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Wismar Wismar: Piraten wollen grünere Stadt
Mecklenburg Wismar Wismar: Piraten wollen grünere Stadt
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14:05 21.05.2019
Dr. Bernhard Schubach will sich für die Piratenpartei am 26. Mai in die Wismarer Bürgerschaft wählen lassen. Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Bernhard Schubach (46) ist promovierter Chemiker, seit 2009 Mitglied der Piratenpartei und will sich am 26. Mai wieder in die Wismarer Bürgerschaft wählen lassen.

Herr Schubach, Sie bekommen eine Million Euro in die Hand: Was würden Sie damit in Wismar zuerst angehen?

Wir haben zumindest aktuell das Problem, dass wir das Stadion nicht mehr ausbauen konnten, weil wir das Geld in der Bürgerschaft umleiten mussten – für die Grundschule. Ich finde aber, dass bei den Sportstätten vieles in den vergangenen Jahren liegen geblieben ist. Wenn ich die Million jetzt spontan in der Hand hätte, würde ich sie für Sport- und Freizeitsportanlagen ausgeben.

Finden Sie, die Radwege in Wismar müssen besser ausgebaut werden?

Ich bin schwer dafür. Der Ostseeküstenradweg ist zum Beispiel in der Poeler Straße in einem richtig schlechten Zustand. Und auch an anderen Stellen kann man sehen, dass dort etwas zu tun wäre. Man hat schon den Eindruck, dass die Fahrradfahrer in der Stadt bisher im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern nicht sehr gut gestellt wurden – zum Beispiel an der Hochbrücke, Poeler Straße, das Parkhaus am Hafen. Das sind riesige Verkehrsneubauten für Autos. Für Radfahrer sollte man in Zukunft mehr tun.

Was sagen Sie zum Fahrradfahren in der Fußgängerzone? Das ist erlaubt, wird aber immer wieder diskutiert.

Das war ja vor etwa einem Jahr auch ein großes Thema in der Bürgerschaft. Ich habe mich stark dafür engagiert, damit es weiter erlaubt bleibt. Wismar hat da eine Vorreiterrolle inne. Es gibt etwa 40 Städte in Deutschland, die es inzwischen auch so machen. Es funktioniert, wenn die Fahrradfahrer auch mitmachen und nicht einfach dort entlangheizen, wie sie wollen. Wenn ein Pizzadienst mit Elektrorädern da durchheizt, ist das nicht optimal. Aber in der Summe ist es für alle eine Win-win-Situation. Wir hatten das auch mal mit der Polizei besprochen. Innerhalb mehrerer Jahre gab es 14 Unfälle in der Fußgängerzone – davon waren nur zwei mit Fahrradfahrern, die sich dabei auch nicht verletzt hatten, und der Rest mit Autofahrern.

Bleiben wir grob beim Thema Verkehr: Die Hochbrücke finden Sie nicht so schön, oder?

Die jetzige Hochbrücke finde ich nicht besonders schön, nein. Das muss ich schon klar sagen. Ich habe auch mal ziemlich nah dran gewohnt. Wenn man da entlang geht, merkt man, es ist laut, dreckig und unschön für das Wohngebiet. Das sieht man den Häusern an. Der Umbau der Brücke birgt viele Chancen. Man sollte seinen Horizont ruhig erweitern. Denn die Idee, die die AG Baukultur aufgebracht hat, ist ziemlich clever und fachlich durchdacht und sie gehört auch einmal richtig durchgerechnet. Eine neue Hochbrücke, so wie sie jetzt geplant ist, soll ja noch größer werden. Die würde das gesamte Gebiet um den Mühlenteich noch weiter herunterziehen. Eine Unterführung als Trog mit Deckel würde die Situation sehr entspannen. Die Kosten sind noch gar nicht richtig klar. Wir sagen aber: Wismar ist es uns wert.

Sie hatten gesagt, sie fahren viel Fahrrad. Fahren Sie auch mit dem Bus?

Ausgesprochen selten, hin und wieder aber mal, zum Beispiel nach Neukloster. Die kleineren Strecken fahre ich aber mit dem Fahrrad.

Finden Sie, der Nahverkehr muss in Wismar besser ausgebaut werden?

Ja, ich fände es gut, wenn da mehr geht. Aber außerhalb dieser Stoßzeiten, wenn Schüler unterwegs sind, steht man ganz schön allein an der Bushaltestelle. Man muss schon seinen ganzen Tag darauf ausrichten, wie der Bus fährt. Und das ist zu unkomfortabel. Man müsste etwas in Vorleistung gehen und das Angebot verbessern, dann kommen auch die Leute. Die Taktzeiten müssen verbessert werden. Das ist mit Kosten verbunden und da ist der Landkreis zuständig. Die Zusammenarbeit zwischen Kreis und Stadt müsste da besser klappen. Beim Thema Nahverkehr war das bisher nicht so gut. Wenn man zum Beispiel ins Stadttheater in Wismar will, fährt abends nach der Vorstellung kein Bus mehr.

In Wismar sind Schüler schon mehrfach für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Finden Sie, die Stadt kann beim Umweltschutz zulegen?

Die Stadt kann auf jeden Fall mehr tun. Man könnte Gebäude der Stadt besser dämmen. Das ist auch klimarelevant, weil da viel Energie reingeht. Man könnte auch das Ausleihen von Fahrrädern oder Elektro-Rollern unterstützen, was andere Städte schon machen. Das würde auch die Öko-Bilanz der Stadt aufbessern. Oder wenn ich an die Kreuzfahrtschiffe denke, die ihren Diesel laufen lassen. Man sollte darüber nachdenken, dort Landstrom anzubieten. Wir als Piraten wollen zudem mehr Blühpflanzen für Wismar. Es wär schön, wenn auf Kreisverkehren Pflanzen wachsen würden. Auch im Bürgerpark könnte man sich noch steigern. Die Altstadt könnte auch grüner gestaltet werden, die ist ganz schön aus Stein gemacht. Wir haben als Piraten auch angeregt – und der Antrag wurde auch umgesetzt – dass auf dem Markt Händler mit regionalem Gemüse und Erzeugnissen weniger Standkosten zahlen müssen.

Wenn Sie Wismar als Stadt zum Leben mit einer Schulnote bewerten müssten, wie steht die Stadt da?

Wismar ist wunderschön. Ich wohne ja ganz freiwillig hier. Das hat auch mit der Historie zu tun, mit der Luft, mit der Ostsee – ich würde Wismar mindestens eine 2 plus geben, denn Luft nach oben ist immer und wir haben noch einige Ideen.

Wie viele Sitze erhoffen Sie sich durch die Bürgerschaftswahl?

Wir haben derzeit einen Sitz. Es wäre gut für Wismar, wenn die Piraten weiter in der Bürgerschaft vertreten wären. Mein allergrößter Wunsch wäre natürlich die Fraktionsstärke mit drei Sitzen. Das wäre das Sahnehäubchen.

Michaela Krohn

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