Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Wismar: Linke wollen nach 30 Jahren einen Wandel
Mecklenburg Wismar Wismar: Linke wollen nach 30 Jahren einen Wandel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 21.05.2019
Horst Krumpen mit seiner Hündin Sunny. Er will mit einer starken Fraktion der Partei Die Linke am 26. Mai in die Wismarer Bürgerschaft gewählt werden. Quelle: Michaela Krohn
Anzeige
Wismar

Horst Krumpen (52) tritt als einer von 16 Kandidaten für die Partei Die Linke zur Wismarer Bürgerschaftswahl an.

Herr Krumpen, wird die Bürgerschaft mit Ihnen schlagkräftiger?

Das ist eine gute Frage, aber mal abgesehen davon, dass der Witz schon abgedroschen ist, glaube ich nicht, dass die Bürgerschaft mit einer Person schlagkräftiger wird. Ich glaube einfach, dass meine Akzente etwas andere sind als die der bisherigen Bürgerschaftsmitglieder. Auch ein Wechsel der Personen ist manchmal von Vorteil. Der Bürgerschaft hat es über viele Jahrzehnte gutgetan hat, dass Menschen kontinuierlich bei der Sache waren. Aber ich denke, dass es auch gut ist, wenn nach 30 Jahren der eine oder andere Wandel eintritt.

Sie bekommen eine Million Euro in die Hand. Was würden sie damit in Wismar zuerst angehen?

Den wesentlichen Teil des Geldes würde ich in einen gut funktionierenden Busverkehr stecken. Ich kann in keinster Weise akzeptieren, dass die Verwaltung dieser Stadt – an der Spitze der SPD-Bürgermeister – Pläne erst kurz vor dem Kommunalwahlkampf vorstellt. Und ich kann auch nicht akzeptieren, dass der Landkreis, der ebenfalls von der SPD geführt wird, ein Sozialticket beschließt, dass den Namen nicht verdient hat – mit den Stimmen der SPD und der CDU. Es kann nicht sein, dass die Seniorenbeauftragte darüber klagt, dass Menschen nicht mehr zu Veranstaltungen kommen, während sie gleichzeitig in der Bürgerschaft und in der Kreistagsfraktion daran mitarbeiten könnte, dass sich diese Taktzeiten verändern. Es kann nicht sein, dass abends um 21 Uhr niemand mehr mit dem Bus von einer Veranstaltung nach Hause kommt. Da ist diese Million ganz schnell verbaut, verbuddelt und in Tickets investiert.

Was glauben Sie, wie ist es um den Fahrradverkehr in Wismar bestellt? Sind die Fahrradwege gut genug?

Mir ist durchaus bewusst, dass eine Stadt, die zum Weltkulturerbe zählt, Schwierigkeiten hat, alle Verkehre unterzubringen. Es gibt gute Ansätze in dem jetzt vorliegenden Konzept der Stadt – hinsichtlich der Werkverkehre zur Werft und Haffeld. Die Fahrradwege müssen dann auch ausreichende Breiten haben und so gebaut werden wie Straßen – nämlich so, dass sie nicht bei jeder Wurzel sofort sanierungsbedürftig sind. Und wir erwarten von der Stadt, dass die Radwege nicht schlechter behandelt werden als Autostraßen.

Finden Sie es gut, dass das Fahrradfahren in der Fußgängerzone erlaubt ist?

Wenn Fahrradfahrer durch die Fußgängerzone fahren und immer Rücksicht nehmen, würden wir darüber heute nicht diskutieren. Ich sehe das Problem ganz woanders. Wenn ich um 11 Uhr mit Ihnen durch die Hegede gehe, dann sehen Sie mindestens drei Lieferfahrzeuge, die um diese Zeit laut Beschilderung gar nicht mehr dort stehen dürfen. Sie sehen aber niemanden, der sich darum kümmert. Wenn ich dann zwischen diesen Fahrzeugen mit dem Fahrrad durchkomme und dann kommt noch jemand mit dem Kinderwagen – dann wird’s eng. Muss ich den Radfahrer aus der Fußgängerzone verbannen? Oder müsste ich mir vielleicht mal Gedanken dazu machen, dass es in der Weltmetropole Güstrow möglich ist, eine Fußgängerzone mit einem elektrischen Poller zu begrenzen, aber in der natürlich viel kleineren und viel ärmeren Stadt Wismar offensichtlich niemand auf die Idee kommt, den Lieferverkehr durch geeignete Maßnahmen aus der Stadt rauszuhalten.

Bleiben wir beim Verkehr. Die Hochbrücke in Wismar wird rauf- und runterdiskutiert. Was meinen Sie? Ist eine neue Hochbrücke die richtige Lösung?

Manche diskutieren sie ja eher nach unten – in einen Trog. Das ist eine spannende Frage. Ich habe dazu keine abschließende Meinung. Welche Lösung bietet am Ende die meisten Möglichkeiten für die Stadt? Die Kosten, die Möglichkeit zum Entwickeln eines Wohnquartiers und der Erhalt der „Wismaria“ – das müsste alles mit berücksichtigt werden.

Fänden Sie eine Trog-Lösung attraktiv?

Ich halte die Trog-Lösung für eine sehr gute Idee. Da sind durchaus Schnittstellen zur Trassenführung über die Hochbrücke dabei – was die Entwicklung des Wohnquartiers angeht zum Beispiel.

Auch Wismarer Schüler sind für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Was meinen Sie, kann die Stadt beim Thema Umweltschutz noch zulegen?

Die linke Fraktion hat den Antrag zum Plastik-Verbot bei Veranstaltungen der Stadt eingebracht. In Rostock wurde das auch schon diskutiert und beschlossen. Das ist natürlich nur ein winziger Schritt. Wer mal versucht hat, plastikfrei einzukaufen, der weiß, was das für eine Herausforderung ist. Nicht nur für den Geldbeutel, auch für den Alltag. Daran zu arbeiten, ist ein guter Ansatz. Wir haben als Linke explizit in unserem Wahlprogramm stehen, dass wir die Ideen der „Fridays for Future“-Bewegung durchaus in unsere Stadtpolitik einfließen lassen und umsetzen wollen.

Wenn Sie Wismar mit Schulnoten bewerten müssten, wie steht Wismar da?

Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage Wismar bekommt die Note x oder y, habe ich die Stadt zu gut oder zu schlecht geredet. Unsere Aufgabe als Linke ist es nicht zu bewerten, wie wir als Politiker Wismar empfinden, sondern daran mitzuwirken, dass alle Menschen – egal ob arm oder reich – in dieser Stadt sagen, sie geben Wismar die Note „gut“ in allen Bereichen, die für sie wichtig sind. Dazu fehlt aus unserer Sicht noch ein Stück.

Wie viele Sitze wollen Sie mit der Fraktion in der Bürgerschaft bekommen? Haben Sie sich ein Ziel gesetzt?

Wir setzen uns immer ein Ziel und das ist natürlich immer eine Steigerung, aber das liegt am Ende in der Hand der Wähler. Wir wollen mitgestalten und erreichen, dass ohne Die Linke bestimmte Entscheidungen in dieser Stadt nicht getroffen werden können.

Michaela Krohn

Bürgerschaftswahl am 26. Mai in Wismar: Bernhard Schubach von den Piraten erzählt im OZ-Interview, was seine Partei in Angriff nehmen und umsetzen will.

21.05.2019

Neun Parteien und eine Wählergruppe bewerben sich am 26. Mai um den Einzug in die Bürgerschaft. Im OZ-Interview plädiert Sabine Mönch-Kalina (FWF) für die Brötchentaste und stellt das Theater infrage.

21.05.2019

Bürgerschaftswahl am 26. Mai: André Jortzik: von der AfD erzählt im OZ-Interview, was seine Partei in Angriff nehmen und umsetzen will.

21.05.2019