinenbauer stellen neue Mitarbeiter ein
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14:37 29.01.2019
Geschäftsführer Volker Asmus erklärt Martin Zientek und Mario Falkenhagen (v. r.) in der Produktionshalle, wie die Arbeit am Fließband funktioniert. Mit dabei ist der zweite Geschäftsführer Johannes Gößler.
Geschäftsführer Volker Asmus erklärt Martin Zientek und Mario Falkenhagen (v. r.) in der Produktionshalle, wie die Arbeit am Fließband funktioniert. Mit dabei ist der zweite Geschäftsführer Johannes Gößler. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

Mario Falkenhagen hat viele Jahre im Sägewerk gearbeitet. Jetzt orientiert er sich nochmal neu. In ein paar Monaten wird der 56-Jährige Kabinenbauer in Wismar. Dafür lässt er sich gerade weiterbilden. Im Mai, wenn die Maßnahme beendet ist, bekommt der Neuburger als Abschluss einen unterschrieben Arbeitsvertrag. Die Aussicht auf einen festen Job in der Region habe ihn überzeugt, trotz fortgeschrittenem Alter beruflich noch einmal einen Neustart zu wagen.

Im Gewerbegebiet Dammhusen werden die Schiffskabinen gefertigt. Eine neue Lagerhalle entsteht gerade. Quelle: MV Werften

„Ich habe das Angebot bekommen und zugegriffen“, erzählt er. Zugegriffen hat auch Martin Zientek. Der ehemalige Fassadenbauer aus Wismar gehört ebenfalls zur ersten Gruppe, die extra für die MV Werften Fertigmodule Wismar GmbH ausgebildet wird. Das Schwesterunternehmen der Werft stellt Kabinen für die neuen Kreuzfahrtschiffe her, die in den kommenden Jahren in Wismar, Rostock und Stralsund gebaut werden. Ab Mai sollen Mario Falkenhagen und Martin Zientek daran mitarbeiten. In welchem Bereich die Männer genau eingesetzt werden, ist noch nicht entschieden. „Das kann in der Produktion sein oder auch im Lager“, berichtet Zientek.

Der Wismarer ist im vergangenen Jahr nur wenige Monate auf der Suche nach Arbeit gewesen, als er das Angebot für die Weiterbildung von der Agentur für Arbeit bekommen hat. Mario Falkenhagen war noch kürzer ohne Job – gerade einmal zwei Wochen. Seit November drücken beide wieder die Schulbank gemeinsam mit sechs weiteren Männern und einer Frau.

Produktion wird erhöht

Nach einem investitionsreichen 2018 liegt der Fokus von MV Werften in diesem Jahr auf der Schiffsproduktion. Geplant ist neben der Überführung des mehr als 200 Meter langen „Global“-Mittschiffs von Rostock nach Wismar die Kiellegung des zweiten, nach Passagierzahl größten Kreuzliners der Welt. Die neue Schiffsklasse wird als erste in der Seefahrt-Geschichte für mehr als 10000 Menschen gebaut – für bis zu 9500 Passagiere und 2500 Besatzungsmitglieder. Auf die zurzeit größten Kreuzfahrtschiffe der „Oasis“-Klasse der Reederei Royal Caribbean International passen bis zu 9000 Menschen.

Die Kiellegung des zweiten Schiffes mit einer Länge von 342 Metern und einer Breite von 46 Metern ist an den Standorten Wismar und Rostock geplant. Auch die Kabinenherstellung, die ein eigens dafür gegründetes Schwesterunternehmen der Werft übernimmt, erhöht die Produktion: Die MV Werften Fertigmodule GmbH mit Sitz in Wismar will 2019 die 1000. Kreuzfahrerunterkunft von ihrem riesigen Fließband liefern.

Da es den Beruf Kabinenbauer offiziell nicht gibt, werden die Teilnehmer in verschiedenen Branchen weitergebildet – im Elektrik-, Holz- und Schlosserbereich. „Die wichtigste Voraussetzung ist handwerkliches Geschick“, berichten die Geschäftsführer von der MV Werften Fertigmodule GmbH, Johannes Gößler und Volker Asmus. Zurzeit haben sie etwas über 100 Mitarbeiter, zwischen 180 und 210 sollen es werden, wenn pro Jahr zwei Schiffe mit Kabinen beliefert werden. Die ersten sogenannten Module hat das Unternehmen bereits im neuen Werften-Hotel eingebaut, das Ende des Jahres im Wismarer Hafenbereich eröffnet wird. Die ersten Kabinen für die Kreuzfahrtschiffe der Global Class sollen im März zur Rostocker Werft geliefert werden. Langfristig ist geplant, pro Jahr 3500 Kabinen in Wismar zu produzieren.

Eine Kabine besteht aus 275 Komponenten. Die Teile werden in Stadtteil Dammhusen auf einem riesigen Fließband zusammengebaut. Das haben Martin Zientek und Mario Falkenhagen jetzt zum ersten Mal gesehen. Und sie sind beeindruckt. „Das ist hier alles ganz schön groß“, sagen die Männer. Ihre künftigen Chefs dürfen sie bereits duzen. „Das ist bei uns so üblich“, sagt Johannes Gößler, als er Martin Zientek nach einem Werksbesuch verabschiedet. Der Wismarer schaut ihn überrascht mit großen Augen an und lacht.

Blick in eine Musterkabine Quelle: Dietmar Lilienthal

„Wir wollen keine Leute von anderen Betrieben abwerben“, betont Gößler. Die Werft sei auf gute Zulieferer angewiesen. Deshalb werde qualifiziertes Personal angelernt. „Wir geben Frauen und Männern, die keine Arbeit haben, eine Chance“, ergänzt Volker Asmus. Ziel sei es, die neuen Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden. Ende 2017 haben die beiden Firmenchefs deshalb mit der Agentur für Arbeit Schwerin und dem Jobcenter Nordwestmecklenburg eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Und nach dem Erfolg der ersten Maßnahme soll schon bald die zweite beginnen. „Die Arbeit ist auch für Frauen und Alleinerziehende geeignet“, rührt Margit Haupt-Koopman die Werbetrommel. Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit freut sich über die gelungene Zusammenarbeit und berichtet, dass um die 20 Interessenten an der nächsten Weiterbildung teilnehmen können. Insgesamt seien in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr 8000 Arbeitslose weitergebildet worden. „Jedem, der sich qualifizieren möchte, können wir ein Angebot machen“, betont sie.

Für die Weiterbildung als Kabinenbauer stellt die MV Werften Fertigmodule GmbH Materialien bereit und Mitarbeiter, die den potenziellen neuen Kollegen erklären, wie man die zu einer Kabine zusammenbaut. Gearbeitet wird in Dammhusen in einer Schicht. „Wenn viele Kabinen innerhalb kürzester Zeit benötigt werden, können es auch mal zwei Schichten sein“, berichtet Johannes Gößler. Er wird Martin Zientek, Mario Falkenhagen und die anderen neuen Mitarbeiter demnächst öfter sehen – während eines mehrwöchigen Praktikums. Danach, nach insgesamt sechsmonatiger Weiterbildung, gibt es dann das Abschlusszeugnis als Fertigungs- und Elektrofachkraft im Kabinenbau. „Und einen Arbeitsvertrag“, betont Gößler. Vor allem Tischler, Schlosser, Elektriker sowie Installateure für den Sanitärbereich haben er und Volker Asmus in den vergangenen Monaten eingestellt. Außerdem werden Mitarbeiter für Lager und Logistik gesucht. Damit die Mitarbeiter sich wohl fühlen und lange bleiben, wird einiges geboten: Die Produktionshalle ist klimatisiert und beheizbar, die LED-Lampen sollen das Tageslicht imitieren. Es gibt ausreichend Parkplätze, eine Kantine und später soll noch ein Volleyballplatz hinzukommen.

Kerstin Schröder