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Wismar Wismar: Sinnes- und Therapiegarten für Tagespflegegäste
Mecklenburg Wismar Wismar: Sinnes- und Therapiegarten für Tagespflegegäste
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10:34 26.07.2019
Otto Schultz, Werner Chall und Hans-Jürgen Stumper (v. l.) spielen „Mensch-ärgere-dich-nicht“ im Garten. Im Hintergrund Obstbäume und ein Hochbeet mit Erdbeeren. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Vor anderthalb Jahren hat die Volkssolidarität ihr Gebäude mit betreutem Wohnen und Tagespflege Auf der Helling am Friedenshof eröffnet. Jetzt steht den Gästen auch ein Sinnes- und Therapiegarten zur Verfügung: eine Natur-Oase zum Entspannen, zum Gärtnern und Ernten, um die Sinne anzuregen.

Auf rund 1000 Quadratmetern wurden Obstbäume, Beerensträucher und Blumenstauden gepflanzt, zwei mit Granit eingefasste Hochbeete mit Kräutern und dauertragenden Erdbeeren angelegt, Sitzbänke aufgestellt, ein Therapiepfad mit verschiedenen Belägen, eine Brücke und ein Rundweg gebaut. An den Kosten von 135 000 Euro beteiligten sich das Landesamt für Gesundheit und Soziales sowie das Deutsche Hilfswerk (Fernsehlotterie) mit rund 75 000 Euro. „Wir sind den Unterstützern sehr dankbar. Allein hätten wir’s nicht geschafft“, sagt Christine Bretag, Geschäftsführerin der Wismarer Volkssolidarität.

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Christine Bretag an einem Hochbeet mit Kräutern und kleinem Springbrunnen, um die Hände zu erfrischen Quelle: Haike Werfel

„Es ist wichtig, die Sinne anzuregen. In dem Vier-Jahreszeiten-Garten können sich die Tagesgäste an Blumen erfreuen, an Kräutern riechen, die Vögel zwitschern hören“, erläutert sie. „Gäste, die zum Beispiel an Demenz leiden, sind manchmal sehr unruhig. Hier im Garten kommen sie zur Ruhe.“

Ihre langjährigen Erfahrungen aus der Altenpflege hat Christine Bretag in die Gestaltung des Gartens einfließen lassen. „An die Hochbeete kommen die Senioren bequem heran. Sie können sie saubermachen und haben auf diese Weise gleich eine Beschäftigung. Das ist auch ein Stück Lebensqualität, denn viele von ihnen hatten früher einen Garten.“

Was im Garten wächst, ernten die Mitarbeiter gemeinsam mit den Nutzern der Tagespflege. Auch dies ein Erlebnis für sie. Manche Gäste helfen beim Zubereiten des Mittagessens. Siegfried Tumat, der täglich aus Metelsdorf kommt, schnippelt mit einem abgerundeten Messer Paprika. „Ich werde vor meiner Haustür abgeholt, besser geht’s nicht“, sagt der 84-Jährige.

Siegfried Tumat hilft Jenny Blackmore, Salat zuzubereiten. Quelle: Haike Werfel

Ein älterer Herr dreht im E-Scooter seine Runde auf dem breiten gepflasterten Weg. Er ist als Rundweg angelegt. So wird der Tagespflegegast mit Orientierungsproblemen immer wieder zum Zugang der Einrichtung geführt, erklärt die Chefin. Nach dem Frühstück lädt Isabel Schröder, stellvertretende Einrichtungsleiterin, Elisabeth Thede zu einer Rundfahrt ein. Die Wismarerin sitzt im Rollstuhl. Am Lavendelbeet machen sie Halt, um einen Halm abzupflücken. Die alte Dame schnuppert an den duftenden Blüten. Von einem sonnigen Plätzchen aus möchte sie nun den Steppkes in der benachbarten Kita „Siebenschläfer“ beim Spielen und Planschen im Wasserbecken zusehen.

Isabel Schröder schiebt Elisabeth Thede spazieren. Hier überqueren sie eine Brücke. Der Teich ist ohne Wasser - wegen der Ertrinkungsgefahr. Quelle: Haike Werfel

„Die Kita-Kinder und unsere Senioren basteln gemeinsam und haben ein Sommerfest gefeiert“, erzählt Christine Bretag. „Eine schöne Sache. Wir möchten die Generationen zusammenbringen. Die Kinder lieben es auch, barfuß über den Therapiepfad zu gehen, die großen und kleinen Steine zu fühlen.“

Nicht nur der Kindertagesstätte stehe der Sinnes- und Therapiegarten offen. „Wir bieten auch Vereinen oder Selbsthilfegruppen an, ihn zu nutzen“, lädt die Geschäftsführerin ein. Sie verweist auf den Gemeinschaftsraum, der sich in der Tagespflege im Erdgeschoss befindet. Er führt auf eine Terrasse mit Außengrill und in den Garten.

Die Kosten

Die Pflegekasse übernimmt weitestgehend die Kosten für die Tagespflege. Ein Rechenbeispiel: Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 erhält 1298 Euro im Monat. Nutzt er an drei Tagen pro Woche die Tagespflege, sind dies 13 Tage im Monat. Dafür fallen 665,21 Euro an. Selbst zu zahlen hat er für Verpflegung und Unterkunft sowie für sogenannte Investitionskosten. Die belaufen sich bei 13 Tagen auf insgesamt 200,46 Euro. Abzüglich 125 Euro, die der Pflegebedürftige zusätzlich für Betreuungsleistungen von der Pflegekasse erhält, bleiben 75,46 Euro im Monat, die er selbst für die Tagespflegeleistungen zu tragen hat.

18 Plätze bietet die Tagespflege der Volkssolidarität Wismar am Friedenshof, vier bis fünf sind noch frei. Sie ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Die Gäste kommen auch aus dem Umkreis von Wismar.

Kontakt: Telefon 03841 / 796 76 70

Haike Werfel