Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Wismar: Touristenansturm in der Hochsaison
Mecklenburg Wismar Wismar: Touristenansturm in der Hochsaison
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:34 25.02.2019
Im Sommer ist die Wismarer Altstadt oft knackenvoll. Quelle: Nicole Hollatz (Archiv)
Wismar

„Das Jahr 2018 war touristisch toll, wir sind sehr zufrieden“, kommentiert Sibylle Donath, Leiterin der städtischen Tourismuszentrale die Zahlen aus dem Vorjahr. 107,7 Millionen Euro „touristische Umsätze“ wurden in dem Zeitraum in Wismar generiert, die Anzahl der Tagesbesucher beziffert sie mit 2,4 Millionen. Alleine zwischen Januar und November 2018 wurden in den Wismarer „Beherbergungsstätten“ 355094 Übernachtungen gezählt. 5,5 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

„Die Dezemberzahlen bekommen wir erst im März“, erklärt Sibylle Donath. Und in der amtlichen Statistik werden nur die Beherbergungsbetriebe mit 10 oder mehr Betten, sprich die Hotels und Pensionen, aufgeführt. „Alle Anbieter mit weniger Betten gehören zum so genannten Privatvermietermarkt“, so die Fachfrau weiter. Mit den Dezemberzahlen und den Übernachtungen im Privatvermietermarkt schätzt sie die Zahl auf 400000 Übernachtungen, macht gerundet 182000 Besucher. Aber: die meisten Besucher kommen in der Hauptsaison.

Übernachtungszahlen steigen stetig

Die Übernachtungszahlen haben sich in den letzten rund 20 Jahren fast verdoppelt. Zum Vergleich: 2001 hatte Wismar 181000 Übernachtungen, 2012 waren es fast 273000, 2017 schon 360000. Mit diesen Wachstumszahlen liegt Wismar deutlich über dem Bundesdurchschnitt, die Anzahl der Übernachtungen in Deutschland ist im letzten Jahr um nur 2,8 Prozent gestiegen. Knackpunkt ist die Auslastung der Hotels – MV-weit lag sie zwischen Januar und September 2018 bei 49,7 Prozent, in Wismar zwei Prozent drunter. Zum Vergleich: die durchschnittliche Auslastung im Hotel lag 2017 deutschlandweit bei 44,8 Prozent.

Hat Wismar eine zu hohe Bettenkapazität?

Die geringe Auslastung in den Hotels sei ein saisonales Problem, sagt Sibylle Donath. Außerdem treiben in anderen Regionen die Kurkliniken die Zahlen nach oben. Svenja Preuss vom DEHOGA-Regionalverband Wismar und Umgebung widerspricht: für den Hotelbereich sei die Auslastung in Wismar deutlich niedriger, weil auch hier Kur- oder Rehagäste die Statistik nach oben treiben. „Unter 40 Prozent Auslastung für Wismar“, sagt sie.

Und begründet: „Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert, im Bereich Camping- und Ferienwohnungsanbieter haben wir einen starken Wachstum, das macht den Hotels zu schaffen. Wir haben zwar mehr mehr Gäste, aber weniger Auslastung, weil wir einfach immer mehr Betten haben.“ Die Auslastungszahlen sind, so die Hotelierin, seit Jahren rückläufig.

Auch für das aktuelle Jahr ist sie in Hinblick auf die Auslastung eher pessimistisch. „Wir kriegen am Hafen ein Hotel dazu mit knapp 100 Zimmern, das sind bei Doppelzimmern 73000 Übernachtungen! Diese Steigerung an Übernachtungsgästen werden wir nicht haben übers Jahr. Das ist gefährlich für uns und wird leider so noch nicht wirklich erkannt!“

Problem: private Ferienwohnungen

Sie würde sich eine Gleichbehandlung mit dem privaten Vermieter von Ferienwohnungen wünschen. Gefühlt steigt die Anzahl der privaten Ferienwohnungen zulasten der Hotels und Pensionen. „Wir wurden in diesem Jahr zweimal kontrolliert, werden auch die privaten Vermieter kontrolliert, ob sie Mindestlohn zahlen und Steuern?“, fragt Svenja Preuss. Ganz im Gegenteil: „Wir kriegen als Mittelständler immer mehr Auflagen.“ Sibylle Donath: „Wir haben das Thema im Blick, aber wir können es niemanden verbieten, eine Ferienwohnung anzubieten.“

Auch den steigenden Tagestourismus sieht Svenja Preuss kritisch. „In der Hauptsaison werden die Grenzen erreicht und überschritten, alleine bei den Parkplätzen. Wir müssen es schaffen, dass die Gäste länger als nur für ein paar Stunden in Wismar bleiben! Drei, vier oder fünf Nächte!“ Bisher bleiben sie 2,2 Nächte laut Statistik, weit weniger als in anderen Regionen, aber typisch für eine Stadt.

Dabei bleiben die Gäste aus Deutschland im Schnitt eher etwas länger, während die internationalen Wismarbesucher – das ist inzwischen fast jeder 10. Gast! – nur durchschnittliche 1,7 Tage bleiben. „Die wollen auf ihrem Deutschlandbesuch mehr schaffen“, lacht Sibylle Donath.

Die vier Bs im Blick

Sibylle Donath: „Im Tourismus müssen wir immer die vier Bs im Auge behalten –Besucher, Betriebe, Bewohner und Beschäftigte. Wir müssen darauf achten, dass der Tourismus auch für die Bewohner aushaltbar ist. Nachhaltiger Tourismus muss in erster Linie dem Einwohner dienen. Viele Dinge würden wir in Wismar nicht so machen können, wenn es die Touristen nicht gäbe!“ Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen aber auch für die Betriebe und die Beschäftigten stimmen, Fachkräftemangel ist unverändert ein Thema, was die Branche hart trifft. Für diese vier Bs arbeiten Vertreter aus Wirtschaft und Politik derzeit intensiv am neuen Tourismuskonzept für Wismar.

Wismarer Tourismustag

Wie kann Wismar sich touristisch positiv weiter entwickeln? Welches touristische Profil hat Wismar und wie kann ein Marketingkonzept darauf ausgerichtet werden? Derzeit arbeiten die Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik an einer neuen Tourismuskonzeption für die Hansestadt. Im Herbst soll es vorgestellt werden. Erste Ergebnisse werden beim Tourismustag am 4.4. im Zeughaus präsentiert. Vertreter aus der Hotelerie, Gastronomen, Einzelhändler und die Fachleute aus der Verwaltung und der Politik bis hin zum Gästeführer sind genauso wie die Wismarer eingeladen.

Nicole Hollatz

Wismar Passanten stoppen Autofahrer in Wismar - Betrunken Verkehrsinsel gerammt

Einen 61-jährigen Autofahrer hat die Polizei am Wochenende in Wismar aus dem Verkehr gezogen. Er hatte zwei Promille intus und rammte mit seinem Pkw eine Verkehrsinsel.

25.02.2019
Wismar Betrunkener Autofahrer verunglückt bei Bad Kleinen - Pkw landet auf dem Dach

Ein betrunkener Autofahrer ist auf Landesstraße 031 bei Bad Kleinen verunglückt. Der Pkw landete auf dem Dach. Der Fahrer hatte 0,89 Promille intus.

25.02.2019

Der Einsatz von sogenannten Dashcams in Autos ist umstritten. Permanente Aufzeichnungen des Straßenverkehrs sind strafbar. Zu Kameras, die sich nach ein paar Sekunden wieder überschreiben, gibt es bislang keine rechtliche Klarheit.

26.02.2019