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Wismar Wismar: Mittagstisch versorgt bis zu 90 Bedürftige
Mecklenburg Wismar Wismar: Mittagstisch versorgt bis zu 90 Bedürftige
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18:29 12.06.2019
Einen vollen Bauch, gesundes Obst, Kaffee und Geselligkeit für den symbolischen Euro. Die Herzlichkeit der Ehrenamtler ist nicht bezahlbar. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Morgens um acht fangen die Ehrenamtler in der kleinen Küche in St. Nikolai mit den Vorbereitungen an. „30 Kilo Kartoffeln schälen zum Beispiel“, lacht Anita Beutel. Die 71-Jährige gehört zu den guten Geistern in der Kirchenküche, sie engagiert sich seit drei Jahren.

Der Mittagstisch für Leib und Seele wirkt in beide Richtungen. Bedürftige bekommen eine warme Mahlzeit, die Ehrenamtler tun Gutes. Wismarer können nun das Pfandgeld beim Flaschenabgeben spenden.

„Um unter Leute zu kommen“, erzählt sie und zuckt mit den Schultern. Die Arbeit, das Ehrenamt tut gut. Das hört man immer wieder von den Hobbyköchen und Küchenhelfern, genauso wie von Klaus Witkowski, der auf über 40 Jahre Berufserfahrung als Koch zur See zurückblicken kann. „Eigentlich war ich nur mal zum Schnuppern da, ob das was für mich ist“, erzählt er. Das ist sieben Jahre her.

Montags und freitags

Nun kocht er jede Woche für Bedürftige in St. Nikolai. „Es macht einfach Spaß“, kommentiert er die Arbeit beim Mittagstisch für Leib und Seele, der offensichtlich in beide Richtungen Gutes tut. Jeden Montag gibt es dort ab 12.30 Uhr eine warme Mahlzeit, Kaffee, Tee, Obst und einen süßen Nachtisch. Freitags wird Suppe gekocht.

Hans Glüse (55) kommt an beiden Tagen. „Es schmeckt hier und ich komme unter Menschen“, dankt er. Die Mahlzeit hilft, der Wismarer holt sich auch alle 14 Tage seine Essenskiste bei der Wismarer Tafel. „Sonst würde ich mit meiner geringfügigen Beschäftigung kaum über die Runden kommen!“

Nicht nur Bedürftige

Im Schnitt kommen 60 bis 90 Gäste. Jetzt im Sommer mehr, weil auch manch ein Wismartourist und Kirchenbesucher sich vom Duft anlocken lässt und höflich nachfragt. „Natürlich kann hier jeder essen“, sagt Pastorin Antje Exner. So sitzt der Hartz-Vier-Empfänger neben der Verwaltungsangestellten. Unterm Kreuz in der Winterkirche kommen die Menschen ins Gespräch.

Bedürftige zahlen den symbolischen einen Euro für ihre Mahlzeit, Touristen oder auch manch ein regelmäßiger Gast, der nicht zu den Kreis der Bedürftigen gehört, geben mehr. Denn nur über Spenden ist der Mittagstisch so möglich. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse – fast alles muss gekauft werden. „Das frische Obst spendet uns ein regionaler Händler“, dankt die Pastorin weiter.

Dank vieler Spender

Die Wismarer Tafeln haben gerade eine große Kiste voller Brot vorbeigebracht. Die Ehrenamtler packen es in kleinen Portionen ab und geben es ihren Gästen mit. Für das Abendbrot zu Hause.

Die Wismarer können nun direkt für den Mittagstisch spenden, das berüchtigte „Kleinvieh“, das hoffentlich viel Mist im Sinne von Geld zusammen kommen lässt. Im Edeka von Jens Meier in der Schweriner Straße sind neben dem Automaten für die Rückgabe von Pfandflaschen zwei kleine Spendenboxen angeschraubt. Eine für das Wismarer Tierheim, eine für den Mittagstisch.

Flaschenpfand spenden

„Das Tierheim hatte die Idee“, erzählt Jens Meier. Er wusste allerdings erst nicht, wie er die Idee und Bitte umsetzen könne. Beim Kollegen sah er die Boxen, zeitgleich trat auch die Kirchgemeinde mit der Spendenboxidee an ihn heran.

Und Jens Meier setzte sie um. Gerne, der Unternehmer engagiert sich auch so fürs Gemeinwohl. Er staunte nicht schlecht: Nach den ersten drei Tagen waren zahlreiche Pfandbons für in Summe fast 30 Euro in der Box. Ähnlich voll war auch die Spendenbox fürs Tierheim. Bons mit Kleinbeträgen unter einem Euro, die vielen Einkäufern nicht weh tun, aber in der Summe etwas Gutes tun. „Tolle Resonanz“, dankte die Pastorin.

Gartenernte spenden

„Wir hoffen nun auf die Kleingärtner“, sagt Monika Arnold (68) aus dem Ehrenamtsteam. Rhabarber, Erdbeeren, frisches Gemüse in entsprechenden Mengen: Die Kirchenköche könne all das gut gebrauchen und verarbeiten. „Wir würden auch Marmeladen einkochen und dann für den guten Zweck in der Kirche verkaufen“, so die gelernte Köchin.

Nicole Hollatz

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