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Wismar Wismar: Mit Tanz und Lachen gegen Mobbing
Mecklenburg Wismar Wismar: Mit Tanz und Lachen gegen Mobbing
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20:19 13.09.2019
Martin Rietsch lässt Schüler eine Zahnpasta-Tube ausdrücken. So will er ihnen zeigen, wie schnell man etwas Unüberlegtes aussprechen kann. Quelle: Annemarie Bumann
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Wismar

Martin Rietsch lacht viel, tanzt gerne und steckt mit seiner Lebensfreude sein Gegenüber ganz schnell an. Auch die jungen Leute der Wismarer Ostsee-Schule zieht der Deutsch-Nigerianer mit seiner fröhlichen Art sofort in seinen Bann und mit Gesang: „Egal, wie die Welt sich draußen dreht, ich bin der, der immer zu dir steht.“

Die Hip-Hop-Zeilen, die davon handeln, dass Freundschaft wichtiger ist als alles andere, sollen die Mädchen und Jungen mitsingen. Und tatsächlich, nach ersten scheuen Sekunden in der Turnhalle singen sie mit und ahmen auch die Tanzbewegungen ihres Coaches nach. „Weil es Spaß macht“, sagen Julia Tramm und Despina Nora Voß (beide 12). Die Schülerinnen genießen den Unterricht mit Martin Rietsch. Er arbeitet drei Tage lang als Gastdozent an der Wismarer Schule, um mobil zu machen gegen Mobbing und Rassismus und einzutreten für mehr Toleranz. Warum? „Weil es ein wichtiges Thema für mich ist“, erklärt er.

In Pflegefamilien groß geworden

Martin Rietsch ist zum ersten Mal in Wismar. Die Stadt sei ziemlich „schnuckelig“. Das Wichtigste bei der Arbeit mit Jugendlichen sei, einen Spannungsbogen zu schaffen und den aufrechtzuerhalten. Und das gelingt ihm gut. Denn er hat sein Wissen nicht aus Lehrbüchern, sondern erzählt aus seinem Leben. Der Künstler ist in Pflegefamilien aufgewachsen und beim Fußballtraining Opfer von Rassismus geworden. Später hat er sich die falschen Freunde gesucht und Drogen genommen. Doch Rietsch hat es geschafft, noch einmal neu durchzustarten.

„Ich habe alles in extremer Form erlebt und genau das motiviert mich“, erklärt er, warum es wichtig ist, Kindern Selbstbewusstsein beizubringen, aber auch Respekt und gutes Benehmen anderen gegenüber. Gelingen könne das, indem man ihre Talente entdeckt und fördert. „Jeder Mensch ist wertvoll und kann irgendwas gut“, sagt er den Schülern immer wieder. Die sollen ihren eigenen Weg gehen und sich nicht von anderen erzählen lassen, sie seien hässlich oder fett. Genau diese Art des Mobbings passiere täglich auf den Schulhöfen Deutschlands. Mit seinen Projekten kämpft Martin Rietsch dagegen an. „Denn mit Mobbing werden Menschen ausgegrenzt und diskriminiert“, sagt er.

Schnell etwas Unüberlegtes gesagt

Wie schnell man etwas Unüberlegtes sagen kann, zeigt er den Schülern mit einer Zahnpasta-Tube. Die sollen sie ausdrücken und danach die Paste wieder zurück in die Tube machen. Das geht nicht. „Deshalb immer erst gut überlegen, bevor man etwas sagt“, mahnt er.

Nach Wismar geholt hat den ausgebildeten Suchtpräventionstrainer Tünde Lovász. Sie arbeitet als Respektcoach beim Jugendmigrationsdienst. Acht solcher Coaches gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, 240 in ganz Deutschland. Zweimal in der Woche ist sie an der Schule, um mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen und Projekte durchzuführen. „Die Arbeit hier klappt sehr gut“, freut sich Tünde Lovász.

Zum Abschluss des dreitägigen Projektes für die Klassen Produktives Lernen sowie die 7a und 7b gibt es ein Gruppenspiel: Mädchen gegen Jungen – verbunden mit Musik und lustigen Bewegungen. Am Ende gewinnen die jungen Damen. „Das waren lustige Unterrichtsstunden, wir haben viel gelacht“, sagen Julia Tramm und Despina Nora Voß. Und darum geht es Martin Rietsch: dass man lachend durchs Leben geht.

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