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Wismar So will die Hansestadt Wismar ihr Profil als Tourismus-Hotspot schärfen
Mecklenburg Wismar

Wismar plant Meilensteine für den Tourismus

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18:00 07.01.2020
Ideen für den Tourismus in Wismar: Der Weihnachtsmarkt soll in einen Neujahrsmarkt übergehen, aus der Alten Schule soll eine Kunsthalle werden, der Stummfilmklassiker „Nosferatu“ soll inszeniert und ein Schiffswrack gezeigt werden. Quelle: Nicole Hollatz (2), Heiko Hoffmann, Martin Siegel
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Wismar

Die Hansestadt hat eine Tourismuskonzeption, die bis in das Jahr 2029 reicht. 2029 wird Wismar 800 Jahre alt. Zu dem Jubiläum findet auch der internationale Hansetag statt. Bis dahin will die Stadt touristische Meilensteine erreichen.

„Der Tourismus hat sich zu einem erfolgreichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Damit sind steigende Erwartungen verbunden.“ Thomas Beyer, Bürgermeister Wismar Quelle: Heiko Hoffmann

Für Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) hat sich der Tourismus zu einem erfolgreichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. „Damit sind steigende Erwartungen verbunden“, so Beyer. Aus Sicht der Stadt lautet die große Herausforderung: „Wismar steht als Welterbe- und Hansestadt im Ostseeraum in einer Reihe mit vielen, ebenfalls attraktiven Mitbewerbern.“ Daher sei es wichtig, sich klar zu positionieren und ein individuelles Profil zu zeigen.

Aufstrebende Welterbestadt

Die zentrale Botschaft der Konzeption, die von der Bürgerschaft beschlossen wurde, lautet: „Wismar – aufstrebende Welterbestadt an der Ostseeküste“. 2029 soll das für alle sichtbar und erlebbar sein. Auf dem Weg dorthin gibt es fünf strategische Handlungsfelder: stärkeres Miteinander, bessere touristische Infrastruktur, Ausbau von Servicequalität und Gastfreundschaft, vielfältiges Veranstaltungsprogramm, mehr Nachhaltigkeit.

Leinwand auf dem Markt

Untersetzt werden die fünf Handlungsfelder mit mehreren Meilensteinen. Bei der Infrastruktur denkt die Stadt beispielsweise daran, dass Einwohner und Gäste den Bau der Kreuzfahrtschiffe erleben können. Da Besuche auf der Werft auf absehbare Zeit wenig realistisch sind, werden als eine Alternative bei spektakulären Ereignissen wie dem Ausdocken von Schiffen Liveübertragungen mit Leinwand und Moderation auf dem Marktplatz erwogen.

Schiffswrack zeigen

Ideen für den Tourismus in Wismar: Das 2017 vor Wismar entdeckte Schiffswrack einer mittelalterlichen Kogge könnte öffentlich ausgestellt werden. Quelle: Martin Siegel

Aufgewertet werden soll die Ausstellungslandschaft. Als Beispiele werden im Konzept eine Neuausrichtung des Rathauskellers und die Erweiterung der Ausstellung im Schabbell-Museum um den Bereich „Wismar schwedisch“ genannt.

Auch vor dicken Meilensteinen schreckt das Tourismuskonzept nicht zurück. So soll geprüft werden, ob das vor Wismar im Mai 2017 entdeckte mittelalterliche Schiffswrack, das rund 850 Jahre alt sein soll, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Kunsthalle und Neujahrsmarkt

Eine Idee: Ein Neubau einer Kunsthalle über den Fundamenten der Alten Schule und des Stadtmusikantenhauses. Seit Jahren ist das Provisorium über den Resten der Alten Schule alles andere als ansehnlich. Quelle: Heiko Hoffmann

Ein weiteres Beispiel: „Eine Idee, über die noch befunden werden muss, wäre der Neubau einer Kunsthalle über den Fundamenten der Alten Schule und des Stadtmusikantenhauses.“ Seit Jahren ist das Provisorium über den Resten der Alten Schule alles andere als ansehnlich.

Für eine attraktivere Eventlandschaft steht die Idee im Raum, den Weihnachtsmarkt in einen Neujahrsmarkt am Alten Hafen zu überführen.

20 Jahre Welterbe Wismar wird 2022 vom 20. April bis 20. Oktober mit vielfältigen Angeboten gefeiert. Im Mai 2022 finden die Mitgliederversammlung und die Jahrestagung aller Welterbestätten Deutschlands im Zeughaus statt.

„Nosferatu“-Inszenierung

2022 will die Hansestadt eine eindrucksvolle Inszenierung des 100-jährigen Jubiläums des Stummfilmklassikers „Nosferatu“ auf dem Gelände von St. Marien präsentieren. Quelle: Archiv

Ebenfalls 2022 will die Hansestadt eine eindrucksvolle Inszenierung des 100-jährigen Jubiläums des Stummfilmklassikers „Nosferatu“ auf dem Gelände von St. Marien präsentieren.

Schließlich will Wismar 2029 ein guter Gastgeber für die 800-Jahr-Feier und den internationalen Hansetag sein. Beim 49. Hansetag präsentieren sich über 190 Städte mit 1600 Delegierten aus 16 Nationen.

Die Tourismuskonzeption spannt den Bogen von einer Analyse des jetzigen Zustandes mit Stärken und Schwächen und beschreibt Handlungsbedarf.

Millionengeschäft Tourismus

Der Tourismus in Wismar bewegt stattliche Summen. Die Übernachtungssteuer hat 2018 rund 500 000 Euro in die Stadtkasse gespült, „von den 117,3 Millionen Euro Umsatz 2018 aus den Ausgaben der Gäste direkt vor Ort im Gastgewerbe, im Einzelhandel, in den Museen, Kirchen, Freizeiteinrichtungen der Stadt und für Events ganz zu schweigen“, so die Stadt.

Sibylle Donath, Leiterin der Tourismuszentrale: „Der Tourismus ist für die Stadt in den letzten Jahren zu einer großen Erfolgsstory geworden.“ Zwischen 2013 und 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben (mindestens zehn Gästebetten) um rund 31 Prozent von knapp 290 000 auf über 380 000 Übernachtungen.

Damit habe sich Wismar im selben Zeitraum deutlich besser entwickelt als der Landestrend (+6,5 Prozent). Hinzu kommen die Tagesgäste. 2018 waren es 2,5 Millionen.

Auslastung stagniert

Die Tourismuskonzeption beschreibt auch eine Reihe von Risiken. „Während in den Hansestädten an der Ostseeküste von Lübeck über Rostock bis Stralsund und Greifswald die Nachfrage das Angebot überholte, war dies in Wismar nicht der Fall.“ Die Auslastung sei nahezu konstant, „2018 stagnierte sie sogar und liegt derzeit bei rund 46 Prozent.“ Das sei an sich zwar kein schlechter Wert ist, müsse dennoch im Blick behalten werden.

Die Kapazitäten sind zwischen 2013 und 2018 um rund 40 Prozent auf insgesamt rund 2300 Schlafgelegenheiten erweitert worden. Was laut Konzept gänzlich fehlt, ist ein Luxushotel der Fünf-Sterne-Kategorie.

Sorge bereiten Qualitätssignale, die teilweise einen bedenklichen Abwärtstrend zeigen. „Vielmehr sollte die Entwicklung in umgekehrter Richtung stattfinden, weil die Ansprüche der Gäste an Ausstattung, Komfort und Servicequalität steigen“, heißt es im Konzept.

Wismar bekannter machen

Arbeiten will Wismar an einem eigenständigen Profil, das man wie selbstverständlich mit der Hansestadt verbindet. Ausbaufähig sei trotz des „Soko Wismar“-Effekts die überregionale touristische Bekanntheit. So sei Wismar auf der Internetseite der Deutschen Zentrale für Tourismus kaum erwähnt und nicht unter den Top-100-Sehenswürdigkeiten. Auf gängigen Bewertungsplattformen wie zum Beispiel Tripadvisor erscheine Wismar deutlich seltener als andere Hansestädte.

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Von Heiko Hoffmann

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