Wismar: Sanierter Westkai hat sich bewegt – Bauwerk abgesperrt 
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Wismar: Sanierter Westkai hat sich bewegt – Bauwerk abgesperrt 

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17:56 22.09.2021
Ein Zaun versperrt den Zutritt zum Westkai - auch die Bootsliegeplätze dürfen nicht mehr benutzt werden.
Ein Zaun versperrt den Zutritt zum Westkai - auch die Bootsliegeplätze dürfen nicht mehr benutzt werden. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

„Ich war total erschrocken, als ich die Absperrung morgens gesehen habe“, sagt Anett Schultz. Sie leitet die Yachtwerft Ostsee GmbH Wismar, die sich am Westhafen befindet. Nur wenige Meter vom Firmensitz entfernt befindet sich der Westkai. Der ist mit einem Zaun abgesperrt worden. Grund der Maßnahme ist eine Bodensetzung, wie die Wismarer Stadtverwaltung mitteilt. Verständlicher ausgedrückt: Die Kaianlage hat sich bewegt. Das soll sie nicht. Warum das Bauwerk es dennoch getan hat, ist bislang unklar. Die Untersuchungen dazu sollen schnellstmöglich aufgenommen werden.

Anett Schultz, bei der die OSTSEE-ZEITUNG nach der plötzlichen Absperrung nachgefragt hat, versteht die Hauruck-Absperraktion nicht. Dass es Schäden am Kai geben soll, sei schon etwa ein Jahr lang Gesprächsthema bei den am Hafen ansässigen Firmen gewesen. Die fragen sich auch: Wie konnte es dazu kommen? Denn erst vor wenigen Jahren ist der Westkai saniert worden.

Keine Fußgänger und Segler erlaubt

Wie es dazu kommen konnte, weiß auch die Stadtverwaltung nicht. Wie sie mitteilt, werde die Kaianlage in regelmäßigen Abständen vermessen und so überprüft. Mögliche Verschiebungen des Bauwerks werden dokumentiert und dem Hafen- und dem Bauamt übersandt, um gegebenenfalls entsprechende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Eine solche Sofortmaßnahme ist nun nötig geworden. Die Bewegung ist nicht sichtbar. „Es handelt sich um einen Millimeter-Bereich“, betont Marco Trunk, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Akute Einsturzgefahr bestünde nicht. Die Sperrung sei aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung veranlasst worden.

Fahrzeuge sind auf dem Kai schon seit Längerem nicht erlaubt gewesen – zwei große Poller liegen deshalb dort bereits. Seit Freitag vergangener Woche dürfen nun auch keine Fußgänger mehr dort unterwegs sein, zudem vom Wasser aus keine Segler mehr anlegen.

Weniger freie Liegeplätze

Auf Segler und andere Bootsbesitzer ist die Yachtwerft Ostsee GmbH Wismar angewiesen. Die repariert deren Schiffe und lagert sie über den Winter in einer großen Halle am Westhafen ein.

Die Skipper kommen dafür mit ihren Booten aus allen Teilen Deutschlands nach Wismar, wenn sie gerade Zeit haben und mieten sich dann Liegeplätze an. Dass sie den Westkai – etwa 13 – nicht nutzen können, stellt auch das Team von Anett Schultz vor Herausforderungen. Denn das muss nun erst einmal alle Kunden über die neue Situation informieren. Zudem ist die andere Hafenseite, auf die die Wassersportler ausweichen sollen, noch gut belegt. Und gerade jetzt kommen die vielen Kunden zur Yachtwerft, weil sich die Wassersportsaison dem Ende neigt.

Bei ihr seien mehr Boote angemeldet als es zurzeit freie Plätze gibt. Mit der Corona-Pandemie und deren Folgen hat auch ihr Unternehmen finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Die Sperrung des Kais ist ein weiterer Rückschlag. „Aber es muss irgendwie weitergehen, wir müssen schließlich für unsere Mitarbeiter und Azubis sorgen“, betont die Unternehmerin.

Hätte die Aktion noch Zeit gehabt?

Für sie beginnt jetzt die Hochsaison: In den nächsten sechs Wochen wollen die vielen Skipper ihre Boote einlagern. Die Wismarerin versteht nicht, warum sie nicht vor der Sperrung informiert worden ist, um ihre Kunden über die Sachlage schnellstmöglich in Kenntnis setzen zu können. Außerdem erhoffe sie sich auch in akuten Fällen lösungsorientierte Gespräche und Alternativen. „Es hätten uns doch zum Beispiel vorübergehend wenige Liegeplätze gegen Bezahlung angeboten werden können, damit wir unser Geschäft weiterführen können.“ Der Brunkowkai am Alten Hafen könnten sie nutzen, aber dort keine Liegeplätze im Vorfeld reservieren, bedauert Anett Schultz.

Kai ist zwei Jahre saniert worden

Wie die Stadtverwaltung mitteilt, sei bei der Sperrung Eile geboten gewesen, weil festgestellt worden sei, dass sich der Kai ein winziges Stückchen nach vorne bewegt hat.

Der 205 Meter lange Westkai ist erst vor wenigen Jahren saniert worden. Von 2014 bis 2016 wurde er gepflastert und begrünt. Die Pfähle, auf denen er steht, sind nicht neu. Die Konstruktion aus den 1950er Jahren ist größtenteils erhalten geblieben. 2,1 Millionen Euro hat das Projekt der Hansestadt Wismar gekostet, 90 Prozent sind vom Land gefördert worden. Wie schlimm die Schäden sind, wird nun ermittelt.

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Von Annalena Wallenta und Kerstin Schröder