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Wismar Wismar: Personalmangel in Seniorenheimen der Stadt
Mecklenburg Wismar Wismar: Personalmangel in Seniorenheimen der Stadt
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18:48 03.11.2019
Etwa 75 Plätze können beim städtischen Pflegeheim am Friedenshof nicht genutzt werden, weil Personal fehlt. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

Der Personalmangel in den Seniorenheimen der Hansestadt beschäftigt die Wismarer Politik. Die Linke und die fraktionslose Grünen-Politikerin Britta Fust wollen den Bürgermeister prüfen lassen, mit welchen Maßnahmen dem Personalmangel vorgebeugt werden kann. Die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitsplätze und die Attraktivität für Fachpersonal in den Seniorenheimen müsse verbessert werden. Ziel sei, so Linke und Fust, „langfristig alle Einrichtungen wieder vollständig betreiben zu können“.

Stadt betreibt 3 Einrichtungen

Hintergrund ist, dass von den insgesamt 369 Pflegeplätzen in den drei Einrichtungen etwa 75 nicht belegt werden können. Dies liege, so Dagmar Broy, Leiterin der Seniorenheime am Friedenshof und Lübsche Burg, nicht am fehlenden Bedarf an Pflegeplätzen, sondern an fehlendem Personal.

"Uns geht es darum, gemeinsam eine Lösung zu finden." Horst Krumpen, Fraktion Die Linke Quelle: privat

Das Thema hatte bereits bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2018 eine Rolle gespielt. Nun in der Bürgerschaft. Auf Antrag der CDU wird es im Eigenbetriebsausschuss weiter diskutiert. Zum Missfallen von Horst Krumpen (Linke): „Das Verweisen löst keine Probleme.“ 75 ungenutzte Pflegeplätze – das könne nicht so bleiben. Krumpen: „Uns geht es darum, gemeinsam eine Lösung zu finden.“

Ausschuss berät am Dienstag

Die Sitzung des Eigenbetriebsausschusses findet am Dienstag, 5. November, um 17 Uhr im Raum 28 im Rathaus statt. An einer Lösung des Problems sind alle Fraktionen interessiert. Wie – das ist die große Herausforderung.

Im Moment sind die Seniorenheime der Hansestadt kaum in der Lage, pflegebedürftige Personen aufzunehmen. Um die Arbeit der Pflegefach- und Hilfskräfte im Haus Friedenshof zu erleichtern, wurde dort eine Station geschlossen. Trotz des bestehenden Bedarfs seitens der Pflegebedürftigen.

Wie die Linke und Britta Fust im Antrag erläutern, könnten viele Hilfskräfte sowie Pflegefachkräfte nur in Teilzeit arbeiten, da oftmals die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig sei. Genau das sei aber eine konkrete Herausforderung.

Die Antragsteller denken auch an Sonderzulagen und Bonusprogramme, um zusätzliches Fachpersonal zu gewinnen.

Konkurrenz verschärft sich

Nach Angaben der Verwaltung hätten gegenwärtig „sehr viele Träger von Pflegeinrichtungen Probleme, zeitnah Fachpersonal zu akquirieren“.

Dies liege zum einen an der Eröffnung neuer ambulanter Einrichtungen für die Tagespflege und Wohngemeinschaften, die ebenfalls Fachpersonal benötigen, aber nicht ausbilden, sondern ausgebildetes Personal von anderen Trägern abwerben. Dabei spiele das Angebot von Arbeitszeiten ohne Schichtarbeit eine entscheidende Rolle. Bei den städtischen Seniorenheimen hätten in den Jahren 2018 und 2019 neun Mitarbeiterinnen ihr Arbeitsverhältnis aufgegeben, weil sie anderswo Tätigkeiten ohne Schichtarbeit ausüben können.

Zum anderen werben nach Informationen der Stadt auch Zeitarbeitsfirmen Fachkräfte aus der stationären Pflege ab, indem sie Mitarbeitern Wunscharbeitszeiten anbieten. Die Folge sei, dass das festangestellte Personal in den Einrichtungen die „unliebsamen“ Dienste abdecken müsse.

Problem Schichtarbeit

„Vollstationäre Pflege bedeutet Schichtarbeit. Wer sich für eine Tätigkeit in der Langzeitpflege entschließt, weiß, dass dies mit wechselnden Schichten verbunden ist. Soweit möglich, wird auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Dienstplangestaltung Rücksicht genommen“, hält die Verwaltung dagegen. Dies geschehe zum Beispiel durch sogenannte „Mutti- bzw. Papa- Schichten“, die erst ab 7 Uhr beginnen oder durch die Abstimmung der Dienste der Mitarbeiter mit den Dienstplänen der Partner in anderen Betrieben.

24 Stunden-Kita nicht die Lösung

Im Vorfeld der Eröffnung der „24- Stunden-Kita“ am Friedenshof sei eine Kooperationsvereinbarung mit der Kita Siebenschläfer geschlossen worden. Im Ergebnis habe man festgestellt, dass der Bedarf für die Betreuung außerhalb der üblichen Kita-Öffnungszeiten sehr gering war. Die Befragten gaben an, eher familiäre Lösungen für die Betreuung der Kinder außerhalb der Kita- Betreuungszeiten zu bevorzugen. Das Übernachten in einer 24-Stunden-Kita wollte keine der Befragten in Anspruch nehmen.

Zur Erhöhung der Vollzeitkräfte bei den Pflegefachkräften sei ein verändertes Dienstplanmodell entwickelt worden. Beschäftigten, die überwiegend 30 Stunden wöchentlich arbeiten, wurde Vollzeitbeschäftigung angeboten. Leider hätten nur acht Fachkräfte der 40 Stunden-Woche zugestimmt.

Auch der Wunsch von Mitarbeiterinnen nach Rückkehr aus der Elternzeit auf eine weitere Reduzierung der Arbeitszeit auf 20 oder 25 Stunden in der Woche wirke sich negativ auf die Besetzung mit Fachkräften aus. Um jedoch den Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern, werde die Reduzierung der Arbeitszeit ermöglicht.

Aktuell seien elf Pflegefachkräfte in Mutterschutz- und Elternzeit, eine im Beschäftigungsverbot und drei Fachkräfte dauerkrank.

Der Vorschlag einer Zwergenstube für eine Kurzzeitkinderbetreuunng löst nach Meinung der Verwaltung nicht das Problem der fehlenden Fachkräfte. Denn für die Betreuung von Kindern sind sind ebenfalls Fachkräfte vorzuhalten.

Finanzielle Anreize?

Auch glaubt die Stadt nicht an die Idee der finanziellen Anreize. Diese würden „ins Leere gehen, da die benötigten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen“. Die Seniorenheime sind tarifgebunden. Eine Prämienzahlung komme nur im Rahmen der tariflichen Regelungen in Betracht. Sogenannte „Kopfgeldprämien“, mit denen einige private Träger werben, seien im TVöD ausgeschlossen. Nach Angaben der Stadt liege die Vergütung nach dem TVöD über der durchschnittlich gezahlten Vergütung in der Altenpflege.

Azubis aus Vietnam

Die Seniorenheime der Stadt setzen verstärkt auf die betriebliche Ausbildung von Pflegefachkräften und auf die Teilnahme an Berufsbörsen sowie Werbung. Um die geplante Anzahl an Auszubildenden zu erreichen, beteiligen sich die Seniorenheime an einer Kooperation zur Gewinnung von Auszubildenden aus Vietnam. In diesem Jahr konnten so sechs Azubis eingestellt werden, drei davon aus Vietnam. Gegenwärtig befinden sich 13 Auszubildende im Betrieb, fünf davon aus Vietnam.

Über den Autor

Von Heiko Hoffmann

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