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Wismar Wismar: So werden Gemälde restauriert
Mecklenburg Wismar Wismar: So werden Gemälde restauriert
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17:09 13.10.2019
Restauratorin Christine Fölsch zeigt dem Besucher Heinrich Behrens Punkte auf einem Sella-Hasse-Gemälde. "Das ist Fliegen- und Spinnenkot." Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci, 1494 bis 1497 gemalt, ist eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt. Es hängt in einer Mailänder Kirche. Auch im Schabbell, dem Stadtgeschichtlichen Museum in Wismar, gibt es ein „Abendmahl“. Ein Maler namens Vogt hat es 1819 da Vincis Bild nachempfunden. Allerdings ist das Ölgemälde in keinem guten Zustand. Es muss restauriert werden.

Einer Restauratorin im Schabbell über die Schulter geschaut

Fehlstellen markieren

Das Bild ist mit weißen Papierschnipseln übersät. „Sie zeigen die Fehlstellen in der Malschicht an“, erläutert Christine Fölsch. Sie stellte am Sonntag im Schaulabor des Schabbell die Arbeit der Gemälderestauratoren vor. Anlass war der Europäische Tag der Restaurierung. „Es ist Japanpapier, sehr dünnes Papier, das ich auf die Fehlstellen geklebt habe. Zur Sicherung, damit nichts verloren geht.“ Später wird sie auf die Fehlstellen Leim-Kreide-Kitt auftragen. Er sorgt für die Struktur, die beim Malen mit Ölfarbe entsteht.

Denn die fehlende Farbe ergänzt sie mithilfe von Wasserfarbe. „Sie ist reversibel, man kann sie wieder rückgängig machen, wenn es sein muss“, erklärt die Restauratorin. Außerdem sind unter UV-Licht alle Fehlstellen wieder sichtbar. „Auf diese Weise können wir auch erkennen, ob schon vorher Restaurierungen an dem Bild vorgenommen wurden.“ Nicht zuletzt soll sich die Restaurierung vom Fälschen absetzen.

Bevor es zur Retusche, wie die Expertin sagt, kommt, hat sie die Substanz des Gemäldes zu festigen. Das heißt, frisch abgeplatzte Farbe wird mit Klebstoff auf der Leinwand befestigt. Befinden sich Löcher in der Leinwand, werden sie von vorne und von hinten geschlossen. Christine Fölsch stellt auch die Werkzeuge vor, die sie für ihre Arbeit verwendet. Es sind medizinische Geräte, darunter verschiedene Spatel, die ein Zahnarzt nutzt.

Nikotin und Fliegenkot entfernen

Auch die Reinigung gehört zur Gemälderestaurierung. Nicht nur die Rückseite des Bildes ist meist sehr verschmutzt. „Da finden wir häufig ein echtes Biotop“, erzählt die Hamburgerin, die fürs Schabbell schon einige alte Gemälde wiederhergestellt hat. Tannennadeln, Spinnenreste und sogar eine halbe Wäscheklammer hat sie in der sogenannten Schmutzkante im Bilderrahmen schon entdeckt.

Auf der Vorderseite nimmt sie mit einem Wattestäbchen und wässriger Lösung, die die Farbe nicht angreift, den Schmutz ab. „Damit bekommen wir das Nikotin weg“, erläutert die 57-Jährige, „denn in vielen Haushalten wurde jahrhundertelang geraucht.“ Auf einem Gemälde der Wismarer Malerin Sella Hasse weist sie auf kleine Pünktchen hin, die überall verteilt sind. „Das ist Fliegen- und Spinnenkot.“ Das Bild zeigt leichte Damen auf Sankt Pauli. „Es soll demnächst restauriert werden“, informiert Dr. Karen Hammer, die Leiterin der Sammlung im Schabbell.

Kulturgüter erhalten

„Museen haben die Aufgabe, nicht nur Bildung zu vermitteln, sondern vor allem auch Kulturgüter für die nachfolgenden Generationen zu erhalten“, erklärt Dr. Hammer. „Das können wir Museumsfachleute nur mithilfe von Restauratoren.“ Im Schabbell ist ein Restaurator angestellt. Er allein kann die Arbeit nicht bewältigen. Daher werden Aufträge ausgeschrieben und an Freiberufler vergeben. Christine Fölsch ist in den norddeutschen Bundesländern mit dem Schwerpunkt Gemälde, aber auch gefasste Holzobjekte und Altäre in Kirchen tätig. Tausende Bilder und Objekte, die sich im Museumsdepot befinden und erst zum Teil restauriert sind, werden in der Regel aus Anlass einer Ausstellung auf Vordermann gebracht.

Tag der Restaurierung

Der Europäische Tag der Restaurierung wurde im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Restauratoren geben Einblicke in ihre Arbeitsplätze. Die befinden sich in Museen, Archiven und Bibliotheken, privaten Ateliers, in der Denkmalpflege, in Forschung und Ausbildung an Hochschulen.

Der Verbandder Restauratoren richtet den Tag aus, um ihr Hauptanliegen zu vermitteln. Das besteht im Schutz und der sachgerechten Bewahrung von Kunst und Kulturgut.

Von Haike Werfel

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