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Wismar Wismar: Nosferatu soll wie Störtebeker eine Theater-Marke werden
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Wismar: Nosferatu soll wie Störtebeker eine Theater-Marke werden

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12:00 02.10.2021
Der Stummfilmklassiker „Nosferatu“ ist 1921 in Wismar gedreht worden und gilt als Mutter aller Horrorfilme.
Der Stummfilmklassiker „Nosferatu“ ist 1921 in Wismar gedreht worden und gilt als Mutter aller Horrorfilme. Quelle: Archiv
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Wismar

Die Störtebeker Festspiele auf der Insel Rügen sind eine deutschlandweit bekannte Theatermarke geworden. Wismar will jetzt nachziehen: In der Stadt finden sich ebenfalls Spuren des bekannten Seeräubers. Doch nicht Störtebeker soll künftig hier auf einer Bühne beklatscht werden, sondern Nosferatu. Der Vampir hat bereits Filmgeschichte geschrieben. Nun soll er in Wismar auch Theatererfolge feiern. Jedes Jahr aufs Neue.

Erfolgreiche Vampir-Premiere

Ausgelöst hat die Pläne die grandiose Premiere des Nosferatu-Sommertheaters. Die Horrorkomödie hat sich trotz Corona-Pandemie zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Von Mitte Juli bis zum 7. August haben sich rund 3600 Zuschauer das Stück angeschaut und sind begeistert gewesen. Die Zahl ist deshalb so gut, weil die Vorführungen nur donnerstags bis sonnabends stattgefunden haben. Deshalb soll es eine Fortsetzungsreihe geben.

Künstlerisch umgesetzt wird sie von Regisseur Holger Mahlich. Er hat auch schon bei den Störtebeker-Festspielen gearbeitet und ist seit 2014 für die Produktionen des Wismarer Sommertheaters verantwortlich. Auch die erste Vampir-Geschichte „Nosferatu – ein Drehtag des Grauens“ hat er inszeniert. Die lehnt sich an den bekannten Stummfilmklassiker an, der 1921 zu größten Teilen in Wismar gedreht wurde und als „Mutter aller Horrorfilme“ gilt.

Theaterstück von 2021 wird erweitert

Das Theater-Team um Holger Mahlich hat den ersten Drehtag nicht nur auf witzige Weise nachgestellt. Während die Darsteller auf der Bühne so getan haben, als würden sie den Film drehen, wurden auf einer Leinwand dem Publikum die Originalszenen gezeigt.

Urvampir im Großformat

Im August 2022 soll Nosferatu nicht nur auf der Theaterbühne zu sehen sein, sondern auch durch Wismar laufen – als Großfigur. In den Straßen wird auf einem besonderem Standrundgang die Geschichte des Wismarer Urvampirs und seiner Angebeteten Lucy erzählt. Dabei werden einige Szenen nachgestellt. Möglich wird das Projekt dank Fördermittel.

Im kommenden Jahr wird die Geschichte erweitert und verändert. Unter anderem auch weil wegen der Corona-Pandemie die sonst abendfüllenden Vorstellungen verkürzt wurden. Dennoch sind im Durchschnitt 160 Gäste pro Aufführung in die Georgen-Kirche gekommen, was Holger Mahlich sehr freut. Künftig sollen die Vorstellungen wieder anderthalb Stunden lang sein. Für ihn ist der Bühnenort ein Hauptkriterium, immer wieder in Wismar zu arbeiten. Ihm gefällt die theatralische Atmosphäre in der Kirche. Und dass ein solches Bauwerk „als Spielort zur Verfügung steht, ist relativ selten“, betont er.

Genügend Stoff für neue Geschichten

Außerdem sollen die Zuschauer nicht das Gefühl haben, sie sehen das gleiche Stück noch einmal. „Es wird anders sein“, verspricht er. Ein zusammenhängender Zyklus wie bei Störtebeker mit fünf Stücken in einer Serie soll es aber nicht werden. „Dracula und Vampire bieten ein sehr weit gespanntes Themenfeld und so genügend Stoff für immer neue Geschichten“, erklärt Holger Mahlich. Er fühlt sich wohl in Wismar. „Es ist eine hübsche kleine Hansestadt, unheimlich schön restauriert“, schwärmt er.

Regisseur Holger Mahlich im Gespräch mit den "Charakterköpfen" - Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Wismarer Werkstätten. Die sind zum Teil seit Jahren beim Inklusionsprojekt mit den Profis auf der Bühne. Quelle: Nicole Hollatz

Seine berufliche Arbeit für das Sommertheater sieht so aus: Die Proben sind zuerst in seiner Heimatstadt Berlin, weil dort auch die meisten Schauspieler wohnen. „Die Endproben finden aber immer in Wismar statt, auch bei den Vorstellungen bin ich dabei“, erzählt der 75-Jährige. In diesem Jahr seien die Corona-Vorgaben für die Zuschauer (Maske tragen während der Vorstellungen und jeweils einen Platz zum Sitznachbarn freilassen) auch für die Schauspieler eine Herausforderung gewesen. Weil sie wegen der Maske die Gesichter der Zuschauer nicht sehen konnten und „so keine Interaktion möglich war“.

100-jähriges Kino-Jubiläum 2022

Den Gedanken, die Nosferatu-Geschichte 2022 fortzuführen, hätte es schon einige Zeit gegeben. Immerhin sei der Film 1922 zum ersten Mal im Kino gezeigt worden und feiert im nächsten Jahr 100-jähriges Jubiläum. Nun soll der Vampir auch 2023 und 2024 auf die Bühne kommen und sich zu einer deutschlandweit bekannten Theater-Marke entwickeln. Auch Vorlesungen und Ausstellungen sowie eine Mitternachtsvorstellung sollen dazukommen. Die soll im kommenden Jahr zusammen mit dem Mitternachtsshopping stattfinden.

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Zum Darsteller-Team gehören auch seit Jahren die „Charakterköpfe“ – Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Wismarer Werkstätten. Die sind zum Teil seit Jahren beim Inklusionsprojekt mit den Profis auf der Bühne. Außerdem gehört auch immer eine komplett barrierefreie Vorstellung mit Gebärden- und Schriftsprache zum Programm – dieses Angebot findet an einem Sonntag statt. Auch das soll in der Nosferatu-Reihe fortgesetzt werden. Künftig soll dann noch ein weiterer Sonntag bespielt werden – als Familienangebot.

Von Kerstin Schröder